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"Ich bin nicht gegen Moscheen in Deutschland"

AfD-Vorsitzender Meuthen im Interview "Ich bin nicht gegen Moscheen in Deutschland"

Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen hat sich für einen weniger feindseligen Umgang mit dem Islam ausgesprochen. Es bleibe jedoch dabei, dass unter dem Deckmantel der Religion hochgefährliche Dinge passierten.

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Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen hat sich für einen weniger feindseligen Umgang mit dem Islam ausgesprochen.

Quelle: Christoph Schmidt/dpa

Stuttgart. Herr Meuthen, wie kommen Sie dazu,  Deutschland für "versifft" zu erklären, wie Sie es auf dem Parteitag unter Jubelstürmen gesagt haben?
Ich halte den Ausdruck immer noch im Rahmen einer Parteitagsrede für angemessen. Im Landtag würde ich es so nicht formulieren, da geht es ja auch nicht um allgemeine Gesellschaftspolitik, sondern um konkrete sachpolitische Themen. Ich wende mich mit dieser Aussage gegen ein bestimmtes Milieu, gegen Leute wie etwa die Grüne Claudia Roth, die hinter Menschen hergehen, die "Deutschland verrecke" skandieren. Das ist versifftes Milieu.

Ist in der Sprache der AfD nicht alles von links bis CDU Teil dieses "versifften Deutschlands"?
Die CDU unter Merkel ist doch links. Außer uns gibt es nur noch sozialdemokratische und sozialistische Parteien in Deutschland. Wobei es in allen Parteien vereinzelt auch respektable Persönlichkeiten gibt. Bei den Grünen zum Beispiel Boris Palmer, bei der CDU Wolfgang Bosbach, bei der SPD muss ich weit zurückgehen, Klaus von Dohnanyi vielleicht.

Und bei der Linkspartei? Frauke Petry trifft sich am 2. Juni mit Sahra Wagenknecht zum Meinungsaustausch.
Sahra Wagenknecht ist eine recht kluge Frau. Sie ist auch authentisch. Die Linkspartei steht immerhin für etwas, sie hat eine Position, wie wir auch. In der Diagnose, etwa zur Eurokrise, sind wir uns sogar oft ähnlich. In der Therapie unterscheiden wir uns fundamental. Frau Wagenknecht will Sozialismus, mit Verstaatlichung und maximaler Besteuerung. Gegen all das wenden wir uns. Wir sind nicht neoliberal, aber ordoliberal. Wir halten strikt an der Freiheitlichkeit fest.

Pegida-Führungsfigur Siegfried Däbritz hat bei einer AfD-Demo gesagt: "Wir haben die Grenze dessen verschoben, was mit klaren Worten angesprochen werden muss. Wir haben das Schweigekartell der neuen Einheitspartei durchbrochen."  Ist die AfD damit gut beschrieben?
Mir ist das ein bisschen zu pathetisch. Aber wir verletzen mit Absicht die politische Korrektheit, weil die zu nichts Gutem führt. Man muss Dinge beim Namen benennen können.

Sie waren zum Streitgespräch mit der Ahmadiyya-Gemeinde in einer Moschee zu Gast. Frauke Petry besucht kein muslimisches Gotteshaus, sondern trifft Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime heute in einem Hotel. Was haben Sie aus Ihrem Treffen mitgenommen?
Ich habe innerparteilich Kritik bekommen, dass ich mir dort die Schuhe ausgezogen und mich auf den Teppich gesetzt habe. Das sei schon ein Zeichen der Unterwerfung. Das sehe ich überhaupt nicht so. Das sind ihre Sitten, und denen passe ich mich an, soweit ich mich in ihren Räumlichkeiten bewege. Inhaltlich habe ich in dem Streitgespräch völlig an unseren Positionen festgehalten, ich habe mich eben nicht einwickeln lassen. Ich bin nicht gegen Moscheen in Deutschland. Moscheen gehören dazu. Das sind Orte der Religionsausübung. Wir müssen nur sehr genau hingucken, was dort gepredigt wird. Unter dem Deckmantel der Religion passieren dort hochgefährliche Dinge. Moslems sollen ihren Glauben leben dürfen, aber friedlich.

Haben Sie Angst vor dem Islam?
Ich habe Sorge vor einer schleichenden Islamisierung. Die werden immer mehr und wir immer weniger. Ich möchte kein islamisches Land, auch nicht in 30 Jahren. Dafür stehe ich.

Sie waren in Stuttgart der Star des Parteitags. Schließen Sie einen Wechsel in die Bundespolitik aus?
Ich bin gerade als Fraktionsvorsitzender gewählt und habe meiner Fraktion zugesagt, das die vollen fünf Jahre zu machen. Das geht nicht zusammen mit ­einer Bundestagskandidatur 2017.

Ist damit Frauke Petry als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl gesetzt?
Nein, warum? Haben wir etwa nur zwei gute Leute in der Partei? Es ist noch zu früh, eine Entscheidung über die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl zu treffen.

Das Stuttgarter Parteiprogramm wird am Montag vorliegen. Ist es ein gutes Programm geworden?
Insgesamt ja, aber nicht in allen Teilen. Wir müssen da an manche Teile noch einmal ran und gewisse Dinge ändern. Dass wir ein allgemeines Verbot des Schächtens fordern, kann meines Erachtens so nicht stehen bleiben. Das gehört auch nicht in ein Parteiprogramm. Es gibt auch noch andere Punkte, bei denen man nachjustieren muss.

Zur Person: Jörg Meuthen

Prof. Jörg Meuthen, gebürtiger ­Essener, trat bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg als ­Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland an und führt seit wenigen Wochen die erste AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag. Der 54-jährige Wirtschaftswissenschaftler ist zugleich Kovorsitzender der Partei. Er lehrt seit 1996 an der Hochschule für öffentliche ­Verwaltung Kehl.

Interview: Jörg Köpke und Jan Sternberg

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