Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt 2016 war brutalstes Jahr für syrische Kinder
Nachrichten Politik Deutschland / Welt 2016 war brutalstes Jahr für syrische Kinder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:45 13.03.2017
Der 6-jährige Ahmed sitzt in einer zerstörten Schule im Norden Syriens. Quelle: AP
Köln

Zum sechsten Jahrestag des Syrien-Kriegs hat das Leid der Kinder laut Unicef ein dramatisches Ausmaß erreicht. 2016 sei das bislang brutalste Jahr des Konflikts gewesen, erklärte das Kinderhilfswerk am Montag. Es seien drastisch mehr Kinder getötet, verstümmelt oder für den Kampf rekrutiert worden. Als Beginn des Konflikts gilt der 15. März 2011.

Offiziell dokumentiert sind laut Unicef mehr als 2.500 Fälle von direkter Gewalt und schweren Kinderrechtsverstößen. Das Hilfswerk habe den gewaltsamen Tod von 652 Kindern verifiziert - ein Anstieg um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 255 dieser Kinder seien in oder in der Nähe ihrer Schule ums Leben gekommen. „Es ist davon auszugehen, dass diese Zahlen nur die Spitze eines Eisbergs darstellen“, betonte Unicef. 1,7 Millionen Kinder könnten wegen des andauernden Konflikts gar nicht erst die Schule besuchen.

„Kinder werden als Kämpfer an der Front eingesetzt“

Auch bei den dokumentierten Rekrutierungen von Minderjährigen durch bewaffnete Gruppen betrug die Zahl mit mehr als 850 rund das Doppelte von 2015. „Kinder und Jugendliche werden immer häufiger nicht nur für unterstützende Tätigkeiten wie Träger oder Wachtposten, sondern auch direkt als Kämpfer an der Front eingesetzt“, erklärte Unicef. Teils würden sie auch für Tötungen, Anschläge oder als Gefängniswärter missbraucht. Die medizinische Notlage stürze Kinder außerdem in Kinderarbeit und frühe Ehen, warnte Unicef.

„Das Leid der syrischen Kinder hat ein beispielloses Ausmaß erreicht“, sagte der Unicef-Regionaldirektor für den Nahen Osten, Geert Cappelaere: „Jedes einzelne Kind ist für das ganze Leben geprägt mit schrecklichen Folgen für seine Gesundheit, sein Wohlbefinden und seine Zukunft.“

Schwabe: „Wir müssen tun, was wir können“

Der Menschenrechtsexperte der SPD im Bundestag, Frank Schwabe, fordert rasche Hilfe für kriegstraumatisierte Kinder aus Syrien. „Das Ausmaß des Leidens ist unbeschreiblich. Wir müssen tun, was wir können“, sagte Schwabe dem RedaktionsNetwerk Deutschland (RND). Der SPD-Politiker mahnt eine „erleichterte Familienzusammenführung“ für syrische Geflüchtete in Deutschland an. Zudem müsse Traumabewältigung in der internationalen Hilfe „eine neue Dimension“ erhalten. „Die humanitäre Hilfe muss endlich dauerhaft ausreichend sein“, forderte Schwabe. Nach einer Studie des Kinderhilfswerks Unicef wurden im vergangenen Jahr 652 syrische Kinder getötet, und die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen. Das vergangene Jahr sei das schlimmste für Syriens Kinder gewesen.

Angesichts der humanitären Folgen des Krieges in Syrien lehnt Schwabe eine Steigerung der deutschen Rüstungsausgaben, wie sie von den USA und weiteren Nato-Partnern gefordert wird, ab. „Die Debatte um eine Erhöhung des Verteidigungsetats um etwa 25 Milliarden Euro wirkt vor dem Hintergrund dieses Leids geradezu obszön. Mit diesem Geld allein aus Deutschland könnte millionenfaches Leid gelindert werden“, sagte Schwabe dem RND.

Von RND/epd/are