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Vater gesteht Vergewaltigung seiner kleinen Tochter

Zweijährige missbraucht Vater gesteht Vergewaltigung seiner kleinen Tochter

Ein Vater missbraucht mit einem Mittäter über Monate seine zweijährige Tochter. Vor dem Lübecker Landgericht legen sie jetzt Geständnisse ab. Über das Internet sollen weitere Männer den Missbrauch live verfolgt und sogar Anweisungen gegeben haben.

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Einer der zwei Angeklagten (l) wird von einem Justizbeamten zum Beginn des Prozesses in den Gerichtssaal geführt.
 

Quelle: dpa

Lübeck.  Am Sonntag, 6. November 2016, um kurz nach 6 Uhr morgens schickte Philipp F. (alle Namen geändert) aus Lübeck einem Chatpartner in einer Internet-Kontaktbörse einige Fotos. Sie zeigen ein gedemütigtes, gequältes, misshandeltes Kleinkind.

Die Schreie des Kindes übertönten sie mit lauter Musik

Es war Philipp F.s eigene zweijährige Tochter, deren Folter er einem Fremden stolz präsentierte. Zum Glück – wenn man in diesem grauenhaften Fall überhaupt von so etwas wie Glück sprechen darf – irrte F. sich in seinem Chatpartner. Der war von den Bildern schockiert und leitete sie an die Behörden weiter. Am Mittwoch begann die Hauptverhandlung gegen Philipp F. (28) und seinen Komplizen Stefan G. (47) vor dem Landgericht Lübeck.

Als die beiden im November aufflogen, endete für das Mädchen ein monatelanges Martyrium. Ihr eigener Vater und Stefan G. schlugen, misshandelten, beschimpften und vergewaltigten das wehrlose Kind. Sie dokumentierten ihre Taten auf Video und übertrugen sie in Livechats.

Die Schreie des Kindes übertönten sie mit lauter Musik. „Mag es, wenn sie leidet“, schrieb der Vater in einem Chat. Die Anklage führt neun Fälle von Missbrauch auf, drei Vergewaltigungen und zwei Fälle, in denen Lebensgefahr für das Kind bestand. An vier der neun Taten war Stefan G. laut Anklage beteiligt.

In Handschellen werden die beiden in den Gerichtssaal geführt. Während die Staatsanwältin die Anklage verliest, schließt F., ein Mann mit weichem Gesicht und Doppelkinn, ab und an die Augen. G., ein kahl geschorener Mann mit früh gealtertem Gesicht, wischt sich mit einem Taschentuch über die Augen und knetet seine Finger.

Taten offenbar mit Bedacht geplant

Mit einer Ausnahme räumen sie alle Taten ein, derer sie angeklagt sind. Die Videos, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Gerichtssaal vorgeführt werden, lassen ihnen auch kaum eine Wahl. Die Details der Misshandlungen sind zu furchtbar, um sie hier wiederzugeben. Die Juristen im Gerichtssaal retten sich in eiserne Professionalität. Staatsanwältin Uta Haage trägt die Anklage mit monotoner Stimme vor. Die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz führt die Verhandlung betont sachlich mit präzisen, nüchternen Fragen zu den abscheulichen Einzelheiten.

Hilflos versuchen die Angeklagten, ihre Taten zu erklären. „Ich war teilweise wie in so ’nem Rausch“, sagt F. „Ich war nicht Herr meiner selbst“, bringt G. vor: „Ich hatte mich nicht unter Kontrolle. Da war mein Verstand außen vor. Ich hab’ keine Gefühle gehabt, keine Emotionen.“

Richterin von Lukowicz fragt nach: „Aber zwischen den Taten, haben Sie da mal überlegt: Was hab’ ich gemacht?“ Es sei, als sei ein Schalter umgelegt worden, und er habe in sein normales Leben zurückgefunden, antwortet G.

Philipp F. und Stefan G. planten ihre Taten offenbar mit Bedacht. Sie hatten sich 2015 in einem Chat kennengelernt und sich einmal zum Sex getroffen, bevor sie begannen, das Kind zu misshandeln. F. passte die Zeiten ab, in denen die Mutter des Kindes arbeitete, und dann lud er G. per Chat zu sich ein. Sie tauschten Ideen aus, was sie mit dem Kind machen wollten. G. brachte die Utensilien mit.

Angeklagter: „Ich habe meine Tochter geliebt“

Den Angeklagten drohen hohe Haftstrafen. „Auch wenn sich das durch die Anklage anders darstellt“, sagt Philipp F., „habe ich meine Tochter – und tue es immer noch – ganz stark geliebt.“ Stefan G. sagt, dass es ihm „unglaublich und unendlich leid“ tue.

Nach dem Hinweis des aufmerksamen Chatpartners kam die Polizei schnell auf die Spur der Täter. Thomas R. wurde verhaftet, als er gerade im Darknet, dem Teil des Internets, in dem Identitäten verschleiert werden, chattete. Die Lübecker Polizei bildete eine eigene Ermittlungsgruppe.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird noch immer gegen etwa 50 Personen ermittelt, die den Missbrauch im Internet zum Teil live verfolgt hätten. „Es sind sehr schwierige Ermittlungen“, sagt Ulla Hingst, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, „weil wir es mit irren Datenmengen zu tun haben – im zweistelligen Terabyte-Bereich.“

Gegenüber der Anklagebank sitzt der Großvater des Opfers. Er tritt für seine Enkelin als Nebenkläger auf. Wenn die Videos gezeigt werden, verlässt er meistens den Saal. Es sei schwer auszuhalten, sagt er in einer Verhandlungspause. Was geschehen sei, durch nichts gutzumachen. „Meine Enkelin und meine Tochter haben schon lebenslänglich.“

Von RND/Hanno Kabel

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