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Lebensmittel sollen besser kontrolliert werden

Verbraucherschutz Lebensmittel sollen besser kontrolliert werden

Die Zahl der gepanschten Lebensmittel steigt rapide an – oft sind kriminelle Banden dafür verantwortlich. Verbraucherschützer fordern bessere Kontrollen und einen öffentlichen Pranger im Netz.

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 In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" sind bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden.

Quelle: dpa

Diese Liste sorgt garantiert für Bauchschmerzen. Die Zahlen und Fakten, die Europol und Interpol in dieser Woche zu gefälschten Speisen veröffentlichte, zeigen: Die europäische Lebensmittel-Mafia wird immer skrupelloser – und der Verbraucher hat das Nachsehen.

Nie zuvor haben die internationalen Behörden so viele gefälschte Lebensmittel und Getränke in einem so kurzen Zeitraum beschlagnahmt. Gemeint sind Waren, die zwischen November 2015 und Februar 2016 für den Markt in ganz Europa gedacht waren. Darunter 10 000 Liter mit Chemikalien gepanschter Alkohol aus Großbritannien, fast neun Tonnen mit Kunstdünger gestreckter Zucker aus dem Sudan, 85 Tonnen Oliven, die mit einer giftigen Kupfer-Sulfat-Lösung gefärbt waren, sowie kiloweise Affenfleisch, durch das tödliche Erreger wie das Ebolavirus übertragen werden könnten. „Die gepanschten Lebensmittel bedrohen die Gesundheit und Sicherheit von Verbrauchern auf der ganzen Welt“, sagt Michael Ellis von Interpol.

Spätestens seit dem Pferdefleischskandal 2013 wissen die europäischen Experten von den mafiösen Strukturen im Lebensmittelhandel. Die Gewinnspanne ist hoch, die Kontrollen sind dürftig – und die Gefahr, bestraft zu werden, ist nahezu nicht existent.
Die Einzelhändler sind zwar angewiesen, jede Ware optisch zu überprüfen und auf Haltbarkeitsdaten zu achten. Ob aber Pferd oder Rind in der Lasagne verarbeitet wurde, ob der Honig gepanscht ist oder statt teurer Pinienkerne billige Erdnüsse in der Tüte stecken, ist im Warenlager kaum nachzuvollziehen. Die organisierten Banden machten mit den gefälschten Lebensmitteln Milliarden, sagen die Experten.

Vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heißt es auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschlands (RND): „Ein wesentlicher Grundpfeiler des europäischen Systems der Lebensmittelsicherheit besteht darin, dass Hersteller und Importeure Eigenkontrollen vornehmen und die Sicherheit ihrer Produkte gewährleisten müssen.“ Stichproben würden durchgeführt. Für die Verbraucherschützer von Foodwatch ist das zu wenig.

Es fehle an gesetzlichen Rahmenbedingungen, den Schwarzmarkt nachhaltig auszutrocknen. Die Einzelhändler, die am Ende die Produkte verkaufen, müssten in die Pflicht genommen werden, vernünftige Ware ins Regal zu stellen. Nur so würden auch die Lieferketten sauber gehalten werden. Ein mögliches Vehikel könnte nach Meinung von Foodwatch ein Online-Pranger sein, wo jene Unternehmen aufgeführt würden, die gegen die strengen Auflagen verstoßen. Auch beim BVL denkt man über Maßnahmen nach: Ein Expertenbeirat soll ein nationales Frühwarnsystem entwickeln und etablieren. Denn: „Angesichts der Erfahrung ist davon auszugehen, dass Lebensmittelbetrug immer lohnender und attraktiver wird“, heißt es von der Behörde.

Isabelle Mühleisen, Lebensmittelexpertin bei der Verbraucherschutzzentrale, wird angesichts der Interpol-Zahlen deutlicher: „Theoretisch können alle Produkte auch in Deutschland betroffen sein. Es lässt sich im Moment nicht nachvollziehen, welche Ketten und Marken Lebensmittel aus der aktuellen Liste bezogen haben.“ Sie weiß, dass sich bei teuren Produkten wie Fisch und Bioprodukten besonders viel Geld verdienen lasse. „Bei billigeren Lebensmitteln macht es die Masse.“

Von Carsten Bergmann

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