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"Ich habe funktioniert. Wie wir alle."

Feuerwehrmann über Eschede "Ich habe funktioniert. Wie wir alle."

Wie verkraften die Rettungskräfte ein Zugunglück wie das in Bad Aibling? Sie trainieren zwar solche Einsätze. "Doch wenn es zum Einsatz kommt, ist das eine ganz andere Geschichte", sagt Feuerwehrmann Henning Kiemann, der in Eschede eines der schlimmsten Zugunglücke erlebte.

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Am 03.06.1998 prallte der Intercity-Express 884 mit Tempo 200 in Eschede gegen eine Betonbrücke und entgleiste. 101 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben.

Quelle: Holger Hollemann/dpa

Bad Aibling/Eschede. Es waren Bilder des Grauens, die auf Hunderte Rettungskräfte in Bad Aibling einströmten: Tote und Schwerverletzte mussten aus verkeilten Wrackteilen der beiden Züge befreit werden. Niemand von den Einsatzkräften wusste, was ihn bei diesem schweren Unglück erwarten sollte. Unglücke werden in Übungen zwar trainiert, "doch wenn es dann aber zum Einsatz kommt, ist das eine ganz andere Geschichte", sagt Henning Kiemann, Landwirt und Feuerwehrmann aus Eschede.

"Wir dachten erst an eine Übung"

Kiemann weiß es aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, ohne Vorahnung zu einem Zugunglück gerufen zu werden. Es war der 3. Juni 1998, als die Sirene durch das niedersächsische Eschede hallte und auch den freiwilligen Feuerwehrmann alarmierte. "Wir dachten erst an eine Übung. Doch als wir zur Unfallstelle kamen, sahen wir, was wirklich passiert war."

Das Zugunglück in Bad Aibling: Die aktuelle Lage lesen Sie in unserem Newsblog.

Wenn er vorher gewusst hätte, dass in diesem ICE 101 Menschen gestorben und Hunderte Reisende verletzt worden waren, "ich hätte große Angst  bekommen". So aber war Kiemann einer der ersten Einsatzkräfte am Ort des Schreckens. Mit dem Vorschlaghammer hat er auf die Panzerglasscheibe des ersten Waggons eingeprügelt, 15 Minuten lang. Immer und immer wieder. "Ich habe funktioniert. Wie wir alle."

Unter den Opfern waren viele Kinder

In diesem ersten Wagen gab es keine Toten, alle Reisenden wurden in Sicherheit gebracht. "Die Unfallstelle war aber einen halben Kilometer lang. Wir hatten keinen Funk und wussten nicht, was noch vor uns lag." Schnell wurde klar: Aus der Rettungsmission wurde eine Leichenbergung. "Ich habe einen Filmriss. Irgendwann war ich einfach erschöpft."

Am 3. Juni 1998 prallte der Intercity-Express 884 auf dem Weg von München nach Hamburg in Eschede mit Tempo 200 gegen eine Betonbrücke und entgleiste.

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Der damals 29-Jährige erinnert sich erst wieder, als er zur Brückenrampe gerufen wurde. Er war einer von 20 Helfern, die sich um den Abtransport der Toten kümmern sollte. Am schwierigsten zu ertragen war der Blick auf die vielen Kinder. 

Die ersten drei Monate danach zogen wie ein Nebel vor seinen Augen vorbei. Alles wurde durch das Unglück überschattet. "Wir sind alle nur Menschen, so hart kann niemand sein." Aufhören kam für den Landwirt nie infrage. "Unsere Aufgabe ist es zu helfen."

Von Carsten Bergmann

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