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Verdächtiger im Fall Mary-Jane festgenommen

Der Bekannte aus der Nachbarschaft Verdächtiger im Fall Mary-Jane festgenommen

Aufatmen in Thüringen. Der Mörder des siebenjährigen Mädchens aus Zella-Mehlis wurde offenbar überführt. Die Polizei hat für Samstag eine Pressekonferenz angekündigt. Zwei Wochen nach dem schrecklichen Mord wurde der Mann Berichten zufolge durch eine DNA-Probe identifiziert.

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Das Gewaltverbrechen an der siebenjährigen Mary-Jane aus Zella-Mehlis ist offensichtlich aufgeklärt.

Quelle: dpa

Zella-Mehlis. Über Zella-Mehlis strahlt die Sonne, es ist warm und die Blätter der Bäume rauschen. Normalerweise ist auf dem Spielplatz neben den Neubaublöcken am Ruppertstal immer viel los. Kinder toben ausgelassen auf dem Klettergerüst, schaukeln und wippen. Doch seit die siebenjährige Mary-Jane verschwand und heute vor zwei Wochen tot in einem Wald entdeckt wurde, traut sich niemand mehr auf den Spielplatz.

Genau gegenüber liegt die Wohnung der Mutter. Wenn sie aus dem Fenster schaut, kann sie nicht nur den Spielplatz sehen, sondern auch den Ruppberg, eine dichtbewaldete Anhöhe, wo Wanderer die Leiche ihrer Tochter in einem Bachlauf gefunden haben. Seitdem suchte die Polizei fieberhaft nach dem Täter. Über 1000 Hinweise sind eingegangen, ein Phantombild wurde veröffentlicht, hunderte Anwohner befragt und freiwillige Speichelproben genommen. Nachdem die Ermittler lange im Dunkeln tappten, scheint Kommissar Zufall jetzt zu Hilfe gekommen zu sein. Mordfall Mary-Jane gelöst, hieß es überraschend. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Fiedler bestätigte dies unter Berufung auf gut informierte Kreise. Mithilfe der DNA-Proben habe sich der Täter selbst überführt. Er sei 37 Jahre alt, vorbestraft und stamme aus dem direkten Bekanntenkreis der Mutter. Die Polizei kündigte eine Pressekonferenz für heute in Suhl an, wollte die Informationen gestern aber nicht bestätigen.

Es ist Ferienbeginn in Thüringen, es wären auch die ersten Ferien von Mary-Jane gewesen. Sie ging in die erste Klasse der Schiller-Grundschule, keine Viertelstunde von ihrer Wohnung entfernt und doch verschwand sie auf dem Heimweg spurlos. Seitdem wirkt Zella-Mehlis wie aus der Zeit gefallen. Die Leute sprechen mit gedämpfter Stimme; viele haben Angst. Eltern warteten nach der letzten Stunde in großen Gruppen vor der Schule, um ihre Kinder abzuholen. „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas bei uns möglich ist. Solange der Täter frei herumläuft, hole ich meine Tochter selbst ab“, sagt eine junge Mutter, die ihren Namen nicht nennen wollte.

Die Anteilnahme in dem kleinen 12.000-Einwohner-Städtchen bei Suhl ist überwältigend. Vor der Wohnung der Mutter werden immer wieder Blumen, Kuscheltiere und kurze Briefe abgelegt: „Warum nur??? Wir denken an dich“. Bei einem Gottesdienst und einer Trauerfeier haben inzwischen viele persönlich von der kleinen „Maja“ Abschied genommen.

Auch Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht kam zur Trauerfeier vor zwei Tagen, um der Mutter ihr Mitgefühl auszusprechen. Die ganze Stadt hatte zusammengelegt, um der 28-jährigen Mutter, die alleinerziehend und über ein Sozialprojekt des Landes beschäftigt ist, eine würdevolle Trauerfeier für ihre Tochter zu ermöglichen. Trauerrednerin Hayde Klonz erzählte aus Majas Leben: „Sie war ein temperamentvolles Teufelchen, ein Wirbelwind, als sie schon laufen lernte.“ Aber sie hatte es auch schwer, war ein sprachlicher Spätzünder, stotterte, wenn sie nervös wurde, und wurde schon im Kindergarten ausgegrenzt und gehänselt. Man könne sich gar keine Vorstellung davon machen, welche lähmende Angst und Hilflosigkeit sie ihrem Täter gegenüber gefühlt haben muss, sagt Klonz.

Die 13-jährige Freundin Rabea hatte zur Trauerfeier das Lieblingslied von Mary-Jane auf CD eingesungen, „Eisblumen“ – ein deutsches Pop-Lied der gleichnamigen Sängerin. „Wir sind wie Eisblumen, viel zu schön für den Tag“, heißt es da. „Dass nun auch in unserer Stadt ein abscheuliches Verbrechen geschehen ist, dass der Täter noch frei ist, vielleicht sogar morgen an uns vorübergeht, unerkannt“, sagte der Bürgermeister von Zella-Mehlis, Karl-Uwe Panse, noch letzte Woche. Denn wissenschaftlichen Studien zufolge ist der Tatort in den allermeisten Fällen tatsächlich auch der Wohnort. Professor Bernhard Bogerts von der Magdeburger Universitätsklinik für Psychiatrie: „Täter, die ihnen unbekannte Kinder missbrauchen, machen die Minderheit der Täterschaft aus.“ Viele sind ohne Schulabschluss, arbeitslos, häufig auch alkoholabhängig und vorbestraft. Ob Mary-Jane auch Opfer eines Sexualverbrechens wurde, dazu hüllt sich die Polizei aber in Schweigen. Noch hat der Tatverdächtige zudem nicht gestanden. Schon heute könnte Zella-Mehlis endlich Klarheit darüber haben und wieder Ruhe finden. Am Montag ist der Geburtstag von Mary-Jane. Sie wäre acht Jahre alt geworden.

Robert Büssow

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