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"Ich springe nachts über die Friedhofsmauer"

Triathlet Schramm zum Tod seines Sohnes "Ich springe nachts über die Friedhofsmauer"

Im vergangenen Januar hatte Profi-Triathlet Till Schramm völlig unerwartet seinen damals dreijährigen Sohn Henry verloren. Nun hat der Vater eines weiteren Sohnes erstmals ungewöhnlich offen über den Unfalltod seines Kindes gesprochen.

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Till Schramm beim Zieleinlauf mit seinen Söhnen Henry (links) und Theo.

Quelle: Facebook/Till Schramm

Köln. Es gibt viele Szenarien, die Eltern fürchten und die ihnen mitunter schlaflose Nächte bereiten - angefangen vom plötzlichen Kindstod bis hin zu der Vorstellung, das Kind käme eines Tages einfach nicht mehr nach Hause: Doch so ein Szenario, wie es Triathlet Till Schramm im Januar dieses Jahres erleben musste, haben wohl nur die wenigsten Eltern auf dem Zettel. Sein damals dreijähriger Sohn Henry war im Kindergarten an einer Möhre erstickt, hatte zwar kurz wiederbelebt werden können, war aber tags drauf in einer Kölner Kinderklinik gestorben. Auf Facebook hatte Schramm den Tod seines Sohnes damals nicht nur bekannt gegeben, sondern auch mit sehr berührenden Worten ein Stück weit öffentlich verarbeitet.

Im " Kölner Express" sprach der Profisportler nun erstmals ausführlich über den Verlust: "Du machst dir alle möglichen Gedanken als Eltern, setzt hinter jede Impfung deinen Haken, aber an so einen Scheiß denkt man einfach nicht", so der 31-Jährige. Der Tod seines Sohnes habe ihn verändert, er sei ein anderer Mensch geworden: "Ich führe ein Leben, dass ich nie führen wollte. Und wenn ich nicht meinen Sohn Theo hätte, dann wüsste ich wirklich nicht, was ich hätte tun sollen. Theo ist wie eine Taschenlampe, die bei mir ins Dunkle leuchtet."

Ungewöhnlich offen spricht der Familienvater über den Tod seines Kindes, 30 Stunden hätten die Ärzte um seinen Sohn Henry gekämpft. An den Moment, als seine Frau ihn anrief, um vom Unglück zu berichten, erinnert Schramm sich auch heute noch genau. Er habe damals auf dem Rennrad gesessen. Schreiend, flehend und weinend sei er zum Kindergarten gerast. Das Schlimmste aber, so der Ausdauersportler, sei die Fahrt von der Klinik nach Hause gewesen: "Wir sind noch voller Hoffnung hin und dann fährst du ohne dein Kind weg, in ein dunkles schwarzes Loch hinein."

"Ich muss immer etwas zu tun haben"

Doch statt die Erinnerungen an seinen Sohn zu verdrängen, verbringt Schramm auch heute noch in Gedanken viel Zeit mit seinem Sohn: Wenn ich schwimme, laufe oder mit dem Rad fahre, dann ist er bei mir. Ich springe auch nachts über die Friedhofsmauer, wenn das Tor verschlossen ist, um an  seinem Grab zu sein." 

Der Schmerz, sagt Schramm heute, gehe zwar nicht weg, aber er verändere sich. Dennoch brauche er nach wie vor eine feste Struktur, um nicht verrückt zu werden: "Ich muss immer etwas zu tun haben." Im Gegensatz zu früher, sei heute bei ihm alles perfekt aufgeräumt, jedes Werkzeug, jede Schraube sei in einer Schublade. Und auch sportlich hat er sich neue Ziele gesteckt, will noch mal richtig angreifen bei den großen Langdistanz-Wettkämpfen in Frankfurt oder Roth. Schramm: "Man kann vor der Trauer nicht weglaufen, wohl aber versuchen, damit zu leben.

RND/caro

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