Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Zu Besuch auf Deutschlands höchster Baustelle

Seilbahn zur Zugspitze Zu Besuch auf Deutschlands höchster Baustelle

Auf der Zugspitze entsteht ein weltweit einzigartiges Projekt - eine Seilbahn, die es so noch nie gab. Wer auf Deutschlands höchster Baustelle arbeitet, muss wetterfest und schwindelfrei sein.

Zugspitze 47.421066 10.985365
Google Map of 47.421066,10.985365
Zugspitze Mehr Infos
Nächster Artikel
Pakistanisches Popsternchen von Bruder erwürgt

Besucher der Zugspitze können von der Aussichtsplattform derzeit anderen beim Schaffen zugucken. 

Quelle: dpa

Garmisch-Partenkirchen. Egal, was passiert. Der Rekord steht und ist im Gegensatz zu vielen anderen Rekorden nicht zu toppen. Mit 2962 Metern ist und bleibt die Zugspitze der höchste Berggipfel Deutschland. Derzeit befindet sich hier außerdem die höchste Baustelle des Landes – und diese bricht einige Rekorde. Mit großem Aufwand an Personal und Material entsteht eine weltweit einzigartige neue Seilbahn. Bemerkenswert ist, dass das Bauwerk, das in diesen Tagen nach 15 Monaten Halbzeit feiert, tatsächlich einigermaßen im Zeitplan liegt.

Leicht haben es die Arbeiter auf der Baustelle an der Bergstation allerdings nicht: Schnee, Wind und eisige Kälte machen ihnen zu schaffen, jetzt im Juli liegen die Temperaturen bei gerade mal zehn Grad. „Das schlechte Wetter im Frühjahr hat uns wehgetan“, sagt der technische Geschäftsführer der Zugspitzbahn AG, Peter Huber. Trotzdem: „Die Bahn muss Weihnachten 2017, wenn es irgendwie geht, in Betrieb gehen“, so Huber. Der kaufmännische Geschäftsführer Matthias Stauch wird beim Starttermin dann auch sehr konkret: „21. Dezember, 9 Uhr.“ Dann geht es ab in die Kabine.

Auf der Zugspitze entsteht ein weltweit einzigartiges Projekt - eine Seilbahn, die es so noch nie gab.

Zur Bildergalerie

Die 50 Millionen Euro teure Nachfolgerin der 1963 eröffneten Seilbahn soll parallel zur bestehenden Trasse fahren. Keine andere Seilbahn der Welt überwindet dann mit 3213 Metern Abstand von der einzigen Stütze bis zur Bergstation eine größere Entfernung. Und keine andere Pendelseilbahn weltweit hat eine Stahlstütze von 127 Metern Höhe. Die beiden Gondeln sollen auf einer Länge von 4,5 Kilometern einen Höhenunterschied von knapp 2000 Metern bewältigen – auch das ist Weltrekord.

Besucher der Zugspitze können von der Aussichtsplattform derzeit anderen beim Schaffen zugucken. Gar nicht so leicht, den täglichen Besucheransturm an den Bauarbeiten vorbeizuleiten. „Wir bauen bei laufendem Motor. Es gibt keinen hohen Zaun oder eine Mauer, der die Besucher von der Baustelle trennt“, sagt Stauch. „Die Gäste fragen die Fahrgastbegleiter ein Loch in den Bauch, deshalb müssen alle Mitarbeiter stets informiert sein.“ Von den Bauarbeiten zeugen nicht nur zwei Baukräne auf dem Gipfel, sondern auch die Materialseilbahn, die tonnenweise Stahl und anderes Equipment hinaufbringt. Die neue Bergstation mit Panoramablick nimmt unübersehbar Form an.

Noch wird hauptsächlich an der Berg- und der Talstation gewerkelt. Vor allem das sogenannte Rückspannbauwerk – das 5000 Tonnen Spannung der vier Tragseile und der Bergstation vom Norden zum Süden des Gipfels leitet – ist eine technische Herausforderung. „Die Spannkraft kann wegen der besonderen geologischen Verhältnisse am Berg sogar variieren“, erläuterte Chefstatiker Hans-Georg Leitner.

Bemerkenswerte Baustellen

Größtes Bauprojekt weltweit: Eines der größten Projekte entsteht zurzeit in China und Russland. Im September 2014 gaben beide Länder nach einer fast zehnjährigen Verhandlungsphase bekannt, dass sie gemeinsam eine Gasleitung durch Sibirien bauen werden. Das Projekt soll etwa 50 Milliarden Dollar kosten und Russland mehr Unabhängigkeit vom europäischen Markt verschaffen. Die Pipeline soll den Namen Sila Sibiri (auf Deutsch: Die Kraft Sibiriens) bekommen und allein auf russischer Seite etwa 4000 Kilometer lang sein. Ab 2018 will Russland mit Sila Sibiri dann jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Gas nach China leiten.

Das teuerste Gebäude im Bau der Welt: Apples neue Konzernzentrale in Cupertino kostet rund 5 Milliarden Dollar. Im riesigen Gebäude in Form eines Donuts soll Ende des Jahres die Einweihung gefeiert werden. Die Fläche beträgt 260 000 Quadratmeter.

Der teuerste Bauflop der Welt: Das Harmon Hotel in Paradise im US-Bundesstaat Nevada sollte 48 Stockwerke hoch sein – und luxuriös. Doch nachdem Millionen in den Sand gesetzt worden waren, kam heraus: Das Gebäude stürzt ein, wenn es ein Erdbeben gibt. Es wurde nie fertiggestellt. Jetzt wurde es für 30 Millionen Dollar abgerissen. 

Die heiße Phase der Arbeiten beginnt erst, wenn die bestehende Eibsee-Seilbahn im Frühjahr 2017 den Betrieb einstellt. Dann soll in maximal acht Wochen Bauzeit die neue Stahlstütze errichtet werden. Daran schließt sich die Montage der vier jeweils 150 Tonnen schweren neuen Tragseile samt Zugseil und Seilbahntechnik an. Im Oktober 2017 werden laut Plan die beiden futuristisch anmutenden Kabinen mit 120 Plätzen eingehängt, ehe der Probebetrieb beginnt.

Die neuen Kabinen versprechen kürzere Wartezeiten für all diejenigen, die hoch hinauswollen. Bislang kann es bis zu zweieinhalb Stunden dauern, die Besucher für eine Fahrt einplanen müssen. Die bestehende Seilbahn mit je einer bergwärts und talwärts fahrenden Kabine kann maximal 240 Menschen pro Stunde befördern, die neue soll eine Kapazität von 600 Passagieren stündlich haben. Mehr als eine halbe Stunde sollen Gipfelstürmer dann nicht mehr warten müssen. Die bodentief verglasten Kabinen versprechen beste Sicht – getrübt nur durch Nebel. Und den gibt es häufiger auf der Zugspitze.

Von Mai 2017 an wird der traumhafte Blick während der Auffahrt entlang der steilen Klippen nicht mehr möglich sein. Während der seilbahnlosen Zeit zwischen Abbau der alten und Inbetriebnahme der neuen Bahn können Touristen nur mit der Zahnradbahn durch den Tunnel und mit der Gletscherbahn hinauf zur Zugspitze. 

Von Paul Winterer und Heike Manssen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.