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Rente mit 67

Ältere Mitarbeiter machen die Firmen produktiver


Die älteren Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten immer länger. Dies geht aus einem Bericht über Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt für Ältere hervor, den Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Berlin vorstellte. Einen solchen „Fortschrittsreport“ soll es künftig alle sechs Monate geben.
Foto: Arbeitsministerin von der Leyen, DGB-Chef Sommer und Handwerks-Präsident Kentzler legten einen Arbeitsmarktbericht in Berlin vor.

Arbeitsministerin von der Leyen, DGB-Chef Sommer und Handwerks-Präsident Kentzler legten einen Arbeitsmarktbericht in Berlin vor.

© dpa

Berlin. Die Zahl der erwerbstätigen älteren Arbeitnehmer hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Zu diesem Resultat kommt ein Forschungsbericht, den Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Dienstag vorstellte. Nach aktuellen Studien erhöhen ältere Arbeitnehmer zudem die Leistungsfähigkeit eines Betriebes.

Die Arbeitsministerin sieht die Chancen für Ältere am Arbeitsmarkt steigen. Nach Zahlen der Bundesregierung waren 2010 40,8 Prozent der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig. 2009 waren es noch 38,4 Prozent. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Anteil dieser Altersgruppe verdoppelt. „Wenn der Trend anhält, werden wir in Kürze in dieser Altersgruppe mehr Erwerbstätige als Rentner haben“, sagte von der Leyen nach einem Spitzentreffen mit dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, und Handwerkspräsident Otto Kentzler. Im europäischen Vergleich liege Deutschland mittlerweile auf einem Spitzenplatz, betonte von der Leyen. Die Erwerbstätigkeitsquote der 55- bis 64-Jährigen ist seit 2000 in Deutschland stärker gestiegen als in fast allen anderen EU-Ländern. „Wir leben länger, die Beschäftigungszahlen steigen“, sagt von der Leyen.

Der Report fasst aktuelle Daten, Trends und Analysen zum Thema „Arbeiten bis 67“ zusammen. Der Trend wird sich nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten fortsetzen. Der Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften werde noch steigen, heißt es im Bericht. Kritiker halten der Ministerin Schönfärberei und statistische Tricks vor. Der DGB verwies darauf, dass im vergangenen Jahr lediglich 27,5 Prozent der über 60-Jährigen einen sozialversicherungspflichtigen Job gehabt haben. 860.000 Menschen in der Altersgruppe zwischen 55 und 64 seien Minijobber, erklärte Sommer.

Laut Fortschrittsreport profitiert die Wirtschaft indessen nachweisbar von der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer – Erfahrung und Wissen zahlten sich aus. Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Produktivität eines Betriebes um gut 0,5 Prozent verbessert, wenn der Anteil der 45- bis 50-Jährigen an der Belegschaft um einen Prozentpunkt zunimmt. Sorgt das Unternehmen zusätzlich für altersgerechte Arbeitsplätze, lässt sich der Produktivitätszuwachs laut ZEW sogar auf zwei Prozent steigern. „Stimmt der Altersmix, dann steigt quer über alle Branchen die Produktivität“, sagte Arbeitsministerin von der Leyen. Sie forderte die Wirtschaft auf, flexiblere Lebensarbeitszeitmodelle einzuführen und sich auf alternde Belegschaften einzustellen. Aus Niedersachsen gibt es einige Beispiele, wo das bereits geschehen ist. Volkswagen Nutzfahrzeuge etwa richtet seine Produktionsstraßen an der körperlichen Belastbarkeit älterer Arbeitnehmer aus und hat etwa die Überkopfarbeit gestrichen. Der Möbelhersteller Wilkhahn, bei dem sich die Entlohnung teils an der individuellen Produktionsleistung orientiert, bietet kranken, älteren Arbeitnehmern eine Verdienstsicherung.

Frank Lindscheid

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