Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Tödliche Hundeattacke vor Gericht
Nachrichten Panorama Tödliche Hundeattacke vor Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:08 29.05.2018
Ein Kangal sitzt in einem Käfig. Ein Hund dieser Rasse hat vor einem Jahr in Stetten eine Frau tödlich verletzt. Quelle: dpa
Sigmaringen

Es war der 30. Mai 2017 als der Hund der Rasse Kangal sich plötzlich losriss und eine 72-jährige Frau unvermittelt auf einem Fußweg mehrfach in Kopf und Hals biss. Ein Notarzt konnte ihr nicht mehr helfen. Das Tier wurde von der Polizei erschossen. Knapp ein Jahr nach dem tödlichen Angriff in Stetten am kalten Markt auf der Schwäbischen Alb stehen die Besitzer des Tieres vor Gericht. Das Amtsgericht Sigmaringen muss klären, ob sich die 44-jährige Frau und ihr 48-jähriger getrennt lebender Ehemann der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben.

Möglicherweise war das Halsband zu schwach

Für den Prozess in Sigmaringen wurden zunächst vier Verhandlungstage bis zum 10. Juli angesetzt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Halsband zu schwach war und das Grundstück nicht für die Haltung eines Kangal geeignet war.

Zum Prozessauftakt am Dienstag entschuldigte sich das Paar bei den Angehörigen des Opfers. Die 44-Jährige und ihr 48-jähriger getrennt lebender Ehemann ließen über ihre Verteidiger ausrichten, sie bedauerten den Vorfall zutiefst. „Meine Mandantin hätte es nie für möglich gehalten, dass der Hund derart aggressiv und gefährlich ist“, sagte der Anwalt.

Die Attacken häufen sich

Strafrechtlich relevante Vorfälle mit Hunden nehmen in Baden-Württemberg seit Jahren offenbar zu. 2017 wurden 1433 Menschen von Hunden verletzt, wie das Landeskriminalamt in Stuttgart mitteilte. Das entspricht einem Anstieg um 20 Prozent gegenüber dem Wert von 2013, als 1189 Opfer gezählt wurden. Immer handelte es sich um Körperverletzung, manchmal kamen weitere Vorwürfe hinzu.

Bundesweit werden die Vorfälle mit Hunden nach Angaben einer Sprecherin des Bundeskriminalamtes nicht erfasst. Dabei hatte erst vor wenigen Wochen die tödliche Attacke des Kampfhundmischlings „Chico“ in Hannover Schlagzeilen gemacht. Das Tier hatte seine 52 Jahre alte, im Rollstuhl sitzende Besitzerin und deren 27 Jahre alten Sohn totgebissen. Erst am vergangenen Wochenende war ein Rottweiler in München außer Rand und Band und fiel mehrere Passanten an. In Sachsen-Anhalt hatte ein Rottweiler Anfang Mai einen Neunjährigen angegriffen.

Sachkundenachweis für Hundehalter gefordert

Die Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord forderte nach Berichten der „Heilbronner Stimme“ und des „Mannheimer Morgens“ strengere Vorgaben. „Wir brauchen einen verpflichtenden Sachkundenachweis für Hundehalter“, sagte Stubenbord den Zeitungen. Anders als in anderen Bundesländern seien in Baden-Württemberg solche Nachweise laut Polizeiverordnung nur bei gefährlichen Hunden wie American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier nötig. „In Niedersachsen muss der Sachkundenachweis von jedem Hundehalter erworben werden, in Nordrhein-Westfalen bei der Haltung von Hunden ab 20 Kilogramm oder ab einer Höhe von 40 Zentimetern.“

Die Diskussion um die Rasse ist entbrannt

„Die Gefährlichkeit von Hunden hängt nicht von der Rasse ab, sondern von Haltung, Zucht und davon, ob der Hund ordentlich sozialisiert ist“, sagte die Abteilungsleiterin für gesetzliche Vorgaben beim Verband für das Deutsche Hundewesen, Birgit Büttner. Aus Sicht des Verbands sei die Haltung von Hunden ausreichend reglementiert - die Einhaltung der Vorgaben müsse aber besser kontrolliert werden.

Von dpa/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

War es ein Familienstreit, der nun ein dramatisches Ende genommen hat? Eine Frau ist in Salzgitter am Montag auf offener Straße erschossen worden. Eine weitere Frau wurde verletzt. Der Täter ist auf der Flucht.

29.05.2018

Der Junge aus der „Kopf hoch“-Straße ist tot. Schlagersänger Jürgen Marcus („Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“) starb Mitte Mai im Alter von 69 Jahren in München, wie sein Management am Dienstag mitteilte. Er hat den Kampf gegen seine chronische Lungenkrankheit verloren.

29.05.2018

Nur mal schnell etwas einkaufen: Immer wieder lassen Hundebesitzer ihre Vierbeiner in der Sommerhitze im Auto warten. In Mainz musste die Polizei einen Hund aus einem völlig überhitzten Wagen befreien.

28.05.2018