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Führt eine Terrorspur nach Deutschland?

Anschläge von Brüssel Führt eine Terrorspur nach Deutschland?

Nach den Terroranschlägen in Brüssel hat die Polizei in Gießen und Düsseldorf zwei Männer festgenommen. Einer von ihnen gehört zur Salafistenszene. Fragen und Antworten zum Stand der Ermittlungen in Deutschland, Belgien und Frankreich.

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Bombenalarm in Brüssel: Ein Sprengstoffspezialist der Polizei untersucht im Stadtteil Schaerbeek ein verdächtiges Paket. Fotos: dpa (2), afp

Quelle: Julien Warnand

Europa kämpft gegen die Bedrohung durch den Terror. Nach den Anschlägen von Brüssel bemühen sich die Sicherheitsbehörden mit Hochdruck, Hintermänner zu finden und weitere Taten zu verhindern. In Frankreich und Belgien gab es Razzien und Festnahmen - und auch hierzulande könnte es Unterstützer gegeben haben. In Gießen wurde ein 28-jähriger Marokkaner verhaftet, in Düsseldorf der ebenfalls 28 Jahre alte Samir E. Ein Überblick über die neusten Entwicklungen:

Gibt es eine Verbindung der Brüsseler Attentäter zur Düsseldorfer Islamistenszene?

Der in Düsseldorf festgenommene Samir E. soll ebenso wie der Brüsseler Airport-Attentäter Ibrahim El Bakraoui im Sommer 2015 von den türkischen Behörden im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien aufgegriffen worden sein. Das berichtet der „Spiegel“. Die Türken verdächtigten beide, sich aufseiten der Islamisten am syrischen Bürgerkrieg be­teiligen zu wollen oder beteiligt zu haben. Beide wurden im selben Flugzeug nach Amsterdam abgeschoben. Ob sie zueinander Kontakt hatten oder gar gemeinsam nach Syrien gelangen wollten, wird untersucht, sagte der ­Düsseldorfer Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Samir E. wurde am Donnerstagabend in der Merowinger Straße im Stadtteil Bilk festgenommen. Gegen ihn würde ein Haftbefehl wegen Bandendiebstahls vollstreckt. E. ist Wiederholungstäter und vorbestraft. Zudem soll er eine „schwere staatsgefährdende Gewalttat“ geplant haben. Damit ist laut Staatsanwaltschaft kein konkreter Anschlagsplan gemeint, sondern E.s Versuch, sich den syrischen Islamisten anzuschließen.

Hätten die deutschen Behörden früher handeln können?

Die Behörden sahen keine Handhabe, E. früher festzusetzen. Er sei unter ständiger Beobachtung gewesen. „Er ist uns gut bekannt und nicht durchgerutscht, wie möglicherweise El Bakraoui den Belgiern“, beteuert Oberstaatsanwalt Herrenbrück dem RND. „Allein die Tatsache, dass er von der Türkei zurückgewiesen wurde, rechtfertigt keinen früheren Zugriff.“ Anschlagspläne von E. habe es nicht gegeben. Dennoch hat die Staatsanwaltschaft Druck gemacht, den Haftbefehl noch vor Ostern zu vollstrecken, damit E. sich nicht erneut absetzt.

Was hatte der in Gießen festgenommene Mann mit den Brüsseler Bombern zu tun?

Bei einer Routinekontrolle am frühen Donnerstagmorgen am Gießener Bahnhof überprüften Bundespolizisten einen 28-jährigen Marokkaner. Sie stellten fest, dass der Mann eine Einreisesperre für den Schengen-Raum hatte und in Deutschland und Italien straffällig geworden war. Laut einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Gießen hatte er Dokumente bei sich, „die darauf schließen lassen, dass er sich zuletzt unter anderem auch in der Umgebung von Brüssel aufgehalten hat“. In seinem Mobiltelefon fanden sich nach Informationen des Südwestrundfunks zwei verdächtige Nachrichten vom Dienstag, dem Tag der Brüsseler Anschläge. Eine enthielt den Namen des Metro-Bombers Khalid El Bakraoui. Eine weitere Nachricht enthielt nur das Wort „fin“ („Ende“). Die SMS soll um 9.08 Uhr gesendet worden sein. Um 9.11 Uhr sprengte sich El Bakraoui in die Luft. Der Festgenommene soll bereits mehrfach unter falschem Namen Asyl in Deutschland beantragt haben.

Ist der sogenannte Islamische Staat nach den Brüsseler Anschlägen gestärkt?

Der IS dürfte die Attentate als Erfolg verbuchen. Zugleich müssen die Islamisten jedoch Rückschläge hinnehmen: Die USA haben nach Angaben von Verteidigungsminister Ashton Carter mehrere Top-Terroristen der IS-Miliz getötet, darunter den IS-Finanzminister und -Vizechef Abdul Rahman Mustafa al-Kaduli. „Wir eliminieren systematisch ihr Kabinett“, sagte Carter. Außerdem hat der IS die Kontrolle über einen Teil seiner Gebiete wieder verloren. So hat die syrische Armee nach eigenen Angaben Teile der Antikenstadt Palmyra zurückerobert.

Drohte in Frankreich ein weiterer Anschlag?

Nach Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve war es jedenfalls knapp. Der französische Inlandsgeheimdienst hat am Donnerstag gegen 17.30 Uhr im Großraum Paris einen Mann überwältigt, dessen Anschlagsplanungen sich „in fortgeschrittenem Stadium“ befanden. Es handele sich um eine „bedeutende Festnahme“, betonte Caze­neuve. Der 34-jährige Reda Kriket wurde schon länger gesucht, er soll IS-Kämpfer nach Syrien geschleust haben. Kriket war in Belgien im vergangenen Jahr in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt worden - angeblich zusammen mit dem Planer der Pariser Attentate, Abdelhamid Abaaoud. Das Ziel des geplanten Anschlags ist jedoch nicht bekannt.

Sind die Brüsseler Anschläge jetzt aufgeklärt?

Nicht komplett. Die belgischen Behörden haben am Freitag bestätigt, worüber Medien bereits spekuliert hatten: Der 25-jährige Najim Laachraoui aus dem Brüsseler Stadtteil Schaerbeek war der dritte Selbstmordattentäter der Anschläge vom Dienstag. Er hat sich demnach am Brüsseler Flughafen in die Luft gesprengt. Er ist auf einem Foto einer Überwachungskamera neben dem Attentäter Ibrahim El Bakraoui zu sehen. Die dritte Person auf dem Bild, ein Mann mit Hut, ist weiterhin flüchtig. Bei mehreren Razzien unter anderem im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek nahm die Polizei drei Männer fest. Dabei fielen auch Schüsse, Medien berichteten über eine Explosion. Ein Mann wurde verletzt. Um wen es sich bei den Festgenommenen handelt, blieb jedoch unklar.

Von Jan Sternberg 
und Detlef Drewes

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