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Panorama Jennifer Lopez, Sting und Co. zu vermieten
Nachrichten Panorama Jennifer Lopez, Sting und Co. zu vermieten
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00:16 03.04.2016
Von Sophie Hilgenstock
Für Geld tun sie (fast) alles: Sting (o. l.),  Jennifer Lopez (u. l.), Beyoncé (o. r.) und Justin Bieber lassen sich auch für private Feierlichkeiten mieten. Quelle: RND
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Die Braut steckt in einer mit Edelsteinen übersäten Elie-Saab-Robe für 900.000 Euro. Der funkelnde Kleidertraum wiegt 25 Kilogramm, vier Schleppenträgerinnen wuchten ihn mit der 20-Jährigen über das Parkett. Deutlich knapper bekleidet ist die andere Hauptattraktion des Abends: Jennifer Lopez trägt nur einen kurzen Glitzerfummel, als sie zu später Stunde die Tanzfläche stürmt und vor 600 geladenen Gästen ein Potpourri ihrer Songs anstimmt. Braut Khadija Uzhakhovs bekommt plötzlich Konkurrenz – sie hat es so gewollt.

Millionenschwer: Khadija Uzhakhovs in ihrem Hochzeitskleid. Quelle: svadby_miira_lux/Instagram

Khadija Uzhakhovs studiert Zahnmedizin in Moskau. Am Sonnabend heiratete die dunkelhaarige Schönheit ihren 28-jährigen Freund Said Guzerijew. Für die gesamte Hochzeit machte Schwiegerpapa Mikhail sagenhafte 900 Millionen Euro locker – und ließ mit Jennifer Lopez, Sting, Enrique Iglesias und Patricia Kaas eine Handvoll Weltstars in die russische Hauptstadt einfliegen.

Opulente Blumenteppiche an Decken und Wänden, eine zwei Meter hohe Hochzeitstorte, ein Kosakenchor, russische Tänzerinnen und ein riesiges Feuerwerk machten die wohl dekadenteste Hochzeitsfeier der Welt im Moskauer Nobelrestaurant Sofisa komplett. Mikhail Guzerijew kann es sich leisten: Der 58-Jährige, der ursprünglich aus Kasachstan stammt, hat laut Forbes mit Ölgeschäften ein Privatvermögen von 5,4 Milliarden Euro angehäuft.

Wie viel der Oligarch für den Auftritt von US-Sängerin Jennifer Lopez hinblätterte, ist nicht bekannt. Schätzungen gehen von einer hohen sechsstelligen Summe aus, womöglich kostete die zwanzigminütige Showeinlage deutlich mehr als das Hochzeitskleid – für ein Gastspiel bei einer Geburtstagsparty des Oligarchen Telman Ismailow im Jahr 2006 kassierte die Pop-Diva immerhin 1,5 Millionen Euro. Der russische Banker Andrei Melnichenko buchte Lopez ein Jahr später für 1,7 Millionen Euro. Das zeigt nicht nur, dass J. Los Kurs schwankt: Mit persönlichen Ständchen für reiche Russen füllt die Latina regelmäßig ihre Kasse auf.

Jennifer Lopez in gewohnt verführerischem Outfit. Quelle: svadby_miira_lux/Instagram

Die heute 46-Jährige ist damit nicht allein: Von Justin Timberlake bis Shakira – inzwischen kann man fast jeden Popstar für private Anlässe buchen, wenn das Kleingeld denn reicht. Madonna zum 50., Elton John bei der Beisetzung, Christina Aguilera beim Junggesellenabschied: Die Gagen für "die ganz Großen" bewegen sich inzwischen häufig im siebenstelligen Bereich.

Für die Vermittlung der Künstler gibt es spezielle Booking-Agenturen, nicht allein in den USA. In Deutschland bucht man seine Lieblingsstars beispielsweise über das Portal Miet24, sonst eher für das Verleihen von Baggern oder Bürotechnik bekannt. "Wir haben Weltstars wie Rihanna und Pink im Angebot", sagt Dominique Hannig, Online-Managerin bei Miet24. Die Preise seien abhängig von der Dauer des Auftritts, der Länge der Anreise und den speziellen Wünschen des Kunden.

"Im vergangenen Jahr wurde über unser Portal eine weltberühmte Band für eine Million Euro gebucht", sagt Hannig. Den Namen der Gruppe darf sie nicht nennen. Viele Kunden würden die Preise für Weltstars anfragen, und sich dann für Künstler aus der zweiten Reihe entscheiden, erklärt die Miet24-Managerin. Schlagerstars, DJs, Alleinunterhalter und Newcomer seien schließlich wesentlich günstiger zu haben.

Ein Ständchen auch für einen Diktator

Von DJ Bobo bis Heino – hierzulande heizt manch Künstler bereits ab 3.000 Euro beim Jubilar zu Hause ein. In den USA gehören Rapper wie Xzibit oder Aloe Blacc mit 20.000 Euro pro Auftritt zu den Geringverdienern. Die Mittelklasse um James Blunt, Lana del Rey und DJ David Guetta streicht dagegen bereits 100.000 Euro pro Performance ein. Zu den Topverdienern wiederum zählen Bruce Springsteen, Justin Bieber, Rihanna, Katy Perry und Taylor Swift: Ihr Mietpreis beträgt gut und gerne 700.000 Euro.

Wer dieses Geld zahlt, ist den Stars offenbar mitunter egal. Mariah Carey, Beyoncé, Usher und Nelly Furtado waren sich einst nicht zu schade, für den ehemaligen lybischen Diktator Muammar al-Gaddafi zu singen. Sänger Seal ließ sich 2011 mit Geigerin Vanessa Mae und Hollywoodstar Hillary Swank für eine Party des tschetschenischen Tyrannen Ramsan Kadyrow buchen.

"Ich war naiv und mir war nicht klar, von wem ich gebucht worden war", bereute Carey hinterher ihren Eine-Million-Euro-Auftritt. Nicht alle ihrer Kollegen taten es ihr gleich.

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No-Go-Areas für Stars

Ob bei Diktatoren, Kriegsverbrechern oder Rebellenführern, es gibt Angebote und Auftraggeber, von denen Weltstars besser die Finger lassen sollten – und sei die Gage noch so hoch. Ein Auftritt im Hause von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un etwa könnte den Künstler nicht nur bei seinen Fans in ein schlechtes Licht rücken: Ist der dickliche Despot erzürnt, müssen die Menschen in seinem Umfeld bekanntermaßen um Leib und Seele fürchten. In Ermangelung von Weltstars, die zu ihm reisen, schickt Kim Jong-un mit der Marabong-Band neuerdings eine eigene Girlgroup in die Welt.

Auf ähnlich vermintem Parkett wandeln die „Mietstars“ in Tschetschenien und Usbekistan – trotzdem fallen sie stets wieder auf die hoch dotierten Einladungen der dortigen Diktatoren Ramsam Kadyrow und Islam Karimov herein, wie Hillary Swank, Sharon Stone, Seal oder Diego Maradona schon bewiesen. Auch mit Reue und spendablen Gesten lässt sich solch ein Imageschaden anschließend nur noch mühsam reparieren.

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