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Noch sind die Deutschen nicht per Du

Mehr als ein Drittel bevorzugt "Sie" Noch sind die Deutschen nicht per Du

Fast 40 Prozent der Deutschen sind beleidigt, wenn sie beim ersten Kennenlernen mit "Du" angesprochen werden. Das macht die Sache für Onlinehändler nicht unbedingt einfacher.

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Im Apple-Store wird der Kunde geduzt – ob es ihm passt oder nicht.

Quelle: Angelika Warmuth/dpa

Hannover. "Zahlst du bar oder mit Karte?", fragt der junge Mann im blauen T-Shirt mit Apfel-Emblem. Ob sein Gegenüber 25 oder 65 ist, schert ihn nicht – das hier ist der megacoole Apple-Store, und es wird geduzt. Flächendeckend und ausnahmslos, das ist Firmenphilosophie, da kann der Kunde ruhig zusammenzucken.

Tut er es nicht, ist er womöglich SPD-Mitglied und als solches das Duzen gewöhnt. Oder er gehört zu den rund 60 Prozent der Deutschen, die sich an einem unaufgeforderten Du nicht weiter stören. Einer aktuellen Umfrage zufolge, die die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Apothekenmagazins "Senioren Ratgeber" durchgeführt hat, reagieren hingegen fast 39 Prozent der Deutschen pikiert bis beleidigt, wenn jemand beim ersten Kennenlernen ungebeten auf das Siezen verzichtet.

Gezeigt hat sich auch: Je älter der Befragte, desto größer seine Abneigung dagegen, sich von Wildfremden duzen zu lassen. Bei den über 70-Jährigen erklärten fast 70 Prozent, dies nicht zu mögen. Und: Frauen lassen sich lieber siezen als duzen, fast die Hälfte der 983 weiblichen Befragten erklärte, die Anrede Sie zu bevorzugen.

Solche Vorlieben muten fast ein bisschen altmodisch an in Zeiten von Ikea und Co. "Gib deinen Lieblingsstücken den Platz, den sie verdient haben", fordern die Texter im Katalog des schwedischen Möbelhauses. Und auch im Internet wird viel geduzt – durchaus auch auf Shoppingportalen. "Entdecke Zalando!", lautet die Aufforderung auf der Startseite des Modeversenders, obwohl sich das Sortiment durchaus nicht nur an U-30-Kundschaft wendet.

Die Frage "Du" oder "Sie" ist tatsächlich eine der meistdiskutierten unter Internetverkäufern. Schließlich will man seine Kunden möglichst zielgruppengerecht ansprechen und nicht riskieren, dass sich der potenzielle Käufer eines 1000-Euro-Mantels konsterniert abwendet, weil er plump niedergeduzt wird.

Bei den Sozialdemokraten entspringt das Duzen hingegen der Haltung, dass alle gleich seien, ob Kanzler oder Kreisverbandschef. Aber selbst parteiintern ist das nicht unumstritten – Otto Schily etwa erklärte mal im "Zeit Magazin", dass er Distanz für eine Stilfrage und daher den Verzicht auf das höfliche "Sie" für gewöhnungsbedürftig hält. Und Genosse Herbert Wehner antwortete einst auf die Frage, ob man ihn duzen dürfe: "Das können Sie halten, wie du willst." Genau die richtige Haltung für den nächsten Besuch im Apple-Store.

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