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Sexualkunde mit Rihanna
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Popstar auf Deutschlandtour Sexualkunde mit Rihanna

Es geht um Sex: Daraus hat Rihanna auf ihren beiden bisherigen Deutschlandkonzerten keinen Hehl gemacht. Und so ist das Konzert in Berlin - einen Tag vor dem Auftritt der Sängerin in Hannover am Mittwoch - auch eher eine Sexualkunde-Stunde.

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Rihanna weiß wie es geht - und macht den Michael-Jackson-Move.

Quelle: dpa

Hannover. Die erste Überraschung ist eigentlich, dass das Licht kurz nach 21 Uhr tatsächlich ausgeht. Das bedeutet, der Star wird jetzt gleich die Bühne betreten und kommt damit halbwegs pünktlich. Das hat zuletzt nicht immer geklappt bei Rihanna. Die zweite Überraschung folgt sogleich. Statt mit einem ihrer Großraumdisko-Hits eröffnet die Frau aus Barbados ihr Konzert in Berlin mit einer Ballade, „Mother Mary“, nur sie am Mikrofon, sparsamst instrumentiert, dahinter auf Leinwand ein römische Statue. Nanu? Rihanna ist doch angeblich dieses böse Mädchen, dass sich ständig beim Kiffen und halbnackt fotografiert. Seit wann denn so ruhig?

Doch natürlich bleibt das nicht so auf Rihannas Deutschlandtour, die sie bisher nach Köln und Berlin geführt hat. Das Konzert in Hannover bildet den Abschluss ihres Deutschlandbesuchs.

Keine zwei Minuten nach der Autaktballade rotieren 15 kleine Bildschirme über der spitz in den Innenraum der ausverkauften Berliner O2-Arena ragenden, wenig spektakulären Bühne. Sechs Tänzer verrenken sich und der Bass lässt den Boden beben. „Phresh Out the Runway“ sei sie, frisch vom Laufsteg, das passt natürlich in die Stadt, in der gerade die Fashion Week läuft.

Mit dem Hintern gegen Feminismus

Der große Unterschied zu den auf Stil bedachten Modeschauen: Rihanna ist bei ihrer Show eher Grabbeltisch als Chanel, ihr Intimbereich integraler Bestandteil der Performance. Kaum eine Choreografie, die nicht auf zahlreichen Fingerzeige gen Fortpflanzungsapparat basiert, alternativ wackelt sie mit dem Po. Sexualkunde mit Rihanna. Anders formuliert: Den Feminismus, den Kollegin Beyoncé wenige Wochen zuvor in der selben Halle propagierte, reißt Rihanna mit dem Hintern wieder ein.

Auffällig ist vor allem das Ungleichgewicht der Setlist. In der ersten Hälfte setzt sie fast ausschließlich auf kleinere Hits und Album-Songs. Beim latent psychedelischen „Numb“ ist die Stimmung ähnlich verhalten wie beim langsam schwurbelnden „Loveeeeeee Song“. Dabei hat Rihanna Sparsamkeit in Sachen Setlist nicht nötig. Sieben Alben in sieben Jahren, in Deutschland war sie 17 Mal in den Top Ten. Zu hören gibt es aber vorerst R‘n‘B, Hiphop, Reggae und ein bisschen Rock. Das Aufsparen der Dance-Kassenschlager hat immerhin den Vorteil, dass die Halle am Ende doch noch kocht. „We Found Love“, „S&M“, „Only Girl“, „Don‘t Stop The Music“, „Where Have You Been“, alles am Stück, teilweise gekürzt als Medley, was ein paar Fans enttäuscht. Die Künstlerin wird dabei durchgängig verbal von Band unterstützt. Sie singt ihre eigenen Songs gelegentlich mit, gelegentlich auch nicht (meist, wenn der Hintern besonders heftig geschüttelt werden muss). Komplett live gesungene, weil eher langsame Nummern zeigen aber auch, warum das so ist.

"Sexualkunde mit Rihanna" könnte man über die Auftritte in Köln und Berlin schreiben - und auch in Hannover ist wohl ein ähnlich heißer Auftritt zu erwarten. Ein (jugendfreier) Vorgeschmack:

Rihanna ist keine große Sängerin, keine große Tänzerin. Sie hat Charisma, die Zuschauer sind wohlwollend. Jeder ihrer „Berliiiiin“-Ausrufe wird gefeiert. Zwischendurch inszeniert sie sich im roten Kleidchen als Diva, ihr „Cold Case Love“ klingt nach James Bond-Titelsong, und sie könnte sehr gut dessen Girl sein. Fünf Mal wird das Outfit gewechselt.

Das größte Glück der 25-Jährigen ist ihr Ruf. Sie macht alles zum Hit, ihr Team versteht es außerordentlich gut, Trends der Pop-Musik zu erkennen und sogleich zu Ohrwürmern zu verarbeiten. Das ist manchmal plump, aber das sind Cheeseburger auch. Trotzdem hat man auf die manchmal mehr Appetit als auf das Menü des Sternekochs.

Rihanna ist wie Großraumdisko. Etwas, dass Kulturkritiker, Individualisten und Hipster brauchen, um sich darüber zu echauffieren. Weil Rihanna Masse ist, und die Masse nie guten Geschmack haben darf. Das macht den Fans in der O2 World aber spätestens dann so gar nichts, als Rihanna nach 100 Minuten als Zugaben ihre zwei neusten Welterfolge „Stay“ und „Diamonds“ loslässt. Einfache Songs mit großer Wirkung, die Hannover zuletzt 2011 genießen konnte.

Das unterscheidet Rihanna von den Beyoncés und Lady Gagas, die gern für etwas stehen wollen und ihrer Musik Metaebenen andichten. Rihanna ist der krasse „Ich mache, was ich will“-Gegenentwurf. Wozu nach Höherem streben, wenn es doch so gut läuft.

Von Sebastian Scherer

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