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"Mein Tipp? Reisen Sie nach Turkmenistan!"

Gunnar Garfors war in 198 Ländern "Mein Tipp? Reisen Sie nach Turkmenistan!"

Er war schon überall: Der Norweger Gunnar Garfors hat schon 198 Länder bereist und hält den Weltrekord. Jetzt hat er eine Rangliste mit den unbeliebtesten Zielen veröffentlicht.

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Er hat es geschafft: Reisejunkie Gunnar Garfors war in allen 198 Ländern der Welt.

Quelle: Privat

Herr Garfors, Sie haben gerade zum zweiten Mal eine Liste mit den unbeliebtesten Reiseländern veröffentlicht. Warum steht Nordkorea da nicht mehr drauf?
Tatsächlich waren dort im vergangenen Jahr über 270 000 Touristen unterwegs. Das sind viermal so viele wie auf der Karibikinsel Dominica, Platz 25 auf der Liste. Die meisten kommen allerdings aus China, deshalb nehmen wir westlichen Touristen das nicht so wahr.

Machthaber Kim Jong Un wirbt jetzt auch in den deutschsprachigen Ländern verstärkt um Touristen. Wie war Ihre Reise dorthin?
Ich hatte einen Reiseführer an meiner Seite und bin ihm brav gefolgt. Auch ich war Teil der großen Propaganda. Wahrscheinlich hat er den Menschen gesagt: Das ist ein einflussreicher Geschäftsmann aus Norwegen – er ist hier, um vom besten Land der Welt zu lernen.

Und dennoch raten Sie, dorthin zu reisen?
Weil die Einheimischen dann vor Augen geführt bekommen, dass es ein Leben außerhalb Nordkoreas gibt. Wir kommen mit unseren Computern, Smartphones, Kameras und mit der Freiheit im Kopf. Wir zeigen: Ja, das gibt es alles! Das kann ein kleiner Baustein dafür sein, etwas in den Köpfen zu bewirken.

Ob Krieg, Kontrollzone oder komplizierte Anreise: Weltreisender und Buchautor Gunnar Garfors hat jetzt eine Rangliste mit den 25 unbeliebtesten Reisezielen veröffentlicht. Hier sind sie.

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Natürlich zählen auch Länder wie Afghanistan (Platz 12) und Somalia (Platz 2) zu denen, wo die wenigsten Menschen ihren Urlaub verbringen. Sie sagen: Da kann man trotzdem hin. Ist das Ihr Ernst?
Ja, aber: Einige Länder sollte man erst bereisen, wenn man viel Reiseerfahrung hat. Und von Kriegsgebieten sollte man sich ohnehin fernhalten. Niemand sollte sich unnötig in Gefahr begeben. Aber es gibt auch in Syrien Gebiete, die sicher sind. Auch Afghanistan ist riesengroß, viele Orte im Nordwesten sind ruhig und wunderschön. Dorthin haben mich zwei Freunde begleitet. Wir hatten ein gutes Hotel mit viel Security vor der Tür.

Was haben Ihre Familien zu Afghanistan gesagt?
Meine Mutter sagte: „Gut, dass ich noch sechs weitere Kinder habe.“ Sie kennt mich, sie weiß, dass Sie mich von so etwas nicht abhalten kann. Einer meiner Mitreisenden hat gelogen, als er zu Hause von seinen Reiseplänen erzählte. Er sagte, wir reisen in den Iran.

Krieg, Armut, krasse Menschenrechtsverletzungen – ist es das, was wir uns im Urlaub vor Augen halten sollten?
Natürlich ist es deprimierend, das nah zu erleben. Ich bin auch kein Fan von Staaten, in denen Religion benutzt wird, um Minderheiten oder Frauen zu diskriminieren. Aber nicht dorthin zu reisen, ist nicht die Lösung. Oft haben wir vorgefertigte Bilder in unseren Köpfen. Für den globalen Respekt ist es wichtig, eigene Erfahrungen zu sammeln und sie weiterzugeben. Wenn Sie richtig reisen, können Sie das Land damit auch wirtschaftlich unterstützen. Nehmen wir Nepal: Die Menschen dort sind auf Tourismus angewiesen, jetzt nach dem Erdbeben umso mehr.

Sind Sie nie in Gefahr gewesen?
Doch, in Somalia. Da bin ich in einen Streit geraten. Der Fahrer eines Minibusses hatte mir den Beifahrerplatz angeboten. Dann kam ein weiterer Fahrgast und forderte meinen Platz. Er bedrohte mich und den Fahrer mit einem Messer. Der Fahrer gewann den Kampf, und der Mann musste hinter mir Platz nehmen. Er hatte aber noch sein Messer. Ich habe die ganze Fahrt, mehrere Stunden, nach vorn gelehnt gesessen.

Selbst in der Zentralafrikanischen Republik (Platz 23) und den Salomonen (Platz 15), wo seit vielen Jahren Unruhen vorherrschen, sollen sich laut ihrer Liste mehrere Zehntausend Touristen jährlich aufhalten. Was sind das für Leute?
Es sind Menschen mit speziellen Vorlieben oder Berufen. Geologen etwa oder Taucher auf der Suche nach besonderen Riffen. Aber manchmal sind eben auch ausländische Soldaten mit eingerechnet. Es ist schwer, an diese Daten zu kommen. Oft führen die Länder keine eigenen Statistiken. Die Zahlen sind deshalb eine Mischung aus denen der Welt-Tourismus-Organisation, der UN, lokalen Medien, Passagierzahlen und Aussagen von Tourismusorganisationen.

Es gibt auch Menschen, die sammeln Länder, sie bleiben ein paar Tage und sind wieder weg. So wie sie.
Ja, aber das mache ich nur für die Rekorde. Dann kehre ich an die interessantesten Orte zurück und bleibe eine längere Zeit.

Sie haben 198 Länder bereist. Kommen Sie da nicht durcheinander, wo was interessant war?
Nein, Reisen ist meine Leidenschaft und mein Beruf. Ich mache nichts anderes.

Gut, also ein Test: Der Unterschied zwischen Djibouti und Togo?
Die beiden Länder liegen auf unterschiedlichen Seiten Afrikas. Togo im Westen war mal deutsche, dann französische Kolonie. Wir sind mit dem Bus von Ghana aus eingereist. Togo ist sehr schön grün, ich habe mit den Einheimischen am Strand Fußball gespielt (...) Djibouti im Osten ist arm, heiß und supertrocken. Die französische Armee hat dort einen Luftwaffenstützpunkt, da landen beeindruckende Hubschrauber. In einer Bar haben sich Frauen den Männern aus dem Westen für umgerechnet einen Euro angeboten. Das war traurig.

Von welchem Land der Welt würden Sie Touristen unbedingt abraten?
Das ist eine Geschmacksfrage. Für mich war der schlimmste Trip der auf die Bahamas.

Ja, Bahamas, schlimm.
Nein, im Ernst: Da herrscht ein riesiger Touristenrummel. Ich bin kein Fan davon.

Welches Land von der Liste sollte man denn unbedingt gesehen haben?
In Turkmenistan gibt es das „Tor zur Hölle“ (Krater von Derweze). Das ist mein Tipp, wenn es um Touristenattraktionen geht. Aus dem Boden strömt Gas. Jemand hat in den Siebzigerjahren dort Feuer gelegt. Seitdem lodert es vor sich hin. Oder Tuvalu und Nauru, die kleinen Inselstaaten im Südpazifik. Aber beeilen Sie sich, es könnte sein, dass sie irgendwann im Meer versunken sind.

Interview: Sonja Fröhlich

Gunnar Garfors und sein Weltrekord

Mit 37 Jahren und Vollzeitjob hat Gunnar Garfors die ganze Welt bereist – damit schaffte er es als jüngster Hobby-Reisender ins Guinness-Buch der Rekorde. In seinem gerade in englischer Sprache erschienenen Buch „198: How I Ran Out of Countries“ berichtet der Radiomoderator von seinen Erlebnissen auf seiner mehrjährigen Odyssee durch die Länder dieser Erde. Sein Ziel war es, aus jedem einzelnen eine Geschichte erzählen zu können. Ein Stopover zählte nicht.

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