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Wegen Kabeldiebstählen fallen Züge aus

Deutsche Bahn Wegen Kabeldiebstählen fallen Züge aus

Die Deutsche Bahn hat ein neues Problem: Wegen Kabeldiebstählen fallen Züge aus. Sie stehlen Stahlseile, Kabelrollen, Kabelreste, Oberleitungen, Verankerungen für Oberleitungsmasten und vereinzelt auch Schienen. Ihre Beute besteht aus Kupfer, Messing, Aluminium oder Stahl und findet sich – manchmal nahezu ungesichert – in Lagerhallen und an Baustellen.

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Die Deutsche Bahn hat ein neues Problem: Wegen Kabeldiebstählen fallen Züge aus.

Quelle: dpa

Hannover. In Zeichentrickfilmen fehlt manchmal ein Stück Schiene, gerne auch über einer Schlucht. Die entsetzte Comic-Figur gibt dann Vollgas und springt mit ihrem Zug über den Abgrund, um auf der anderen Seite unsanft, aber wohlbehalten, wieder aufzusetzen. Die Reise kann weitergehen. Die Realität sieht anders aus: Wenn nur wenige Zentimeter der 34.000 Bahnkilometer fehlen, ist die Sicherheit der Reisenden akut bedroht.

Kabeldiebe treiben sich in Deutschland herum. Sie stehlen Stahlseile, Kabelrollen, Kabelreste, Oberleitungen, Verankerungen für Oberleitungsmasten und vereinzelt auch Schienen. Ihre Beute besteht aus Kupfer, Messing, Aluminium oder Stahl und findet sich – manchmal nahezu ungesichert – in Lagerhallen und an Baustellen. Den Schaden hat vor allem die Deutsche Bahn. Das Material muss ersetzt werden, und schon bei einer Signalstörung fahren keine Züge mehr. Nach eigenen Angaben haben 2500 Fälle von Diebstählen im Jahr 2010 die Deutsche Bahn rund 10 Millionen Euro gekostet. Aber auch an den Bahnfahrern geht der kriminelle Trend nicht spurlos vorbei. Im vergangenen Jahr waren die Passagiere in 8000 Zügen von Verspätungen oder Zugausfällen betroffen. Damit erwächst der Bahn eine neue Herausforderung. Die alten Probleme bleiben: Regelmäßig frieren im Winter die Oberleitungen ein. Im vergangenen Jahr kollabierten mehrere Fahrgäste in Waggons, die sich auf mehr als 50 Grad aufgeheizt hatten, ohne dass die Klimaanlage Abhilfe schaffen konnte. Immer wieder müssen zudem Bahnhöfe wegen verdächtiger Koffer gesperrt werden – etwa im November 2010 in Hannover.

Nun also Kabeldiebe: Der Schwerpunkt ihrer Aktionen liegt im Osten Deutschlands. Kurz vor Ostern etwa strandete ein Regionalzug von Berlin nach Stralsund im mecklenburgischen Grimmen. „Das Bahnpersonal hat ganz locker gesagt: ,Das passiert hier öfters‘“, erinnert sich ein Fahrgast. Nach 15 Minuten ging die Fahrt in einem anderen Zug auf einem anderen Gleis weiter.

Im März legten Kabeldiebe die Berliner S-Bahn lahm, im Mai traf es Hamburg. Gestern erwischte es wieder die Hauptstadt: Wegen geklauter Signalkabel fielen sechs S-Bahn-Linien bis zum Mittag aus. Für die wartenden Geschäftsleute ist Zeit Geld, für die Kabeldiebe bedeuten vor allem die Kupferkabel Geld.

Das Metall ist im Begriff, sich zum „roten Gold“ zu mausern, denn der Kupferpreis ist hoch. Eine Tonne bringt dem Verkäufer aktuell 9000 US-Dollar. „Wir gehen davon aus, dass der Preis deutliches Potential nach oben hat, wenn die Nachfrage aus den Schwellenländern auf die Industrieländer überschwappt“, sagt Daniel Briesemann, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Auf dem Kupfermarkt gebe es ein Angebotsdefizit von mehreren Hunderttausend Tonnen. Diese Versorgungslücke füllen nun auch die Kupferdiebe.

Der Metallklau bleibt also auf absehbare Zeit ein lukratives Geschäft. Ein Preisverfall wird der Polizei und der Deutschen Bahn nicht die Arbeit abnehmen. So müssen sie selber versuchen, den Dieben das Handwerk zu legen. Die Bundespolizei hat dabei schon einige Erfolge vorzuweisen.

Mitte Juni waren fast 500 Bundespolizisten im Einsatz, um einer Buntmetallbande aus Deutschland und Bosnien-Herzegowina mit Durchsuchungen in Rostock, Schwerin, Berlin und Duisburg das Handwerk zu legen. Im März gingen der Bundespolizei in Berlin-Hohenschönhausen drei Rumänen ins Netz, die 50 Meter Kupferkabel gestohlen hatten. Zivilfahnder konnten sie überführen.

Die Bahn beugt weiteren Diebstählen auf ihre Art vor. „Wir gehen gezielt auf Altmetallverwerter zu, damit sie kein Diebesgut ankaufen“, sagt eine Sprecherin. Außerdem würden die Materiallager nun stärker bewacht. Wertvolle Tipps bekommt die Deutsche Bahn auch von ihren Lokführern, die im Vorbeifahren verdächtige Personen melden.

 Sören Hendrik Maak

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