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Was wir über Brüssels Terrornetzwerk wissen

Von Kriminellen zu Terroristen Was wir über Brüssels Terrornetzwerk wissen

Die Mitglieder der Brüsseler Terrorzelle waren der Polizei bekannt. Nach einigen fahndete sogar Interpol. Trotzdem konnten sie sich in Belgien und Deutschland bewegen. Was wir über das Terrornetzwerk bisher wissen – und wer noch gesucht wird. Eine Übersicht.

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Diese Personen werden von den Ermittlern zur Terrorzelle von Brüssel gezählt.

Quelle: dpa/afp

Brüssel. Viele Bekannte und einige Unbekannte stehen im Visier der belgischen Terrorfahnder. Die Zeitung "Le Soir" zeigte noch am Samstag auf einer Doppelseite fast 40 Köpfe von Verdächtigen eines Netzwerks rund um den am Freitag festgenommenen Salah Abdeslam – die Brüder El Bakraoui, mutmaßliche Täter der tödlichen Brüsseler Anschläge vom Dienstag waren nicht dabei.

Nach ihnen wurde bisher nicht wegen Terrorverdacht gefahndet, aber sie waren polizeilich bekannt. Und der Terrorverdächtige Najim Laachraoui, am Montag öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben, war bis dato nur unter einem falschen Namen aufgefallen. Wer sind die wichtigsten Männer im Terrornetzwerk aus Brüssel?

Ibrahim El Bakraoui

Quelle: dpa

Ibrahim El Bakraoui: Der 29-jährige Belgier sprengte sich am Dienstagmorgen im Flughafen Zaventem in die Luft. Er war bereits polizeilich bekannt, unter anderem wegen krimineller Delikten und einer Schießerei mit der Polizei. Er stand aber nicht unter Terrorverdacht. 

Ibrahim hinterließ auf einem in einer Mülltonne gefundenen Computer ein Testament. "Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, überall gejagt, nicht mehr sicher", heißt es darin laut Staatsanwaltschaft. Ein belgischer Terrorexperte sagte dem belgischen Fernsehsender VTM, dass diese Worte ein Beweis dafür seien, dass El Bakraoui einen Märtyrertod sterben wollte.

Khalid El Bakraoui

Quelle: dpa

Khalid El Bakraoui: Er ist der jüngere Bruder von Ibrahim El Bakraoui und der Selbstmordattentäter aus der Brüsseler Metro. Der 27-Jährige ist 2011 verurteilt worden, weil er ein Auto geraubt hatte – mit einer Kalaschnikow. Er musste dafür fünf Jahre ins Gefängnis. Zusammen mit seinem Bruder Ibrahim soll er unter falschem Namen die Wohnungen gemietet haben, in denen unter anderem die mutmaßlichen Attentäter von Paris unterkamen.

Najim Laachraoui

Quelle: dpa

Najim Laachraoui: Er ist der zweite Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen. Das gaben Ermittler am Mittwoch bekannt. Laachraoui wurde auch im Zusammenhang mit den Pariser Attentaten im November gesucht. Seine Fingerabdrücke wurden damals auf Sprengstoffgürteln gefunden.

Der 24-Jährige war auch gut zwei Monate vor den Anschlägen in Paris mit Abdeslam in Ungarn. Bei einer Kontrolle auf dem Weg nach Österreich nutzte er nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Brüssel einen gefälschten belgischen Personalausweis auf den Namen Soufiane Kayal.

Öffentlich gesucht wird der Mann schon seit Dezember, erst nach Abdeslams Festnahme wurde aber seine wahre Identität bekannt. Nach Angaben der Behörden war Laachraoui Anfang 2013 nach Syrien gereist. Seine DNA wurde in einem Haus und einer Wohnung in Belgien gefunden, die von der Terrorgruppe genutzt wurden.

Salah Abdeslam

Quelle: dpa

Salah Abdeslam soll der Logistiker und einer der Anführer des Anschlags von Paris gewesen sein. Er wollte sich außerdem am 13. November beim Länderspiel Deutschland-Frankreich im Stade de France in Paris in die Luft sprengen. Das gestand der 26-Jährige nach seiner Festnahme am Freitag in Brüssel den belgischen Ermittlern. Abdeslam sitzt nun unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen in Untersuchungshaft in Brügge. Er verfügt nach Angaben seines Anwalts Sven Mary über Wissen von "unschätzbarem Wert" zur Terrorszene.

Der 26 Jahre alte Franzose soll im vergangenen Oktober zusammen mit einem weiteren Verdächtigen in Deutschland gewesen sein. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte, dass der Verdacht bestehe, dass sich Abdeslam in Ulm aufgehalten habe. Er und sein Komplize sollen an der Grenze Österreich/Ungarn kontrolliert worden sein.

Abdelhamid Abaaoud

Quelle: dpa

Abdelhamid Abaaoud soll der Drahtzieher der Anschläge von Paris sein. Der Belgier hatte Kontakt zu Abdeslam und starb beim Anti-Terror-Einsatz in Paris. Er lebte früher in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek.

Mohamed Abrini

Quelle: dpa

Mohamed Abrini wird weiter als Terrorverdächtiger gesucht. Der 31-Jährige war zwei Tage vor den Attentaten mit Salah Abdeslam unterwegs. Er soll sein Jugendfreund gewesen sein. Am 11. November wurden die beiden an einer Tankstelle im französischen Ressons an der Autobahn in Richtung Paris gefilmt. Abrini saß am Steuer eines schwarzen Renault Clio, der dann bei den Anschlägen in Paris benutzt wurde. Belgien schrieb Abrini bereits Ende November öffentlich zur Fahndung aus. Nun wird er auch der Mittäterschaft am Brüsseler Anschlag verdächtigt.

Mohamed Belkaid

Quelle: dpa

Mohamed Belkaid soll der mutmaßlicher Koordinator der Anschläge von Paris gewesen sein. Der 35-jährige Algerier reiste 2015 mit Laachraouri durch Europa. Anfang September 2015 kam er mit mit Salah Abdeslam und Najim Laachraoui in eine Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Vergangene Woche wurde Belkaid bei einer Polizeiaktion erschossen.

Bilal Hadfi

Quelle: afp

Bilal Hadfi: Er ist einer der Selbstmordattentäter vom Stade de France und hatte Verbindungen nach Brüssel: Der U-Bahn-Attentäter Khalid El Bakraoui soll eine Wohnung für Hadfi gemietet haben. Offenbar hielt sich dieser auch einige Zeit in Belgien auf: Bei einer Wohnungsdurchsuchung am Mittwoch in der südbelgischen Industriestadt Charleroi fand die Polizei Hadfis und Abdelhamid Abaaouds Fingerabdrücke.

Unbekannter Täter. Dieser Terrorverdächtige ist noch auf der Flucht.

Quelle: dpa

Noch unbekannt: Drei der vier Attentäter von Brüssel wurden bereits identifiziert. Nach diesem Mann fahndet die Polizei aber weiter. Er soll sich mit Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui am Flughafen aufgehalten haben. "Er hatte seine Tasche mit der größten Bombe zurückgelassen", sagte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw. Diese dritte Bombe konnte am Dienstag von der Polizei entschärft werden.

dpa/afp/abr

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Brüsseler Terroranschläge
Mohamed Abrini wurde am Freitag in Belgien von der Polizei gefasst.

Mit Fotos, Bewegtbildern und einem eigenen Videoclip haben belgische Fahnder ihn gejagt. Nun ist die Flucht des mutmaßlichen dritten Terroristen vom Brüsseler Flughafen vorbei. Es ist nicht der einzige Erfolg, denn die Ermittler verbuchen können.

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