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Kohl gewinnt Prozess gegen Ghostwriter

Altkanzler behält Tonbänder Kohl gewinnt Prozess gegen Ghostwriter

Im Rechtsstreit um sein politisches Vermächtnis hat Altkanzler Helmut Kohl (CDU) einen weiteren Erfolg erzielt. Das Oberlandesgericht (OLG) Köln entschied am Freitag, dass der Ex-Kanzler Tonbänder mit insgesamt 630 Stunden Gesprächsmitschnitten behalten darf.

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In den Jahren 2001 und 2002 hatte Kohl in seinem Haus in Oggersheim mit Schwan als Ghostwriter einer Kohl-Biografie an mehr als 100 Tagen ausführliche Gespräche geführt, die auf den Tonbändern aufgezeichnet sind.

Quelle: dpa

Berlin. Was die Nachwelt eines fernen Tages über die späten Kanzlerjahre von Helmut Kohl erfahren wird, liegt nun wieder in der Macht von Maike Kohl-Richter und ihrem Unterstützerkreis. Das Oberlandesgericht Köln hat dem Altkanzler am Freitag in zweiter Instanz 200 Tonbänder mit seinen Lebenserinnerungen zugesprochen.

In der Justizgeschichte firmieren die fraglichen Dokumente seit Längerem unter dem Namen „Oggersheimer Quellen“. Der Journalist Heribert Schwan sieht sie als sein Eigentum an und möchte sie wiederhaben. Drei dicke Memoirenbände hat Helmut Kohl veröffentlicht – der Name Schwan kommt darin nicht vor. Dennoch hat der frühere WDR-Redakteur erheblichen Anteil an der Autobiografie des „Kanzlers der Einheit“, denn er hat sie verfasst. Allerdings in Kohls Namen – als Ghostwriter.

Er führte dafür 2001 und 2002 lange Gespräche mit dem Altkanzler, durchforstete Aktenberge und sah vertrauliche Dokumente ein. Am Ende setzte Kohl seinen Haken drunter. Das Ganze soll völlig problemlos verlaufen sein – bis zum vierten und letzten Band. Bevor Schwan dieses Werk fertigstellen konnte, brach Kohl die Zusammenarbeit ab. Schwan macht dafür Kohls zweite Frau Maike Kohl-Richter verantwortlich. Er hatte nach dem Erscheinen des dritten Memoirenbandes eine stark mitfühlende Biografie über Kohls erste Ehefrau Hannelore verfasst, die sich 2001 das Leben genommen hat. Darin unterstellt Schwan der zweiten Frau Kohl, dass sie die Erinnerung an ihre Vorgängerin Hannelore auslöschen wolle.

Das Gericht sieht in seinem Urteil nun die Tonbänder als alleiniges Eigentum von Kohl. Denn der Materialwert der Kassetten sei weit geringer als ihr immaterieller Wert als historisches Dokument, erläuterte der Vorsitzende Richter Hubertus Nolte. Dieser Wert aber gehe auf den inzwischen 84-jährigen Kohl zurück. Möglicherweise ist der Streit damit noch nicht zu Ende: Revision zum Bundesgerichtshof wurde zugelassen. Die Gespräche, die Schwan mit dem früheren Kanzler geführt habe, seien „in keiner Weise mit einem Interview vergleichbar“. Das könne man schon daraus ersehen, dass Kohl des Öfteren gesagt habe „Jetzt machen wir das Tonband aber mal aus“ oder „Das schreiben Sie jetzt aber nicht“.

Der Rechtsstreit wird unter Historikern und Publizisten mit einigem Argwohn verfolgt, zumal häufig der Verdacht geäußert wird, Maike Kohl-Richter wolle mit ihrer Aufsicht über den vierten Memoirenband – in dem die letzten Kanzlermonate, die Spendenaffäre und der Verlust der Ehrenmitgliedschaft Kohls in der CDU behandelt werden müssen – die Deutungshoheit über die schwierigsten politischen Jahre ihres Mannes gewinnen. In einer Charmeoffensive widersetzt sich Kohl-Richter solchen Vorwürfen neuerdings und scheint damit auch Erfolg zu haben. Über einem Illustriertenbericht stand kürzlich die Zeile: „Wie eine Löwin kämpft sie um das Image ihres Mannes.“

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