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Attentäter arbeitete als Animateur im Hotel

Terroranschlag in Tunesien Attentäter arbeitete als Animateur im Hotel

Die Strände sind menschenleer, Touristen verlassen das Land. Tunesien trifft der verheerende Terroranschlag mit 38 Opfern ins Mark. Mittlerweile ist klar, dass der Attentäter als Animateur im Hotel seiner Opfer arbeitete.

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Leer sind die Liegen am Sonntagvormittag am Strand eines Hotels in Sousse. Am Freitag sind hier bei einem Anschlag mindestens 38 Menschen getötet worden.

Quelle: dpa

Sousse. Kinder hielten Kerzen in den Händen. Die Erwachsenen trugen Plakate, auf die sie „Nein zum Terror“ geschrieben hatte. Immer wieder skandierte die Menge „Raus mir den Terroristen“ und „Für ein freies Tunesien“. Tausende Menschen gingen am Wochenende in der Hafenstadt Sousse auf die Straße. Trauer und Mitgefühl, aber auch Verzweiflung und Ärger standen in ihren Gesichtern, deren Stadt zu 40 Prozent vom Tourismus lebt. „Mein Geschäft ist erledigt, ich werde in nächster Zeit nichts mehr verkaufen“, sagte ein Andenkenhändler in der Altstadt, der Stoffe, Keramik und Schmuck führt.

Auch der Strand des „Imperial Marhaba“ liegt verwaist in der Sonne, abgesperrt mit gelb-schwarzem Flatterband. An den Rändern der Liegefläche haben Überlebende und Einheimische Blumen in den Sand gelegt. Bewaffnete Polizisten patrouillieren um das Areal, wo sich vor drei Tagen das schwerste Massaker an Touristen in der Geschichte Tunesiens zutrug.

Fast alle 550 Gäste der Fünf-Sterne-Hotelanlage sind mittlerweile abgereist. Was die Terrortat für die gerade beginnende Hochsaison in Tunesien bedeutet, ließ sich am Wochenende auf den nahegelegenen Flughäfen von Monastir und Sousse erahnen. Bis vor die Außentüren der Abflugterminals stauten sich die Reisenden, die nur noch ein Ziel hatten, möglichst schnell wegzukommen aus dem Land, in dem ein junger Informatikstudent innerhalb von zwanzig Minuten 38 ihrer Miturlauber ermordete und 39 teilweise lebensgefährlich verletzte.

Auch wenn noch nicht alle Leichen identifiziert sind, mindestens 15 Opfer stammen aus Großbritannien. Ein Deutscher hat nach Angaben des Berliner Außenministeriums ebenfalls sein Leben verloren, eine Urlauberin liegt mit einer Kugel im Rücken im Krankenhaus. Der deutsche Generalbundesanwalt Harald Range leitete ein Ermittlungsverfahren ein und beauftragte das Bundeskriminalamt (BKA) mit den Untersuchungen.

Mindestens 39 Menschen sterben bei dem Terroranschlag im tunesischen Badeort Sousse - größtenteils Urlauber. Die tunesischen Behörden kündigten dem Terrorismus den Kampf an, will bis zu 80 Moscheen schließen.

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Über 5000 Briten, 2000 Belgier und viele Deutsche sind inzwischen ausgeflogen worden – abgeholt von einer Großflotte von Charterflugzeugen, die europäische Reiseveranstalter das ganze Wochenende über nach Tunesiens schickten. Nach Angaben des Reiseveranstalters Tui ist die Zahl deutscher Touristen, die ihren Urlaub abbrechen möchten, ebenfalls zurückgegangen. Der Anbieter rechnet damit, dass 250 Gäste vorzeitig abreisen. „Bis zum Sonntagabend werden wir rund 200 Gäste ausgeflogen haben“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Etwa 3500 dagegen wollten demnach in Tunesien bleiben.

Für die Tourismusindustrie des kleinen Mittelmeeranrainers ist dieser zweite mörderische Terroranschlag nach dem Attentat im Bardo-Museum vor drei Monaten eine Katastrophe, deren Dimensionen sich noch gar nicht ausmalen lassen. 16 Prozent des Bruttosozialprodukts erwirtschaftete die Ferienbranche zuletzt, was sie zu einer tragenden Säule des Volkseinkommens macht. 400.000 Menschen arbeiten direkt im Urlaubsgeschäft, das entspricht knapp 14 Prozent aller Beschäftigten.

„Wir werden nicht zulassen, dass die schwarze IS-Fahne unsere Nationalflagge verdrängt“, hatte der 88-jährige Staatschef Beji Caid Essebsi noch in der Attentatsnacht auf einer improvisierten Pressekonferenz in der Lobby des Unglückshotels deklamiert. Gleichzeitig kündigte er in Sousse an, die Behörden würden in den nächsten Tagen 80 nicht staatlich lizensierte Moscheen schließen, in denen Hass gepredigt werde.

In Tunis erklärte Premierminister Habib Essid, die Regierung werde Reservisten mobilisieren und eine spezielle Touristenpolizei zum Schutz der Küste und der Badehotels schaffen. Innenminister Mohamed Najem Gharsalli dagegen übte scharfe Kritik an dem Sicherheitspersonal des Hotels. „Der Attentäter hätte früher gestoppt werden können“, sagte er einem lokalen Radiosender. Der Wachschutz habe nicht sofort nach Beginn der Schießerei die Polizei informiert. „Es gibt Anzeichen für ein Versagen der Sicherheitskräfte“, erklärte auch der Chef der islamistischen Ennahda-Partei, Rached Ghannouchi.

Widersprüchliche Angaben gibt es nach wie vor zu möglichen Komplizen. Auf Fotos ist die Festnahme eines zweiten jungen Mannes dokumentiert, der von einer aufgebrachten Passantin mit Fäusten traktiert wird. Trotzdem gab die Polizei bekannt, der von ihr erschossene Seifeddine Rezgui habe auf eigene Faust gehandelt. Als Extremist war der Täter den Sicherheitsbehörden nicht bekannt, er war noch nie in seinem Leben ins Ausland gereist. Der 24-Jährige studierte nach bisherigen Erkenntnissen Elektro-Ingenieurswesen in der Stadt Kairouan, einer Hochburg von Salafisten. Ein Bekennerschreiben des „Islamischen Staates“ pries ihn als Soldaten des Kalifats, der diesen „abscheulichen Hort der Prostitution, des Lasters und des Unglaubens“ ausgeräuchert habe.

Dagegen berichteten tunesische Medien, der 24-Jährige habe selten die Moschee besucht, sei ein leidenschaftlicher Breakdancer gewesen, der auch mal einen Joint rauchte. Das Ferienressort Port El Kantaoui, zu dem das „Imperial Marhaba“ gehört, kannte er offenbar gut. Dort hatte er bisweilen als Animateur für europäische Urlauber gearbeitet.

Touristen im Fadenkreuz des Terrors

Gefährlicher Urlaub: Terroranschläge im Ausland haben schon Hunderte Touristen das Leben gekostet. Unter ihnen waren auch viele Deutsche. Ein Rückblick:

November 2008: Eine Terrorserie erschüttert die indische Metropole Mumbai. Militante Islamisten greifen Luxushotels, ein jüdisches Zentrum, den Hauptbahnhof und ein Café an. Unter den 175 Toten sind drei Deutsche.

April 2006: Drei Sprengstoff-Attentate im ägyptischen Taucherparadies Dahab reißen mehr als 20 Menschen in den Tod.

Oktober 2002: Mehr als 200 Menschen sterben, als in zwei Diskotheken auf der indonesischen Ferieninsel Bali Bomben explodieren – darunter sechs Deutsche.

April 2002: Vor einer Synagoge auf der tunesischen Mittelmeerinsel Djerba explodiert ein mit Gasflaschen beladener Kleinlaster. Mehr als 20 Menschen, darunter 14 deutsche Touristen, kommen ums Leben. Das Terrornetzwerk Al-Kaida bekennt sich zu dem Attentat.

November 1997: Mitglieder der islamistischen Terrorgruppe Gamaa Islamija erschießen im ägyptischen Luxor 58 Urlauber und mehrere Polizisten – darunter 36 Schweizer und vier Deutsche.

September 1997: Neun Deutsche und der ägyptische Fahrer sterben bei einer Bombenattacke auf einen Touristenbus vor dem Ägyptischen Museum in Kairo.

April 1978: Bei einem Bombenanschlag palästinensischer Extremisten auf einen Touristenbus in Nablus im Westjordanland kommen zwei Deutsche ums Leben, sechs werden verletzt.

von Martin Gehlen

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Nach Attentat in Tunesien
Foto: In der Nacht zum Samstag seien 80 Gäste ausgeflogen worden, sagte ein Sprecher des Reisekonzerns Tui.

Tausende Menschen machen derzeit in Tunesien Urlaub. Nach dem Terroranschlag vom Freitag fliegen die ersten Touristen nach Hause zurück. Einige wollen aber auch bleiben.

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