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Verteidiger fordert Freispruch für Pistorius

Schlussplädoyer Verteidiger fordert Freispruch für Pistorius

Oscar Pistorius hat eine Angststörung und schoss aus Selbstverteidigung - so lautet die Version seines Verteidigers. Punkt für Punkt versuchte Barry Roux die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu widerlegen. Er fordert einen Freispruch - oder mildernde Umstände.

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Muss nun auf das Urteil am 11. September warten: Oscar Pistorius.

Quelle: dpa

Pretoria. Im Mordprozess gegen Oscar Pistorius hat die Verteidigung im Schlussplädoyer die panische Angst des Paralympics-Stars für die tödlichen Schüsse auf seine Freundin Reeva Steenkamp verantwortlich gemacht. Der Rechtsanwalt Barry Roux sprach am Freitag von einer “übertriebenen Kampf-Reaktion“ bei seinem Mandanten. Er griff damit auf die Beschreibung einer Stressreaktion aus der Psychologie zurück, in der Lebewesen entweder mit Kampf oder Flucht auf eine akute Bedrohung reagierten. Das Urteil soll nun am 11. September fallen. Zuvor war es noch im August erwartet worden. 

Erklärt die Richterin Thokozile Masipa Pistorius des Mordes für schuldig, drohen ihm mindestens 25 Jahre Haft. Aber auch eine Verurteilung wegen Totschlags könnte eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren bedeuten. Masipa muss sich nach 39 Prozesstagen und 36 Zeugenverhören vor allem auf Indizien verlassen. 

Die Polizei bestätigte, dass der Frau in Pistorius' Haus im südafrikanischen Pretoria am frühen Morgen mehrmals in den Kopf sowie den Arm geschossen worden sei.

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An Pistorius’ überzogener Angst sollen laut Verteidigung die hohe Kriminalitätsrate in Südafrika in Verbindung mit der Behinderung des unterschenkelamputierten Angeklagten schuld sein. „Er wird ständig daran erinnert, dass er keine Beine hat. Er kann nicht wegrennen“, sagte Roux. „Er hat sich bewaffnet und ist zum Bad gegangen. Er wusste, dass es eventuell nötig werden könnte, zu schießen. Er hatte Angst.“ Die vier Schüsse seien zur Selbstverteidigung gefallen. 

In seinem rund fünfstündigen Plädoyer forderte Roux die Richterin auf, Pistorius freizusprechen. Er versuchte, sie zu überzeugen, dass der Athlet seine Freundin Steenkamp in der Nacht zum Valentinstag 2013 irrtümlich getötet hat, weil er einen Einbrecher hinter der Badezimmertür vermutete. 

„Er befand sich vor der Tür, ohne Beine, und hörte Geräusche. Er hat geschossen“, sagte Roux. „Wenn das plausibel klingt und er also aus einem Reflex heraus gehandelt hat, dann müssen Sie ihn freisprechen.“ Wenn die Richterin diese Version hingegen nicht glaube, dann müssten alle anderen Argumente der Verteidigung zumindest als mildernde Umstände gelten, so Roux weiter. Eine Psychiaterin hatte Pistorius bereits während des Verfahrens eine „intensive Angststörung“ bescheinigt. 

Staatsanwalt Gerrie Nel hatte Pistorius am Donnerstag in seiner Schlussrede der Lüge bezichtigt und erklärt, der Sportler habe die Wahrheit bei seinen Aussagen stets zu seinen Gunsten verdreht. Er habe einen vorsätzlichen Mord begangen und müsse in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen werden.  Roux gestand ein, dass sein Mandant im ersten Anklagepunkt - dem der Fahrlässigkeit - schuldig sein könnte. „Aber in diesem Prozess hätte es um Totschlag gehen sollen und nicht um Mord“, betonte er.  

Roux widersprach mit zahlreichen Argumenten der Staatsanwaltschaft. Minute für Minute ging er den Tat-Abend durch und benannte Widersprüche. So hätten etwa Nachbarn ausgesagt, einen Streit und die Schreie einer Frau gehört zu haben, während Zeugen der Verteidigung keinen Streit, sondern nur die Schreie eines Mannes gehört haben wollen. „Würde es Sinn machen, dass der Beschuldigte vor dem Abfeuern der Schüsse „Hilfe, Hilfe, Hilfe“ rufen würde?“, fragte Roux. 

Er versuchte auch, einige Zeugen als unglaubwürdig darzustellen. So sei etwa die Ex-Freundin des Angeklagten gehört worden - sie habe ein Motiv gehabt, voreingenommen zu sein, weil Pistorius sie mit Steenkamp betrogen habe. Ihre Aussage sei „dürftig“ und „widersprüchlich“ gewesen.   

Roux kritisierte zudem die „schlampige Arbeit“ der Ermittler, die Beweismaterial verfälscht und manipuliert hätten. Die Polizisten hätten „keinen Respekt für den Tatort gezeigt“ und Teppiche, Handtücher und Handys durcheinandergebracht.  Die Richterin nannte einen Vergleich von Roux unpassend: Der Verteidiger hatte gesagt, Pistorius habe sich wie eine Frau verhalten, die jahrelang missbraucht worden sei und bei der sich alles Aufgestaute irgendwann gegen ihren Mann entlade. So ähnlich sei das bei seinem Mandanten gewesen, der jahrelang unter seiner Behinderung gelitten habe.

dpa

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