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Panorama Amok im Kopf
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19:46 23.07.2016
Wer war der Amokläufer von München? Quelle: dpa/Screenshot Youtube
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München

Es ist 17:20 Uhr am Freitag, als im Olympia Einkaufszentrum in München das Chaos ausbricht. Plötzlich überschlagen sich die Berichte. Von einer Schießerei mit mehreren Toten ist die Rede. Später spricht die Polizei von einer "akuten Terrorlage" und flüchtigen Tätern. Doch das, was sich in an diesem Abend in München ereignete, war kein Terrorakt. Es war die Tat eines vermutlich psychisch kranken Einzeltäters.

David S., ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, erschoss an diesem Freitagabend in einem Münchner Einkaufszentrum neun Menschen, dann richtete er sich selbst. Einen Tag nach der Bluttat kommen erste Details zu seinem Leben ans Licht.

Der noch junge Schütze hatte wohl eine depressive Erkrankung. "Wir haben einige Hinweise dafür, dass eine nicht unerhebliche psychische Störung bei dem Täter vorliegen könnte", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Samstag.

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Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund oder einen Bezug zur Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) gebe es dagegen nicht, sagte der Münchner Polizeipräsident Huberus Andrä. Es handele sich um einen "klassischen Amoktäter", sagte Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft München I.

"Ich bin Deutscher"

David S. ist in München geboren und aufgewachsen, besitzt iranische Wurzeln. Auch wenn ihn Schulkollegen und Mitmenschen als Ausländer wahrnahmen: so fühlte er sich keinesfalls. "Ich bin Deutscher" ist von ihm auf einem während der Tat entstandenen Video zu hören, das die Polizei als authentisch einstuft. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung, habe er sich an seiner Schule sogar von Türken und Arabern gemobbt gefühlt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft will dieses konkrete Mobbing zunächst nicht bestätigen. Er spricht aber davon, dass es "Anhaltspunkte" für solche Schulprobleme gebe.

In der Wohnung des 18-Jährigen fanden die Ermittler Bücher über Amokläufe. Eines hieß: "Amok im Kopf. Warum Schüler töten", erschienen 2009 nach dem Amoklauf von Winnenden, bei dem ein 17-Jähriger an seiner früheren Realschule 15 Menschen und sich selbst tötete. Er habe sich intensiv mit dem Thema befasst. Die Verbindung zu Anders Breivik, der in Norwegen vor exakt fünf Jahren 77 Menschen tötete, "liegt auf der Hand", sagte der Münchner Polizeipräsident Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf.

David S. führte Polizeiangaben zufolge in der Tatnacht eine illegale Pistole des Kalibers 9 Millimeter bei sich, die Seriennummer war ausgefräst. Der junge Mann habe über 300 Schuss Munition bei sich gehabt, sagte LKA-Präsident Robert Heimberger. Im Magazin habe sich noch Munition befunden. Woher die Waffe herstammt, muss noch geklärt werden. Das Feuer eröffnete er in einer Filiale einer Fastfoodkette am Olympia Einkaufzentrum – eines der größten der Stadt.

Tat offenbar im Vorfeld geplant

Der Amokläufer war nach Worten von Bundesinnenminister de Maizière für die Sicherheitsbehörden zuvor ein unbeschriebenes Blatt. "Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt." Deswegen habe es auch keine staatsschutzrelevanten Informationen gegeben. "Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person."

Alles deutet darauf hin, dass der 18-Jährige seine Tat im Vorfeld geplant hat. Nicht nur die Bücher zum Thema "Amok", auch Zeitungsartikel sollen bei der Wohnungsdurchsuchung gefunden worden sein. Und offenbar hatte er auch gezielt über eine Facebook-Einladung Klassenkameraden in den Schnellimbiss gelockt. Nach Angaben des Präsidenten des bayerischen Landeskriminalamts, Robert Heimberger, soll es tatsächlich Hinweise darauf geben, dass der Täter einen Facebook-Account geknackt hat, um gezielt Jugendliche zu der McDonalds-Filiale nahe Einkaufszentrums zu locken.

Hinweise, dass sich der Täter mit dem Anschlag in einem Regionalzug am Montagabend in Würzburg beschäftigt habe, gebe es nicht, bestätigte Polizeichef Andrä. Auch ein Abschiedsbrief des 18-Jährigen sei bisher nicht gefunden worden. Das könne sich aber noch ändern, denn die Auswertung der in der Wohnung gefundenen Daten dauert noch an.

dpa/RND/abr

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