Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Zugunglück: Fahrdienstleiter spielte auf dem Handy

Zusammenstoß in Bad Aibling Zugunglück: Fahrdienstleiter spielte auf dem Handy

Zwei Monate nach dem Zugunglück von Bad Aibling haben die Ermittler neue Erkenntnisse: Demnach war der Fahrdienstleiter durch ein Computerspiel auf seinem Handy abgelenkt, kurz bevor die beiden Züge zusammenstießen und elf Menschen starben. Der Mann wurde deshalb festgenommen.

Voriger Artikel
Apotheker ermutigt Kondom-Käufer zum Kinderkriegen
Nächster Artikel
Mann schenkt seine Bäckerei einem Obdachlosen

Im Februar 2016 waren zwei Züge in der Nähe von bad Aibling frontal zusammengestoßen. Elf Menschen starben.

Quelle: Josef Reisner/dpa

Bad AIbling. Nach den neuen Erkenntnissen der Ermittler hat der Fahrdienstleiter am Morgen des Unglückstages sein Handy eingeschaltet, darauf ein Computerspiel gestartet und "über einen längeren Zeitraum bis kurz vor der Kollision der Züge" gespielt haben. "Es muss aufgrund des engen zeitlichen Zusammenhangs davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte dadurch von der Regelung des Kreuzungsverkehrs der Züge abgelenkt war", teilte die Staatsanwaltschaft Traunstein mit.

Wahrscheinlich sei der Fahrdienstleiter durch das Computerspiel so sehr abgelenkt worden, dass er "hinsichtlich des Kreuzungsortes der Züge von falschen Voraussetzungen" ausgegangen sei, den Zügen falsche Signale gegeben und bei beiden Notrufen am Funkgerät die falsche Tastenkombination gedrückt habe, sodass die Notrufe nicht von den Zugführern gehört werden konnten.

Fahrdienstleiter bestreitet Ablenkung

"Damit liegt dem Fahrdienstleiter nicht nur ein Augenblicksversagen zur Last, sondern eine erheblich schwerer ins Gewicht fallende Pflichtverletzung", erläuterte die Staatsanwaltschaft weiter. Der Fahrdienstleiter sei festgenommen worden und habe vor dem Amtsgericht Rosenheim gestanden, auf seinem Handy das Computerspiel gespielt zu haben. "Er bestritt aber, hierdurch abgelenkt worden zu sein."

Die Staatsanwaltschaft Traunstein wirft dem beschuldigten Fahrdienstleiter nun fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr vor. Das Amtsgericht Rosenheim erließ Haftbefehl gegen den Mann. Er sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

"Bis heute keine Hinweise auf technische Störungen"

Beim Zusammenstoß zweier Nahverkehrszüge nahe Bad Aibling waren am 9. Februar auf der Strecke von Holzkirchen nach Rosenheim elf Männer ums Leben gekommen und 85 Insassen verletzt worden, manche von ihnen lebensgefährlich. Die Ermittlungen zur Ursache des Zugunglücks dauerten an, erklärte die Staatsanwaltschaft weiter. "Bis heute haben sich aber keine Hinweise auf technische Störungen ergeben, die Ursache oder Mitursache der Katastrophe sein könnten."

Die Ermittler hatten schon wenige Tage nach dem Unglück gesagt, dass der Fahrdienstleiter für den Zusammenstoß der Züge verantwortlich sei. "Hätte er sich regelgemäß verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese damals. "Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen", ergänzte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz.

Hintergrund: Fahrdienstleiter

Bei der Deutschen Bahn arbeiten mehr als 13.000 Fahrdienstleiter, die täglich mehr als 40.000 Züge quer durch Deutschland steuern. Auf dem 34.000 Kilometer umfassenden Schienennetz werden dafür rund 3000 Stellwerke genutzt, wo die Stellwerker Signale und Weichen per Hebel, Tasten oder Mausklick kontrollieren.

Grob gesagt gibt es vier Arten von Stellwerken. Für die Unglücksstrecke bei Bad Aibling ist ein sogenanntes Relaisstellwerk zuständig, wo die Gleispläne der Bahnhöfe und der angrenzenden Streckenabschnitte schematisch auf Stelltischen abgebildet sind. Die Gleise werden überwiegend automatisch frei gemeldet, der Fahrdienstleiter kann aber manuell eingreifen.

Die Ausbildung zum Fahrdienstleiter dauert in der Regel drei Jahre, kann aber je nach Qualifikation auf zwei Jahre verkürzt werden. Das Brutto-Jahres-Einstiegsgehalt liegt bei 31.500 Euro und kann je nach Berufsjahren, Komplexität des Arbeitsplatzes sowie Zulagen etwa für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit auf 47.000 Euro steigen. Die Arbeitsbelastung eines Stellwerkers gilt als groß.

afp/wer/abr/dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.