Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Der kommenden Generation zuliebe

Analyse zum Klimagipfel Der kommenden Generation zuliebe

Von Paris geht ein lang ersehntes Signal aus. Ausgerechnet in der Metropole, die vor einem Monat von schrecklichen Terrorattacken getroffen wurde, verpflichtet sich die Weltgemeinschaft erstmals zu einem gemeinsamen Handeln gegen den Klimawandel.

Voriger Artikel
UN-Konferenz beschließt Weltklimavertrag
Nächster Artikel
Frankreich in zweite Wahlrunde gestartet

Historischer Wendepunkt: UN-Konferenz beschließt Weltklimavertrag

Quelle: dpa

Paris. Auch wenn es an konkreten Verpflichtungen fehlt, ist die Bedeutung enorm: In Zukunft ist jeder Staat gefordert, eigenständige Beiträge zu einer umweltschonenderen Energieproduktion zu liefern. Über lange Zeit galt es als geradezu illusorisch, dass sich 195 Staaten auf ein gemeinsames Papier zur Bekämpfung der Treibhausgase verständigen könnten. Der Graben zwischen Entwicklungs- und Industrieländer erschien unüberwindbar, da sich die einen bei ihrer Aufholjagd, die anderen bei der Lastenverteilung übervorteilt sahen. Den Weg zur überraschenden Einigung ebneten gleich mehrere Akteure - die französischen Gastgeber demonstrierten in ihrer Verhandlungsführung die hohe Schule der Diplomatie, die deutsche Delegation bewährte sich als antriebsstarker Motor, und Amerikas Präsident stellte unter Beweis, dass es ihm mit der Kehrtwende in der Umweltpolitik ernst ist. Ganz zu schweigen von der chinesischen Führung, die sich ebenso wie Indien erstmals zu eigenen Maßnahmen verpflichtete.

Selbst die Optimisten unter den Klimaschützern erwarten auch nach Paris kein schnelles Ende der massenhaften Kohle-, Gas- und Ölverbrennung. Erstmals sind sich die Regierungen dieser Welt aber darin einig, dass es sich nur noch um Übergangstechnologien handeln kann. Ein Bekenntnis, dass seine Wirkung auch auf weltweit handelnde Investoren nicht verfehlen dürfte.

Die freiwillige Selbstbeschränkung dürfte schon bald dazu führen, dass beispielsweise in China die Eröffnung neuer Kohlekraftwerke nicht mehr per se als Erfolg gefeiert wird. Und in den USA geraten Präsidentschaftsbewerber wie Donald Trump endlich unter Rechtfertigungsdruck, sollten sie weiterhin versuchen, sich über die Folgen des Klimawandels lustig zu machen.

Barack Obama wies am Sonnabend zu recht drauf hin, dass der Vertrag nur ein allererster Schritt im Kampf gegen den Klimawandel sein kann. Immerhin wird das Signal von Paris nicht nur in Washington, sondern in allen Regionen der USA aufmerksam registriert. Bundesstaaten wie Kalifornien zählen mit ihren strengen Umweltstandards bereits heute zur Weltspitze der Umweltschützer und strahlen auf andere Gegenden aus. Überhaupt ist der parteipolitische Frontverlauf beim Klimaschutz in den Vereinigten Staaten keineswegs so eindeutig, wie es in Europa manchmal vermutet wird. So läutete der frühere republikanische Gouverneur Arnold Schwarzenegger an der Westküste die ökologische Kurskorrektur ein, und die Ranch von George W. Bush in Texas gilt so manchem Ökotechnologen als Vorbild.

Angesichts der gegenwärtigen Mehrheitsverhältnisse im US-Kongress arbeitet Obama zwar regelmäßig mit Exekutivverordnungen, um neue Umweltstandards für saubere Luft durchzusetzen. Eine Rücknahme der bisherigen Auflagen unter einem republikanischen Präsidenten ab 2017 erscheint jedoch selbst Obama-Kritikern als unwahrscheinlich. Der neue umweltfreundliche Kurs Amerikas hat schließlich in erster Linie ökonomische Gründe: Die klimaschädliche Kohle, die zum großen Teil in Kentucky, West Virginia und Wyoming gefördert wird, ist mittlerweile wesentlich teurer als das klimafreundlichere Erdgas. Oder, wie es konservative Politiker in Washington formulieren: "Die alten Dreckschleudern rechnen sich nicht mehr."

Zu einem wahrlich historischen Deal wird das Klimaabkommen zudem durch seine bemerkenswerten Verfahrenstechniken: Alle fünf Jahre sollen die Emissionspläne künftig überprüft werden. Industrie- und Entwicklungsländer setzen sich damit selbst unter Druck, da sie ihre eigenen Maßnahmen regelmäßig der Weltgemeinschaft zu präsentieren haben. Obama brachte es am Sonnabend auf den Punkt, als er feststellte: "Das Problem ist mit diesem Abkommen nicht gelöst. Aber die Vereinbarung von Paris schafft ein dauerhaftes Rahmenwerk, das die Welt benötigt, um die Klimakrise zu lösen."

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Analyse zum Weltklimavertrag

Endlich ein Erfolg. Wenn man die Pariser Weltklimakonferenz mit ihren desaströsen Vorgängern vergleicht, dann muss man anerkennen, dass der Klimaschutz soeben ein großes Stück weitergekommen ist. Doch das Klima ist noch nicht gerettet. Ein Kommentar von Ralf Volke.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.