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Taliban-Vertreter bestätigen Tod von Miliz-Chef

Mansur bei US-Drohnenangriff getötet Taliban-Vertreter bestätigen Tod von Miliz-Chef

Der Tod des Taliban-Chefs Mullah Achtar Mansur durch einen US-Drohnenangriff ist aus Kreisen der radikalislamischen Miliz bestätigt worden. Er könne glaubhaft versichern, dass Mullah Mansur nicht mehr unter den Lebenden sei, sagte ein führender Taliban-Vertreter am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. 

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Ein US-Soldat im Hindukusch. Bei einem US-Drohnenangriff soll der Taliban-Anführer Mansur getötet worden sein. Die Islamisten weisen das zurück.

Quelle: dpa/Symbolfoto

Washington. Zwei weitere Quellen bestätigten, dass andere führende Mitglieder der Miliz sich in der pakistanischen Stadt Quetta versammelt hätten, um einen Nachfolger für Mansur zu bestimmen.

Mansur hatte die Führung der Taliban offiziell erst im Juli übernommen, nachdem der Tod des berüchtigten Taliban-Gründers Mullah Omar offiziell bestätigt worden war. Der afghanische Geheimdienst hatte zuvor erklärt, Mansur sei schon seit längerer Zeit "eng überwacht" worden. Am Samstag sei er bei einem Drohnenangriff in der südwestpakistanischen Provinz Baluchistan getötet worden.

US-Außenminister John Kerry begründete den Drohnenangriff mit der von Mansur ausgehenden Gefahr für US-Soldaten. Bei einem Besuch in Myanmar sagte Kerry, Mansur sei eine "unmittelbare Bedrohung für US-Personal, afghanische Zivilisten und afghanische Sicherheitskräfte" gewesen. Er habe Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung "direkt abgelehnt".

Der afghanische Geheimdienst NDS und der Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah hatten zuvor gemeldet, dass Mansur bei einem US-Drohnenangriff in Pakistan getötet worden sei. Die Islamisten dementierten zunächst entsprechende Berichte.

Sein Auto sei in Dahl Bandin angegriffen worden. Details gab es aus ihren Büros zunächst nicht. Das Pentagon bestätigte den Angriff am Samstag, äußerte sich aber zunächst vorsichtig: Das Ergebnis werde noch "eingeschätzt", hieß es in einer Mitteilung von Ministeriumssprecher Peter Cook. Mehrere US-Medien zitierten einen namentlich nicht genannten US-Offiziellen indes mit den Worten, Mansur sei "wahrscheinlich" tot. 

Den Berichten zufolge erfolgte der Angriff am Samstagmittag (MESZ) in einem entlegenen Gebiet nahe Ahmad Wal im westlichen Pakistan. Mehrere Drohnen hätten ein Fahrzeug beschossen, in dem sich neben Mansur noch ein anderer Mann aufgehalten habe. US-Präsident Barack Obama habe die Operation genehmigt. Dem Sender CNN zufolge sagte ein US-Regierungsbeamter, wegen des schwer zugänglichen Geländes könne es Tage dauern, bis Mansurs Schicksal geklärt sei.

Die Taliban wiesen die Berichte über den Tod ihres Anführers zunächst zurück. In einer am Sonntagmorgen über einen telefonischen Kurznachrichtendienst verschickten kurzen Botschaft hieß es, die Berichte seien „gegenstandslos“. „Er lebt. Da war kein Anschlag auf ihn.“ Sprecher der Taliban waren telefonisch nicht zu erreichen.  

Taliban-Anführer Mulla Mansur.

Taliban-Anführer Mulla Mansur.

Quelle:

Mansur hatte Ende Juli 2015 offiziell die Führung der Taliban übernommen, danach tobten blutige interne Machtkämpfe unter den Taliban. Im Geheimen hatte er die Islamisten aber schon länger geführt: Sein Vorgänger Mullah Omar, so stellte sich damals heraus, war schon zwei Jahre lang tot, bevor sein Ableben verkündet wurde. Mansur und andere aus dem Führungsgremium hatten den Tod aus Angst vor Machtkämpfen verschwiegen.

Mansur, der auf Mitte 40 geschätzt wird, war schon einflussreich, als die radikalislamischen Taliban zwischen 1996 und 2001 in Afghanistan herrschten. Er wurde zuerst Flughafenchef der großen südafghanischen Stadt Kandahar, später Minister für den Flugverkehr. Er war somit nicht nur für die staatliche Fluglinie Ariana zuständig, sondern auch für die Luftwaffe des Landes, die allerdings damals nur aus ein paar alten Flugzeugen und Hubschraubern bestand.

Auch eine Bedrohung für US-Verbündete

In der Pentagon-Mitteilung wurde Mansur für den Tod Tausender afghanischer Zivilisten und Sicherheitskräfte verantwortlich gemacht. Er sei aktiv an der Planung von Angriffen gegen Einrichtungen in Kabul und anderen Teilen Afghanistans beteiligt gewesen. Er habe auch eine Bedrohung für US-Personal und Verbündete im Land dargestellt.

"Mansur stand dem Frieden und einer Versöhnung zwischen der Regierung von Afghanistan und den Taliban im Wege", betonte Cook in der schriftlichen Mitteilung weiter. Er habe Taliban-Führer an der Teilnahme an Friedensgesprächen mit der Regierung gehindert, die zu einem Ende des Konflikts führen könnten.

Schlagkraft der Taliban ungebrochen

Die Schlagkraft der Islamisten am Hindukusch war zuletzt ungebrochen: Laut Experten sind mehr als 100 der rund 400 Bezirke des Landes entweder in der Hand der Taliban oder dauerhaft umkämpft. Die Zahl der zivilen Opfer war 2015 mit mehr als 11.000 Toten und Verletzten auf den höchsten Stand seit Beginn der internationalen Intervention gestiegen. Für 62 Prozent der Opfer seien die Aufständischen verantwortlich, berichteten die UN.

Am Freitag hatte die Nato beschlossen, dass der aktuelle Einsatz in Afghanistan auch im kommenden Jahr fortgesetzt wird. Im vergangenen Mai hatte die westliche Allianz noch erwogen, den aktuellen Militäreinsatz 2017 in eine zivile Mission umzuwandeln.

dpa

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