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So gefährlich sind Selfies

Unfälle nehmen zu So gefährlich sind Selfies

In vielen Freizeitsparks und Museen sind Selfiesticks bereits verboten. Aber nicht nur für Kunstwerke, sogar für das eigene Leben kann das Selbstporträt zur Gefahr werden - wie aktuelle Fälle zeigen. Das russische Innenministerium hat sogar Regeln für sichere Selfies herausgegeben.

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Mittlerweile ist der Selfie-Stick auf jedem Erdteil zu finden - und sogar im All werden die Selbstporträts gemacht.

Quelle: dpa (4)

Hannover. Die Augen sind auf den kleinen Bildschirm des Smartphones gerichtet, das auf einer Teleskopstange in der Luft baumelt. So schieben sich derzeit wieder Tausende Touristen durch die Fußgängerzonen der Urlaubermagneten, durch Rom, Istanbul und New York. Dass die Selfiesticks eine recht sperrige Angelegenheit sind, ist jedoch das kleinere Problem. Es gibt immer mehr Berichte über Fälle, in denen da Selfie seinen Urheber in Lebensgefahr gebracht hat.

In dieser Woche hat der Europa-Park Rust die Selfiesticks verboten. Immer wieder hatten Besucher die Stangen mit in die Achterbahn genommen. Damit folgt Deutschlands größter Freizeitpark dem Disney-Unternehmen. In Disney-Parks muss der Stick gleich ganz im Auto auf dem Parkplatz bleiben. Genauso untersagt ist die Alustange im Metropolitan Museum in New York, in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan - und am Strand von Garoupe an der Côte d’Azur untersagt, also dort, wo die ganzen Stars Urlaub machen.

Selfies im Gleisbett - ein tödlicher Trend

Foto: Gefährlicher Trend: Seit einem Jahr machen Jugendliche immer öfter Selfies in Gleisbetten.

Gefährlicher Trend: Seit einem Jahr machen Jugendliche immer öfter Selfies in Gleisbetten.

Quelle: dpa

Wie gefährlich das Selfie sein kann, zeigt ein Fall aus der letzten Woche. Ab Mittwochabend entgingen neun Teenager aus Oberkirch in Baden-Württemberg nur knapp einer Kollision mit einem Nahverkehrszug. Die Jugendlichen standen laut Polizeiangaben in den Gleisen, um ein besonders spektakuläres Bild zu machen - ein Trend, der sich im letzten Jahr rasend verbreitet hat. Der Lokführer leitete eine Notbremsung ein und kam kurz vor den Teenagern zum Stehen. Die Polizei versucht seit einem Jahr gegen die waghalsigen Selfies im Gleisbett vorzugehen und hat sogar eine spezielle Präventionsstelle eingerichtet.

Wegen Selfie-Stick vom Blitz getroffen

Unglücklicher endete die Selfie-Knipserei am vergangenen Wochenende für zwei Wanderer im Brecon-Beacons-Nationalpark in Großbritannien. Laut des Telegraph konnten sich die Männer nicht mehr retten als ein Gewitter losbrach. Der Blitz sei direkt in den Selfie-Stick eingeschlagen, den einer der Männer bei sich trug, berichten Augenzeugen. Beide Männer starben an der Unglücksstelle.

Nach dutzenden Todesfällen beim Selfieknipsen hat das russische Innenministerium nun sogar Regeln veröffentlicht - in Form von anschaulichen Piktogrammen. Die kleinen Bildchen zeigen Strichmännchen mit Selfiesticks vor Zügen, auf Strommasten und mit Waffen in der Hand. Absurd? Erst im Januar hatten sich zwei junge Männer im Ural in die Luft gespricht, als sie mit einer entsicherten Handgranate für ein Selfie posteten.

Mit kleinen Piktogrammen will das russische Innenministerium seine Landleute davon abhalten, riskante Selfies zu knipsen.

Quelle: Russisches Innenministerium

Entwickelt sich also der Selfie-Stick vom Trend zum Tabu in nur einem Jahr? Manchmal ist es gut, wenn man einen Selfie-Stab dabei hat. So im Fall von Erynn Johns: Die 16-Jährige wurde kürzlich am Atlantikstrand von Surfside Beach von einer Welle erfasst und mit einer gefährlichen Strömung ins Meer getrieben. Ihr Vater Derek versuchte sie zu retten, konnte sie aber nicht erreichen. Erst als die Schülerin ihm die Smartphone-Verlängerung entgegenhielt, gelang es dem Papa, einem ehemaligen Elitesoldaten, sein Kind aus der Strömung zu ziehen.

Allerdings kam er dabei selbst in Todesgefahr. Zu seinem Glück waren aber inzwischen Mitglieder der Lebensrettungsstaffel und ein Urlauber herbeigeschwommen und konnten den völlig erschoepften und schon bewusstlosen Mann aus dem Wasser ziehen. Nebeneffekt der dramatischen Rettung: Bei der ganzen Aktion lief die Kamera weiter, und der Film war einen Tag lang Aufmacherthema in allen US-Fernsehnachrichten.

Deswegen sollte man bei aller Vorsicht mit dem Selfie-Stick das Schmunzeln nicht ab und zu vergessen - über jene Touristen, die wie ferngesteuert hinter ihrem Stöckchen herlaufen. Dazu hat ein niederländischer Versandhändler ein nettes Videos veröffentlicht.

aks/Dierk Sindermann

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