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Baumgiganten in Gefahr

Wald- und Buschbrände in Kalifornien Baumgiganten in Gefahr

Seit anderthalb Monaten peitschen Flammenmeere durch den Norden Kaliforniens. Für die Feuerwehr wird der Einsatz zur Sisyphosarbeit. Die Buschbrände bedrohen neben Menschenleben auch Mammutbäume.

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Die kalifornische Feuerwehr kommt mit dem Löschen nicht hinterher.

Quelle: dpa/EPA/ALAN SIMMONS

Sacramento. Sie sind Kaliforniens größte Touristenattraktion, in jedem Sinne: Die Sequoia-Bäume, auch als Riesenmammutbäume bekannt, sind über 2000 Jahre alt, haben meterdicke Stämme, und ihre Kronen reichen teils bis in über 90 Meter Höhe. Jetzt stellt sich die bange Frage: Wie lange werden diese Giganten der Natur noch überleben? Denn die Feuerwalzen im Norden des Pazifikstaates rollen auf die Naturwunder in Sequoia und Kings Canyon zu.

In Kalifornien sind tausende Menschen von Buschfeuern bedroht, die rasch um sich greifen. Nach Angaben der Brandschutzbehörde CalFire ist bisher ein Mensch ums Leben gekommen.

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Geschlossen sind diese beiden Nationalparks und der nördlich gelegene Yosemite-Park schon seit Ende vergangener Woche. Seitdem die apokalyptische Feuerwand den Highway 180 – die einzige Straße dorthin – überrollt hat und dichter Rauch und Ascheregen die Sicht versperren. Aber Experten befürchten, dass bald die ersten Flammen an den Stämmen der Sequoias lecken – und auch "General Sherman", dem größten Baum der Erde, zum Verhängnis werden. Bislang wurde das noch verhindert.

Das sogenannte "Rough"-Feuer ist mit einer Ausbreitung von über 56.000 Hektar bereits das größte in der Geschichte des Bezirks Fresno. Fast 3000 Feuerwehrleute kämpfen um die Sequoia-Bäume und die Berg-Ortschaften, die bedroht sind. Und das bereits seit Juli, als Blitzschläge insgesamt 240 Feuer auslösten. Bis zum Montagabend (Ortszeit) hatte die Feuerwehr erst 40 Prozent des Infernos unter Kontrolle.

6000 Häuser sind bedroht

Das größte Problem ist, dass es gleich mehrere riesige Brandherde in dem von der Jahrhundertdürre geplagten Sonnenstaat Kalifornien gibt – und sie liegen Hunderte von Kilometern auseinander. Das gefährlichste ist das "Valley Feuer" im Bezirk Lake County nördlich von San Francisco, das bis Montagabend über 18.000 Hektar vernichtet hat. Es ist bisher erst zu 5 Prozent unter Kontrolle. Das "Butte Feuer" (bislang 28.000 Hektar zerstört) wütet in den östlichen Bezirken Amador und Calaveras und konnte von den 4000 Feuerwehrleuten, die dort im Einsatz sind, erst zu 30 Prozent eingedämmt werden.

Die beiden Monsterbrände "Valley Feuer" und "Butte Feuer" zerstörten zusammen bislang gut 50.000 Hektar Land – und damit eine Fläche, die neunmal so groß ist wie Manhattan. Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Daniel Berlant sind über 6000 Häuser nach wie vor bedroht. Vier Feuerwehrleute wurden mit Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht.

Der Feuerbekämpfungs-Experte Jeff Tunnel spricht von dem "schlimmsten Alptraum, den wir erwarten konnten". Auch Gouverneur Jerry Brown klingt alles andere als optimistisch, der schlimmen Lage zügig Herr werden zu können: "Wir liegen im Kampf gegen die Natur und sie ist stärker als wir. Wir brauchen mehr Geld und Hilfe." Beides soll aus Washington kommen. Darum hat Brown für Kalifornien den Notstand ausgerufen.

Erste Tote entdeckt

Die 1300 Einwohner des Städtchens Middletown im Verwaltungsbezirk Lake nördlich von San Francisco sind von der Feuersbrunst besonders betroffen: Sie mussten am Wochenende innerhalb von 10 Minuten ihre Häuser verlassen. Der Wind hatte gedreht und das "Valley Feuer" schoss auf sie zu. Wendy Gattoni wird das Getöse der Feuerwalze ihren Lebtag nicht vergessen: "Die Bäume sind regelrecht hinter uns explodiert. Es war die Hölle auf Erden. Die Feuerwand war 20 Meter hoch."

Über 1000 Gebäude sind nur noch Schutt und Asche. In einem verbrannten Haus am Stadtrand wurde das erste Todesopfer entdeckt. Es ist eine Frau, die am Sonnabendabend um 19.12 Uhr panisch den Notruf verständigt hatte. Sie war gehbehindert und konnte sich nicht selbst in Sicherheit bringen. Als ein Rettungsteam der Feuerwehr eintraf, stand ihre Holzhütte bereits in Flammen. Gouverneur Brown warnte eindringlich, es könne weitere Todesopfer geben. "Diese Brände werden Leben nehmen und Verletzungen verursachen."

Das Mobiltelefon-Netz ist in weiten Teilen des Katastrophengebiets zusammengebrochen. Mithilfe von kleinen lokalen Radiostationen wie KPFZ-FM in Lakeport werden Familien wieder zusammengeführt, die sich nach Evakuierungen verloren haben.

Vor einer Kalifornien-Karte, auf der die heißesten Brandgebiete gekennzeichnet waren, warnte Gouverneur Brown, dass der Staat noch größeren Gefahren ins Auge blickt als den Flächenbränden: "Die Migration, die wir in Europa gerade sehen, werden wir bald auch in Kalifornien erleben. Nicht aus politischen, sondern aus klimatischen Gründen."

Von Christian Thiele

Die Dürre

Kaum Regen, leere Wasserreservoire, vertrocknete Felder, Buschbrände: Kalifornien leidet seit Jahren unter extremer Dürre. Allein für 2014 wird der wirtschaftliche Schaden auf 2,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Klimamodelle von Forschern der Stanford University in Palo Alto legen nahe, dass der menschlich bedingte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für immer höhere Temperaturen in trockenen Jahren erhöht. So habe es in den vergangenen 20 Jahren mehr Dürrejahre gegeben als im vorausgegangenen Jahrhundert.
Mit der Dürre nimmt die Zahl der Buschbrände zu. Im laufenden Jahr registrierten Behörden mehr als 5000 Feuer. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es knapp 3500. Früher setzten die Brände gewöhnlich erst nach trockenen Sommern im Herbst ein. Bleibt aber der Regen im Winter aus, brennt es oft deutlich früher. So bedrohte im Mai 2013 ein Buschfeuer in Südkalifornien Tausende Häuser. Im September 2009 verwüsteten Feuer im Raum Los Angeles 600 Quadratkilometer Buschland. Im Sommer 2008 vernichteten die Flammen in Kalifornien sogar 3400 Quadratkilometer.

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