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Was wir bisher über das Zugunglück wissen

Elf Tote in Bayern Was wir bisher über das Zugunglück wissen

In Bayern sind am Dienstag zwei Züge frontal zusammengestoßen. Mindestens zehn Menschen starben. Dutzende wurden verletzt. Wie es dazu kommen konnte, trotz eines Sicherheitssystems, ist bisher unklar. Ein Überblick über die bisherigen Informationen.

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Unfallstelle in der Nähe von Bad Aibling: Mindestens zehn Menschen starben, als am Dienstagmorgen zwei Züge frontal zusammenstießen.

Quelle: Peter Kneffel/dpa

Was ist am Dienstagmorgen in Bayern passiert?

Zwei Nahverkehrszüge sind gegen 6.45 Uhr frontal zusammengestoßen. Die Triebwagen verkeilten sich ineinander. Einer der Züge entgleiste. Mehrere Waggons kippten zur Seite. "Der eine Zug hat sich förmlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zuges komplett auseinandergerissen", berichtete Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nach einem Besuch der Unglücksstelle (zum Nachlesen im Newsblog).

Die Züge waren in einer langgezogenen Kurve zwischen Holzkirchen und Rosenheim zusammengestoßen. Dort dürfen sie maximal 100 Stundenkilometer fahren. Weil die beiden Lokführer sich aufgrund der Kurve erst sehr spät sehen konnten, gehen die Fachleute davon aus, dass die Züge "mit sehr hoher Geschwindigkeit" zusammenstießen. Die Strecke ist eingleisig.

Wie viele Opfer forderte das Zugunglück?

Nach dem schweren Zugunglück in Oberbayern mit zehn Toten am Dienstag rechnet die Polizei nach neuesten Erkenntnissen nicht mit weiteren Todesopfern. "Es wird niemand mehr vermisst", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Mittwochvormittag. Nachdem alle Personalien abgeglichen worden seien, dürfte sich kein Opfer mehr in den beiden Zügen befinden. "Es wird keine elfte Leiche geben." Der Sprecher war zudem optimistisch, dass alle Verletzten überleben werden. "Wir dürfen optimistisch sein." Bei dem Unglück kamen mindestens zehn Menschen ums Leben: Neun konnten nur noch tot aus den Wracks geborgen werden, ein Opfer erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Eine weitere Person wird noch in den Zugwracks vermisst, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd am Dienstagabend mitteilte. "Wir haben wenig Hoffnung, diese lebend zu bergen", sagte ein Polizeisprecher. Unter den Toten sind auch die beiden Lokführer, wie der Bahnbetreiber mitteilte.

Im oberbayerischen Bad Aibling sind Dienstagfrüh zwei Nahverkehrszüge frontal zusammengestoßen. Die Rettungskräfte sind mit einem Großaufgebot vor Ort. Hier die ersten Bilder von der Unglücksstelle.

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Außerdem wurden 18 Menschen schwer und 63 Menschen leicht verletzt. In den Zügen auf dieser Strecke sitzen morgens zahlreiche Pendler, von denen viele weiter nach München fahren. Schüler waren nicht in den Waggons – in Bayern sind derzeit Faschingsferien.

Was ist die Ursache für den Unfall?

Auf der Strecke wurde 2011 ein sogenanntes Punktförmiges Zugbeeinflussungssystem PZB 90 installiert. Es soll verhindern, dass zwei Züge zusammenstoßen: Über Magnete bremst dieses System einen Zug automatisch ab, falls er trotz eines roten Signals fährt. Nach Angaben der Deutschen Bahn – sie ist Betreiberin des Schienennetzes – wurde die Technik erst kürzlich überprüft – ohne Beanstandungen.

Nach bisherigen Erkenntnissen war die Fehlentscheidung eines Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling wahrscheinlich der Grund für das Zugunglück. Das berichtet das RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) – zu dem die HAZ gehört – unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Demnach hat ein Bahnbediensteter das automatische Signalsystem ausnahmsweise außer Kraft gesetzt, um einen verspäteten Triebwagen noch "quasi von Hand durchzuwinken". Der Triebwagen hätte, um dem entgegenkommenden Zug auszuweichen, rechtzeitig einen sogenannten Begegnungspunkt erreichen müssen: Dort ist die ansonsten eingleisige Strecke zweigleisig ausgebaut.

Doch der Triebwagen schaffte es nicht rechtzeitig bis zu diesem Punkt. Dennoch bekam der entgegenkommende Zug grünes Licht. "Der fuhr auf Ersatzsignal", formulierte es ein Ermittler. Das bedeute: Auf Weisung aus dem Stellwerk habe der Lokführer weiter fahren dürfen, obwohl das reguläre Signalsystem auf Rot stand. Nichtsahnend sei der Lokführer dann aus dem zwei- wieder in den eingleisigen Streckenabschnitt gefahren – und geradewegs in die Katastrophe gesteuert.

Wer ist der Zugbetreiber?

Die beiden verunglückten Meridian-Züge werden von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) betrieben, die zum französischen Transportriesen Transdev gehört. Unter der Marke Meridian befährt die Bayerische Oberlandbahn seit Dezember 2013 drei Strecken von München nach Salzburg und nach Kufstein sowie von München über Holzkirchen nach Rosenheim. Sie werden nach Unternehmensangaben jeden Tag von tausenden Pendlern genutzt.

Welche Züge wurden eingesetzt?

Transdev setzt nach eigenen Angaben "hochmoderne, elektrische Triebzüge" des Berliner Herstellers Stadler ein. Sie stammen aus der Fahrzeugfamilie FLIRT – die Abkürzung steht für "Flinker Leichter Innovativer Regional-Triebzug". Züge diesen Typs sind bei Eisenbahnunternehmen in mehreren Ländern in Betrieb.

dpa/wer

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