Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Hinweise auf Terroranschlag in Lüttich
Nachrichten Panorama Hinweise auf Terroranschlag in Lüttich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:59 29.05.2018
Polizisten untersuchen den Tatort in der belgischen Stadt Lüttich Quelle: dpa
Lüttich

Es war eine Geste der Solidarität mit den Opfern und ihren Angehörigen – in einem Augenblick, in dem Belgien seinen König mehr braucht als sonst. Nur wenige Stunden nach dem Anschlag in der Lütticher Innenstadt reiste der Monarch Philippe in Begleitung von Premierminister Louis Michel in die wallonische Stadt an der Maas. Auch wenn die Ereignisse noch nicht alle restlos aufgeklärt werden konnten, immer mehr Indizien deuten auf einen Terroranschlag hin.

Gegen halb elf am Dienstagmorgen griff der Täter, der mit einem Messer ausgerüstet war, in der Innenstadt von Lüttich zwei Polizistinnen von hinten an. Er entriss einer Beamtin ihre Waffe und erschoss beide. Anschließend lief er zunächst zu Fuß weiter, ermordete einen 22-jährigen Autofahrer in seinem Fahrzeug und floh dann in die nahegelegen Schule Athenée Léonie de Waha, wo er eine Putzfrau als Geisel in seine Gewalt brachte. Inzwischen hatte die Polizei Sicherheitskräfte zusammengezogen. Es begann eine heftige Schießerei. Zwei Polizisten wurden verletzt, ehe der Täter selbst „neutralisiert“ werden konnte. Die Reinigungskraft blieb unverletzt.

Tat wird als mutmaßlicher Terroranschlag eingestuft

Schwarz gekleidet, sei der Täter gewesen, teilte die Polizei später mit und es gab offenbar auch „Allahu Akbar“-Rufe (Allah ist groß). Ob im Verlaufe der Ermittlungen weitere Indizien für einen islamistischen Hintergrund, gefunden werden können, war zunächst noch ungewiss. Da der Vorfall dennoch als mutmaßlicher Terroranschlag eingestuft werde, sagte Staatsanwalt Philippe Dulieu, habe die Föderale Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Zunächst sicherten Polizeibeamte das Umfeld des Boulevard d’Avroy unweit des Flusses Maas. Dann wurden die Schüler aus dem Gebäude geholt. Lüttichs Bürgermeister Willy Demeyer bestätigte gegen Mittag, dass alle unverletzt, aber teilweise sehr schockiert gewesen seien. Sie wurden von Psychologen betreut.

Täter wurde am Tag zuvor aus dem Gefängnis entlassen

Bei dem Täter soll es sich um den 36-jährigen Belgier Benjamin Herman aus Rochefort handeln. Offenbar war er erst am Tag zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden – auf Bewährung. Er verbüßte eine Haftstrafe wegen diverser Drogendelikte, galt auch als gewaltbereit. Für eine Radikalisierung oder gar eine islamistischen Hintergrund gab es aber offenbar auch bei den Sicherheitsbehörden keine Hinweise.

„Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser schrecklichen Tat“, schrieb König Philippe in einer ersten Reaktion im Kurznachrichtendienst Twitter und wünschte den Angehörigen der Verletzten und Opfer „viel Mut“. Premierminister Charles Michel verurteilte die „feige und blinde Gewalt“ und sagte den Hinterbliebenen Unterstützung zu. Die wurde in Belgien gerade erst neu geregelt, weil man Konsequenzen aus der fehlenden öffentlichen Hilfe für die Betroffenen der Anschläge vom 22. März 2016 ziehen wollte.

Damals starben 32 Menschen bei Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in einer Bombe in einem Metro-Zug. Trotz der Ereignisse von Lüttich wollte das Krisenzentrum des Landes am Dienstag die Terrorwarnstufe 2 nicht anheben. Sie besagt, dass ein Anschlag derzeit „wenig wahrscheinlich“ ist.

Von RND/Detlef Drewes

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Temperaturen über 30 Grad im Frühjahr und täglich neue Rekordwerte. Normal ist das nicht, sagen mittlerweile viele Meteorologen. Ihre Prognose: Wetterextreme, wie wir sie gerade erleben, werden zunehmen.

29.05.2018

Eine 30 Jahre alte Frau ist am Montagabend in Salzgitter auf offener Straße vor den Augen ihrer Kinder erschossen worden. Der Vater des Opfers berichtet der HAZ von dem schrecklichen Geschehen vor dem Haus seiner Familie. Der mutmaßliche 30-jährige Täter wurde am Dienstag festgenommen.

29.05.2018

Bedenkenlos ins kühle Nass: Das Baden bleibt in fast allen Flüssen, Seen und an den Küsten in Deutschland ein sauberes Vergnügen. Nach einem neuen EU-Bericht erfüllen 98 Prozent der 2287 untersuchten deutschen Badestellen die EU-Mindeststandards für Badegewässer.

29.05.2018