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70 Milliarden Euro für die Wärmedämmung

„Aktionsprogramm Klimaschutz“ 70 Milliarden Euro für die Wärmedämmung

Mehr Gebäudedämmung, weniger Kohlestrom und neue Radwege: Kurz vor Beginn der UN-Klimaschutzkonferenz in Lima hat die Bundesregierung ihr Aktionsprogramm Klimaschutz vorgelegt. 

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Die Bundesregierung will mehrere Milliarden Euro in die Gebäudedämmung investieren.

Quelle: dpa

Berlin. Mit einem ganzen Paket von Maßnahmen sollen bis zum Jahr 2020 insgesamt 78 Millionen Tonnen Kohlendioxid zusätzlich eingespart werden. Die Opposition bezeichnete den Plan jedoch als „Mogelpackung“.

Folgt man der Sichtweise von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, dann legt die schwarz-rote Koalition mit dem Klimaschutz richtig los: Mit dem gestern vom Kabinett beschlossenen Programm werde die Regierung die Klimaschutzanstrengungen im Vergleich zu den vergangenen 15 Jahren verdreifachen, kündigte die Sozialdemokratin an. „Aber nur so können wir den Rückstand aus der Vergangenheit aufholen.“

Zwar liegen die Deutschen im internationalen Vergleich nicht schlecht im Zeitplan. Bis 2020 sollen die Kohlendioxidemissionen um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Nach aktuellen Prognosen würde Deutschland das Ziel jedoch um acht Prozent verfehlen, wenn nicht mehr unternommen wird. Das Problem: Der Löwenanteil der Einsparungen geht auf den Zusammenbruch der Industrie der früheren DDR zurück. Mit ihrem Maßnahmenbündel bläst die Koalition zur Aufholjagd.

Den größten Part mit zusätzlichen 25 bis 30 Millionen Tonnen soll der Aktionsplan Energieeffizienz beisteuern, für den das Ressort von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) verantwortlich zeichnet. Dieser setzt den Schwerpunkt auf die Gebäudedämmung. Das CO2-Sanierungsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau wird um 200 Millionen Euro auf zwei Milliarden Euro jährlich aufgestockt. Die steuerliche Förderung der Dämmung von Häusern oder des Kaufs moderner Heizungen soll um eine Milliarde Euro erhöht werden.

Wer sich eine neue Heizung, die weniger Gas oder Öl verbraucht, einbaut, soll für eine Einzelbaumaßnahme künftig zehn Prozent seiner Kosten über zehn Jahre vom Fiskus erstattet bekommen. Finanziert werden soll das Gebäudeprogramm mit Kürzungen bei der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen. Details sind noch offen. Außerdem sind zusätzliche Einsparungen von 22 Millionen Tonnen CO2 bei fossilen Kraftwerken geplant – hier fehlt aber noch ein konkreter Regelungsvorschlag.

Gabriel verspricht sich von dem Programm der Regierung auch einen kräftigen Impuls für die Wirtschaft: Die staatlichen Förderprogramme sollen in den kommenden fünf Jahren zusätzlich bis zu 70 Milliarden Euro an privaten Investitionen auslösen.

Mieterbund und der Verein Haus & Grundeigentum in Hannover haben das Vorgehen grundsätzlich begrüßt, üben aber Kritik an Details. Der Stadtwerkefonds Proklima etwa, der in Hannover eigene Förderprogramme anbietet, erwartet einen Schub für seine Aktivitäten.     

Dämmung ist nicht unumstritten

Seit mehreren Jahren wird intensiv dafür geworben, dass Hausbesitzer ihre Immobilien dämmen und so gleichzeitig Kosten sparen und Gutes für das Klima tun. Zuletzt sind daran Zweifel aufgetaucht. So seien die Kosten für die Dämmung oft höher als erwartet, bemängeln Kritiker. Die Energieeinsparung sei jedoch geringer. Einer Modellrechnung des Eigentümerverbandes Haus und Grund ist zu entnehmen, dass sich die Dämmung eines zweigeschossigen Einfamilienhauses mit 160 Quadratmetern Wohnfläche erst nach frühestens 23 Jahren amortisiere.

Kritiker befürchten, das Dämmmaterial werde einst als Sondermüll entsorgt werden müssen – vor allem dann, wenn es sich um Styropor handelt. Und schließlich hat das Magazin „Der Spiegel“ aus einer von den Bauministern der Bundesländer in Auftrag gegebenen Untersuchung zitiert, wonach es beim Styropor nicht so gut um den Brandschutz steht wie bisher angenommen.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel nennt die Debatte in Sachen Energieeffizienz „putzig“. Fakt sei, dass in vielen alten Häusern im Winter mehr der Garten geheizt werde als das Wohnzimmer, sagte er. Gabriel hat sein Haus in Goslar dämmen lassen und ist nach eigenem Bekunden mit dem Ergebnis zufrieden.     

Von Frank Lindscheid
 und Bernd Haase

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