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Renten steigen so stark wie seit 20 Jahren nicht

Altersvorsorge Renten steigen so stark wie seit 20 Jahren nicht

Die etwa 20 Millionen Rentner in Deutschland bekommen von Juli an deutlich mehr Geld. In Westdeutschland steigt die Rente um 4,25 Prozent und im Osten um 5,95 Prozent. Das hat das Bundessozialministerium am Montag mitgeteilt. Es ist die größte Rentenerhöhung seit 23 Jahren.

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Die Renten steigen zum Juli so stark wie seit 23 Jahren nicht mehr.

Quelle: dpa

Berlin. Bei einer Monatsrente von brutto 900 Euro bringt sie etwa 38 Euro mehr im Westen und 54 Euro mehr im Osten.

Die nun bevorstehende Anhebung der Renten wird kaum durch die Preisentwicklung aufgefressen. Die Europäische Zentralbank erwartet eine Teuerungsrate von nur 0,1 Prozent in diesem Jahr. Möglich ist das hohe Rentenplus dank der guten Beschäftigungslage und der gestiegenen Einkommen. Für die alten Bundesländer wurde bei der Berechnung der Rentenhöhe eine Lohnsteigerung von knapp 3,8 Prozent zugrundegelegt, für Ostdeutschland von 5,5 Prozent. Es gibt aber auch einen Sondereffekt: 2015 fiel die Erhöhung wegen einer Änderung bei der Lohnstatistik niedriger aus.

Die durch Umlagen finanzierte Rente bewähre sich, sagte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD). „Das ist eine gute Nachricht – gerade in Zeiten niedriger Zinsen.“ Der Beitragssatz bleibe in den kommenden Jahren bei 18,7 Prozent. Die Kluft zwischen Ost und West verringert sich weiter – erkennbar am sogenannten Rentenwert, quasi der monatlichen Rente für ein Jahr Beschäftigung mit Durchschnittsentgelt. Im Osten beträgt der Wert nun 94,1 Prozent des Westniveaus.

Auf längere Sicht könnten sich die Perspektiven für Rentenversicherte allerdings verschlechtern: Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) schließt man in Regierungsberechnungen ein deutliches Absinken des Rentenniveaus – also des Verhältnisses der Standardrente zum Durchschnittsverdienst – nicht aus, sofern nicht gegengesteuert werde. Die Schätzungen gehen demnach für das Jahr 2030 im schlimmsten Fall von einem Niveau von nur noch 41 Prozent aus. Dagegen stehen die offiziellen Prognosen von 43 Prozent.

„Das Rentenniveau sinkt weiter“, sagte Anneliese Buntenbach, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund, dem RND. „Bei den Übergängen vom Berufsleben in den Ruhestand fehlt es weiter an flexiblen, verlässlichen und abgesicherten Lösungskonzepten und an einem wirksamen Schutz vor Altersarmut.“ Der Grünen-Experte Markus Kurth meinte, die Regierung versäume es, „die gute Finanzlage zu nutzen und die Rentenversicherung zukunftsfest zu machen“.

Die Annahme, dass das Rentenniveau bis 2030 unter 43 Prozent sinken könnte, sei „völlig unbewiesen“, betonte dagegen der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Reinhard Göhner. Die Rentner könnten „mit weiteren Zugewinnen rechnen“. Voraussetzung sei aber, „dass die Regierung aufhört, an den Renten herumzujonglieren, wie dies zuletzt bei der Rente mit 63 geschehen“ sei.

Von Basil Wegener 
und Dieter Wonka

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