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Lachen verboten!

Türkischer Vizepremier Lachen verboten!

Der türkische Vizepremier Bülent Arinc sorgt sich um die Frauen in seinem Land. Genauer gesagt: Um ihr Lachen. Bei einer Ansprache beklagte er den moralischen Verfall der Kultur. Etwa, wenn Frauen ihre Attraktivität zur Schau stellen, um Aufmerksamkeit zu bekommen – oder wenn sie zu laut lachen.

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Lächeln erlaubt, 
Lachen verboten! Die türkische Regierung gibt Benimmregeln für Frauen vor.

Quelle: Malte Christians/dpa (Symbolbild)

Bursa. Erst die Alkoholverbote, dann die Geschlechtertrennung in den Studentenheimen – und jetzt geht die islamisch-konservative Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan noch einen Schritt weiter: Erdogans Stellvertreter Bülent Arinc will den türkischen Frauen das Lachen in der Öffentlichkeit verbieten.

Im westtürkischen Bursa beklagte Arinc jetzt in einer Ansprache einen Verfall der Moral in seinem Land. „Keuschheit ist von kritischer Bedeutung“, mahnte Arinc. „Scham und Ehre“ seien entscheidende Werte. „Keuschheit ist nicht nur ein Wort, sondern eine Zierde für Frauen und Männer“, so der stellvertretende Regierungschef. Dazu gehöre, dass Frauen in der Öffentlichkeit nicht laut lachen oder ihre Attraktivität anderweitig zur Schau stellen, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Arinc kritisierte auch „unnötige Telefonate“. Viele Frauen tauschten über ihre Handys Kochrezepte und allerlei Tratsch aus. Auch überflüssiges Herumfahren in Autos sei verwerflich. „Die Menschen müssen den Koran wiederentdecken“, forderte der Politiker. Das Fernsehen mache mit seinen Serien viele Teenager zu „Sexbesessenen“, beklagte Arinc. Auch der einfache Zugang zum Internet sei schädlich. „Wo sind unsere Mädchen, die erröten und ihr Gesicht schamhaft verbergen, wenn wir sie ansehen, diese Symbole der Keuschheit?“, fragte er.

Arinc gilt als Kandidat für die Nachfolge Erdogans im Amt des Regierungschefs, wenn der heutige Premier im August zum nächsten Staatspräsidenten der Türkei gewählt werden sollte. Kritiker werfen der regierenden islamisch-konservativen AKP vor, sie wolle den Menschen ihre vom Islam geprägten Wertvorstellungen aufzwingen. Sie fürchten, dass Erdogan als Staatsoberhaupt die Islamisierung von Staat und Gesellschaft in der Türkei weiter vorantreiben wird. Der Islamgelehrte Ekmeleddin Ihsanoglu, der bei der Präsidentenwahl als Kandidat gegen Erdogan antritt, widersprach den Ansichten des Vizepremiers Arinc: Nichts brauche die Türkei so sehr wie das fröhliche Lachen der Frauen, teilte Ihsanoglu mit.

Von Gerd Höhler

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