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Ermittler: Zugunglück durch menschliches Versagen

Bad Aibling Ermittler: Zugunglück durch menschliches Versagen

Eine Woche nach dem Zugunglück von Bad Aibling hat der verantwortliche Fahrdienstleiter sein Schweigen gebrochen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, für das Unglück verantwortlich zu sein.

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Unglücksstelle in Bad AIbling.

Quelle: Amelie Sachs/dpa

Bad Aibling. Nach Einschätzung der Ermittler hat der zuständige Fahrdienstleiter das Zugunglück von Bad Aibling zu verantworten. "Hätte er sich regelgemäß verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese am Dienstag. "Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen", ergänzte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz. 

Fahrdienstleiter spricht über Unglückstag

Eine Woche nach dem Zugunglück mit elf Toten informierten Staatsanwaltschaft und Polizei über den bisherigen Stand der Ermittlungen. Sie hätten direkt nach dem Unglück gegen den Fahrdienstleiter ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet, sagte Giese weiter.

Der Bahn-Mitarbeiter habe zunächst geschwiegen, sich am Montag dann aber mit seinen Verteidigern ausführlich zum Unglück geäußert. Die Einlassung des Beschuldigten war nach Angaben der Ermittler "in sich plausibel". Zum Inhalt wollten sich die Ermittler zunächst nicht äußern.

An einen sicheren Ort gebracht

"Ich kann Ihnen den Stand der Vernehmungen jetzt nicht wiedergeben", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz. Das müsse alles erst mit den sichergestellten Daten und Unterlagen abgeglichen werden. In Untersuchungshaft ist der betroffene Fahrdienstleiter derzeit nicht.

"Man muss nicht davon ausgehen, dass hier ein Haftgrund vorliegt", sagte Giese. "Wir haben es hier nicht mit einem vorsätzlichen Fehlverhalten zu tun, sondern dem Verdacht einer fahrlässigen Tötung in mehreren Fällen. Der Strafrahmen bewegt sich bei dieser Tat im Bereich von fünf Jahren."

Der Fahrdienstleiter wurde in Absprache mit seinen Verteidigern an einen sicheren Ort gebracht, ergänzte Branz: "Ihm geht's nicht gut." Die Staatsanwaltschaft kennt aber den Aufenthaltsort des Fahrdienstleiters.

Kein technischer Fehler

Bei einem der schwersten Zugunglücke in Deutschland starben elf Menschen, mehr als 80 Insassen wurden verletzt. Die beiden Nahverkehrszüge waren am vergangenen Dienstagmorgen auf der privat betriebenen Meridian-Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal zusammengestoßen.

Die Ermittler waren bereits direkt nach dem Unglück von menschlichem Versagen ausgegangen, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), zu dem die HAZ gehört, aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hatte. Am Montag bestätigte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bereits, dass es keine Hinweise für einen technischen Fehler gebe.

Mehrere Jahre Berufserfahrung

Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen wurde ein Sondersignal gegeben, das nicht hätte gegeben werden dürfen. Als er seinen Fehler bemerkte, habe der Fahrdienstleiter noch einen Notruf abgesetzt, sagte Branz. "Aber der ging ins Leere."

Der Fahrdienstleiter ist nach Angaben der Ermittler 39 Jahre alt und verheiratet, er hat mehrere Jahre Berufserfahrung. Am Unglückstag habe er seinen Dienst im Stellwerk um fünf Uhr begonnen, teilten die Ermittler mit. "Es gibt keine Hinweise auf Alkohol", sagte Rosenheims Polizeipräsident Robert Kopp. Eine Atemalkoholanalyse bei dem Fahrdienstleiter habe ein Ergebnis von 0,0 Promille ergeben.

"Bilder sind schwer zu verkraften"

Um den genauen Unfallhergang zu ermitteln, sollen Züge auf die Gleise gestellt werden, um den Ablauf nachzustellen. "Die Aussagen des beschuldigten Fahrdienstleiters müssen nun gegengeprüft werden. Dazu planen wir am kommenden Samstag eine Simulation des Tathergangs auf der Strecke", sagte Giese. "Wir sind bis heute dabei, ein riesiges Puzzle zusammenzusetzen. Dann klären wir: Wo stehen wir, wo steht der Beschuldigte", sagte Giese. 71 Fahrgäste seien bereits vernommen worden, darunter auch 19 Schwerverletzte.

Die Wiederherstellung der stark beschädigten Bahnstrecke dauert an. Auf einer Länge bis zu 120 Metern müssen Schienen und Schwellen teils erneuert werden. Die eingleisige Strecke bleibt voraussichtlich bis Ende der Woche gesperrt. Zu den Bergungsarbeiten sagte Rosenheims Polizeipräsident Robert Kopp: "Die Bilder in den Köpfen meiner Kolleginnen und Kollegen sind nur schwer zu verkraften."

wer/otb

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