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Vom Terrorverdächtigen zum Teeniestar

Obama empfängt Schüler Ahmed Vom Terrorverdächtigen zum Teeniestar

Amerikas neuer Jugendstar kommt nicht aus Hollywood. Ahmed Mohamed gilt als begeisterter Tüftler und wurde am Montagabend von Barack Obama in Washington empfangen. Dabei ist es gerade erst vier Wochen her, dass IHN die Polizei in Handschellen aus seiner Schule abgeführt hat.

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Auf Einladung der US-Regierung treffen sich anerkannte Größen aus der Forschung ganz ungezwungen mit hoffnungsvollen jungen Talenten wie Ahmed.

Quelle: Michael Reynolds

Washington. Mit der „Nacht der Astronomie“ will sich das Weiße Haus einmal im Jahr ganz der Wissenschaftsförderung widmen. Auf Einladung der US-Regierung treffen sich anerkannte Größen aus der Forschung ganz ungezwungen mit hoffnungsvollen jungen Talenten. Am Montagabend diskutierten die Mitarbeiter und Anhänger der Weltraumbehörde NASA jedoch weniger über jüngste Phänomene im Weltall, als vielmehr über den alltäglichen Umgang mit dem Fremden.

Auch der Präsident deutete an, dass Ahmeds Erlebnisse ein bedrückendes Licht auf die US-Gesellschaft werfen: Vor vier Wochen hatte sich der gebürtige Sudanese an seiner Highschool in Irving unweit von Dallas an einem kleinen Technikwettbewerb beteiligt. Mit Begeisterung präsentierte Ahmed einen übergroßen und selbst gebastelten Wecker, den er in einem schweren Metallbehälter in seinen Klassenraum getragen hatte.

Wie ein Schwerkrimineller behandelt

Einige Drähte und Schnüre hingen allerdings so weit aus seinem Rucksack, dass seine Englischlehrerin misstrauisch wurde und die Polizei rief. Da das Ungetüm tickte, sprach die Pädagogin am Telefon aufgeregt von einer „möglichen Bombe“.
Nach einer Viertelstunde eskalierte die Situation vollends: Zwei bewaffnete Beamte betraten das Schulgebäude und nahmen den Jungen kurzerhand fest.

Wie ein Schwerkrimineller wurde Ahmed in Handschellen abgeführt. In den anschließenden Stunden traten insgesamt sechs Polizisten an den verängstigten Jungen heran, um ihn zu verhören und seine Fingerabdrücke zu nehmen. Das Foto, das seine Schwester von ihm in Polizeigewahrsam schoss, verbreitete sich in Windeseile über die sozialen Medien – und führte zu einem riesigen Aufschrei.

Diskussion über Alltagsrassismus

Nicht nur Ahmeds Mitschüler, sondern auch zahlreiche Einwandererorganisationen protestierten: Gingen die Behörden so rabiat vor, weil Ahmed eine dunkle Hautfarbe hat und aus einem muslimischen Land stammt? Nach den Rassenunruhen in Ferguson und Baltimore fragen sich viele Beobachter einmal mehr: Wann findet das große Einwandererland endlich zu einem entspannten Umgang mit Einwanderern?

Die richtigen Worte fand schließlich das Staatsoberhaupt: „Coole Uhr, Ahmed, willst Du sie mal im Weißen Haus vorbeibringen?“; twitterte Obama wenige Tage später. Und an die voreilige Lehrerschaft gerichtet, ergänzte der Präsident: „Amerika braucht ehrgeizige Tüftler.“

Dass unterschwelliger Rassismus keinen Platz in den USA haben darf, stellen auch die Internetkonzerne klar: Facebook-Chef Mark Zuckerberg lud den jungen Mann zu einem Besuch ein, Twitter bot dem Schüler sogar ein Praktikum im Silicon Valley an. Und Google wünscht sich Ahmed künftig als Begleiter auf Technikmessen.

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