Volltextsuche über das Angebot:

24°/ 15° Gewitter

Navigation:
Wie sicher ist das Kanzler-Handy?

Spähaffäre Wie sicher ist das Kanzler-Handy?

Wenn Angela Merkel Politik macht, ist das Handy immer griffbereit. „SMS-Kanzlerin“ wird sie gern genannt – eine Anspielung auf ihren regen Gebrauch von Kurznachrichten. Nicht nur deshalb stellt sich die Frage: Müsste die Regierungschefin nicht abhörsicher kommunizieren können?

Voriger Artikel
EU-Gipfel berät über Flüchtlingspolitik
Nächster Artikel
Mehr als 700 Menschen vor Lampedusa gerettet

Simst und telefoniert viel mit dem Handy: Kanzlerin Angela Merkel.

Quelle: dpa

Berlin. Kanzlerin Merkel und den anderen Regierungsmitgliedern stehen seit mehreren Jahren abhörsichere Kryptohandys zur Verfügung. Das Problem: Bislang konnten diese Geräte entweder nur Telefonate und SMS oder E-Mails verschlüsseln. Wer alle Kommunikationsarten zeitgleich sicher nutzen wollte, musste zwei Geräte im Einsatz haben, um den Vorschriften des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu entsprechen. Nicht alle Kabinettsmitglieder halten sich an diese Vorgabe. Auch die Kanzlerin nutzt neben dem abgesicherten Regierungshandy häufig ihr Privathandy – und genau das könnte ins Visier des US-Geheimdiensts NSA geraten sein.

"Ich habe immer überlegt, wie man Parteikommunikation und Regierungskommunikation auseinanderhalten kann", sagte Merkel am Freitagmorgen nach Gipfelberatungen in Brüssel. "Deshalb benutze ich ein Handy, das auf das Konto der Partei läuft, damit ja nie der Eindruck entsteht, ich würde Regierungsgelder für Parteikommunikation verwenden." Schon 2005 – zu Beginn ihrer ersten Kanzlerschaft – habe sie sich deswegen für Parteifinanzierung entschieden. Über die verschiedenen Schutzmöglichkeiten der Handys wollte sich die Kanzlerin nicht weiter auslassen: "Dass die, die weniger Krypto sind, eher überwacht werden als die, die Krypto sind, ist vielleicht in der Logik nicht ganz zufällig", sagte Merkel nur.   

Mehr Sicherheit schaffen sollen die neuen Krypto-Smartphones der Regierung, die vom BSI für den Dienstgebrauch zugelassen wurden: Ein Samsung-Gerät, auf dem Software von der Deutschen Telekom läuft und Blackberry-Geräte, die von der Düsseldorfer Sicherheitssoftware-Firma Secusmart abgesichert wurden. Diese trennen künftig zwischen beruflicher und privater Kommunikation und verschlüsseln Telefonie, SMS und Internetnutzung zudem auf einem Gerät. Anfang Oktober wurden die ersten an die Bundesregierung ausgeliefert, ob Merkel eines nutzt, ist aber unklar. Doch auch beim neuen Kanzlersmartphone bleiben alte Schwachstellen. Verschlüsselte Gespräche zwischen Kryptohandys sind zwar selbst für die NSA fast nicht zu knacken, da eine Art abhörsicherer Tunnel aufgebaut wird. „Nutzt Merkels Gesprächspartner aber ein normales Handy, ist das Telefonat wieder ungeschützt“, sagt Jürgen Schmidt, Sicherheitsexperte der Zeitschrift „c’t“. Ein weiteres Problem sei das Fehlen einheitlicher internationaler Verschlüsselungsstandards. Ruft Merkel ausländische Kollegen an, öffnet sich ein neues mögliches Angriffstor. Zwar betonen die für die Ausrüstung der Kryptosmartphones zuständigen Firmen das hohe Niveau der eingesetzten Verschlüsselung. Vom BSI gab es trotzdem nur die Freigabe für die unterste Sicherheitsstufe. Für „Streng geheim“ reichte es nicht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
US-Geheimdienst
Angela Merkel und 34 andere Spitzenpolitiker sind durch die NSA bespitzelt worden

Die vermutete Überwachung des Handys von Angela Merkel war offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Neuen Dokumenten von Edward Snowden zufolge ging es um mehr als 35 Telefone von internationalen Spitzenpolitikern. Der US-Geheimdienst warnt vor neuen Enthüllungen.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt
Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.