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Deutschland / Welt Alternative Leuchttürme
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13:56 31.05.2018
Geschützter Raum? Schüler und Eltern sollen Lehrer melden, die sich AfD-kritsch äußern -will die AfD in Hamburg. Quelle: dpa
Hamburg

In der sechsten Klasse hatten wir einen Lehrer, der eines Tages ganz in Schwarz zur Schule kam und sagte, die Regierung habe für den Nato-Doppelbeschluss gestimmt und wir sollten nun trauern. Ein anderer, Mathelehrer, brachte uns Wehrmachthefte mit. Zu beiden gingen wir instinktiv auf Distanz.

Es gab immer schon Lehrer, die ihre Gesinnung zur Arbeit trugen und sie anderen aufdrängten. Das Schulgesetz regelt es eigentlich ganz gut: Lehrer dürfen ihre persönlichen Meinungen nicht ohne Weiteres kundtun. Die Hamburger AfD aber findet, dass das nicht ausreicht, und will eine Plattform anbieten, auf der Lehrer, Eltern und Kinder solche Lehrer denunzieren sollen, die mit ihrer Meinung über die AfD nicht hinter dem Berg halten. Denunziation?!

Darüber kann man sich, die deutsche Geschichte im Hinterkopf, enorm aufregen. Die Schulbehörde tut es zu Recht, weil so ein Vorhaben auch datenschutzrelevant ist. Wir Eltern tun es, weil man unsere Kinder zum Petzen animiert, was wir uns grundsätzlich verbitten. Und Lehrer haben immer Grund zur Aufregung. Aber wollen wir das?

Jedes Zeichen gegen die AfD ist ein Reflex, etwas Passives, etwas an deren Handeln Geknüpftes. Das ist ein Dilemma, zugegeben. Wir wollen nicht über jedes Stöckchen springen, das uns Demokratiefeinde hinhalten. Trotzdem gilt es, Haltung zu zeigen. Vielleicht sind die Zeichen unserer Zeit andere. Lasst uns Leuchttürme bauen, Inseln für Kommunikation und Austausch, lasst uns Demokratie an den Schulen leben und lehren, Kinder stärken und ihnen eine Stimme geben – und vermeintliche Alternativen ins Leere laufen lassen.

Stephanie Nannen ist Journalistin, Autorin und Mutter in Hamburg.

Von Stephanie Nannen

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