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CSU zum ersten Mal beim Christopher Street Day

Schwulen- und Lesbenparade CSU zum ersten Mal beim Christopher Street Day

Hoch auf dem bunten Wagen: Zum ersten Mal fahren CSU-Politiker bei der Schwulenparade am Sonnabend in München mit – und das ist erst der Anfang.

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Bunt und schrill wird es vor dem Münchner Rathaus beim Christopher Street Day zugehen. Und die CSU wird auch dabei sein.

Quelle: Felix Hörhager/dpa

München. Als "schrille Minderheit" hat der frühere CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt einst Homosexuelle bezeichnet. Unschwer zu erraten, was der heutige Bundesverkehrsminister wohl davon hält, dass seine Partei am Sonnabend beim Christopher Street Day in München mit von der Partie sein wird.

Wagen der CSU zum ersten Mal dabei

Zum ersten Mal ist ein Wagen der CSU bei diesem fröhlich-lärmenden Umzug von Schwulen und Lesben am Start. Auslöser für die Entscheidung ist nicht etwa die Erkenntnis, dass es sich bei der CSU ebenfalls um eine schrille Minderheit handelt. Vielmehr gibt es inzwischen auch in den Reihen der Christsozialen moderne junge Menschen, die sich nicht nur offen zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen, sondern sogar ihre Politik daraus ableiten.

Eine der Gallionsfiguren dieser Bewegung ist Patrick Slapal. Der 27-jährige Nachwuchspolitiker aus München hat den Umzugswagen mit organisiert, und er engagiert sich obendrein im "Lesbisch-Schwulen Netzwerk der CSU", das die Gruppe mit "LSU" abkürzt.

Ziemlich subversiv für eine konservative Partei, die wie keine zweite im Bundestag Ehe und traditionelle Familie als bevorzugte Lebensmodelle hochhält. Slapal hatte mit anderen Mitstreitern das Netzwerk Ende des vergangenen Jahres ins Leben gerufen, mittlerweile sind bereits 80 CSU-Mitglieder dabei. Eine offizielle Arbeitsgemeinschaft ist es aber nicht.

Gleichstellung im Parteiprogramm verankern

Die Aktivisten haben sich zum Ziel gesetzt, im neuen Parteiprogramm die völlige Gleichstellung von lesbisch-schwulen Partnerschaften mit der Ehe zu verankern. "Ein mühsamer Weg", sagt Slapal. Auf versteckten oder offenen Widerstand sei er bisher aber nicht gestoßen.

Selbst die Teilnahme an der Schwulen- und Lesbenparade löst erstaunlich wenig Getöse in der Partei aus – obwohl die Aktion mit der CSU-Spitze nicht abgesprochen war. Allerdings haben die schwulen Christsozialen auch durchaus namhafte Unterstützer: Der Münchner Bürgermeister Josef Schmid zum Beispiel läuft schon seit Langem bei dem bunten Umzug mit. Und Kultusminister Ludwig Spaenle, zugleich Münchner CSU-Chef, war über die Planungen informiert – und legte keinen Widerspruch ein.

Die Parteispitze selbst reagiert auf Nachfragen urbayerisch. Das sei "Angelegenheit des Bezirksverbands München", sagt ein Sprecher des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer. "Es ist nicht unser Bier."

Von Patrick Guyton

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