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Panorama Tödliche Kollision mit Polizeiauto – Beamter derzeit nicht im Dienst
Nachrichten Panorama Tödliche Kollision mit Polizeiauto – Beamter derzeit nicht im Dienst
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18:18 08.02.2019
Das Polizeiauto traf das Auto der 21-Jährigen, als diese Einparken wollte. Quelle: Patrick Seeger/dpa
Berlin

Der Berliner Polizist, der mit einem Einsatzfahrzeug vor rund einem Jahr eine tödliche Kollision verursacht haben soll, musste am Unfallort keine Blutprobe abgeben. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Freitag auf Anfrage weiter mitteilte, gebe es aber keine Anhaltspunkte für einen Vertuschungsversuch. Der Test sei nicht zwingend.

Der Beamte soll betrunken am Steuer gesessen haben, als er am 29. Januar 2018 mit bis zu 134 Stundenkilometern durch die Stadt gefahren sein soll. Nahe dem Alexanderplatz krachte er in den Wagen einer 21-Jährigen. Die junge Frau starb noch an der Unfallstelle.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung und Trunkenheit am Steuer

Der Beamte ist nach Angaben der Polizei derzeit nicht im Dienst. Wie lange schon, blieb unklar. Auch ob er suspendiert wurde oder es andere Gründe gab, blieb zunächst offen. Eine Sprecherin machte keine näheren Angaben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs durch Trunkenheit.

Die 21-Jährige war in ihrem Auto in der Grunerstraße hinter dem Roten Rathaus von dem Einsatzwagen mit Blaulicht beim Einparken gerammt worden, der mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war. Zunächst berichteten einige Medien, etwa die „Bild“, die junge Frau habe zum Unfallzeitpunkt telefoniert und berief sich auf Ermittlerkreise. Das wurde inzwischen widerlegt.

Charité verwundert, dass sich niemand für Patientenakte interessierte

Die Eltern der 21-Jährigen äußerten sich bei einem Pressegespräch in Berlin zu den neuen Erkenntnissen. Sie haben demnach aus dem Radio erfahren, dass der Polizist laut Krankenhausbericht eine Promille hatte. Der Anwalt der Eltern fordert, dass nun wegen Totschlags gegen den Mann ermittelt wird.

Er kritisierte auch, dass der Krankenbericht von der Staatsanwaltschaft erst so spät angefordert wurde. Erst ein anonymer Hinweis darauf, dass der Polizist alkoholisiert war, brachte die Wende in dem Fall. Bis dahin war das Todesopfer, nicht der Polizist im Fokus der Ermittlungen.

Der „Tagesspiegel“ zitiert den Ärztlichen Direktor der Charité, Ulrich Frei, mit den Worten: „Uns wundert, dass sich mehr als ein Jahr lang kein Ermittler für die Patientenakte des Polizisten interessiert. Wir haben ein Jahr darauf gewartet, dass jemand mit einem richterlichen Beschluss kommt – schließlich war das ein dramatischer Unfall.“ Aus Gründen der Schweigepflicht konnte das Krankenhaus den Bericht nicht weitergeben.

Von RND/dpa/msk