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Armee startet Offensive gegen Taliban

Kampf um Kundus Armee startet Offensive gegen Taliban

Einen Tag nachdem die Provinzhauptstadt Kundus in die Hände der Taliban gefallen ist, haben Regierungstruppen eine Gegenoffensive gestartet, um die radikalen Islamisten zurückzuschlagen. Unterstützt wurden sie von US-Kampffliegern.

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Gegenoffensive: Ein Soldat der afghanischen Spezialkräfte am Dienstag in Kundus.

Quelle: afp

Kabul. Die Straßen von Kundus sind wie ausgestorben, viele Bewohner geflohen, andere verstecken sich verängstigt in ihren Häusern. So berichten es Augenzeugen, einen Tag nachdem die Provinzhauptstadt in die Hände der Taliban gefallen ist. Am Dienstag haben Regierungstruppen eine Gegenoffensive gestartet, um die radikalen Islamisten zurückzuschlagen. Unterstützt wurden sie von US-Kampffliegern, die am frühen Morgen Außenposten der Militanten bombardierten.

Die Kämpfe dauerten am Dienstag noch an. „Wir haben das Polizeihauptquartier und das Provinzgefängnis zurückerobert“, berichtete Polizeisprecher Sajed Sarwar Hussaini. Allerdings haben sich die Taliban offenbar in Häusern von Zivilisten verschanzt, was die Operation erschwert. Man werde die Stadt aber auf jeden Fall zurückerobern.

Die Einnahme von Kundus ist der bisher größte militärische Erfolg der Taliban seit ihrem Sturz im Jahr 2001 - und ein schwerer Rückschlag für die Regierung von Präsident Aschraf Ghani, die vor genau einem Jahr angetreten war. Kundus und die gleichnamige Provinz sind strategisch wichtig, um den Norden des Landes und die Transportwege dort zu kontrollieren.

Wie kein anderer Ort steht Kundus für den deutschen Einsatz am Hindukusch. Bis Oktober 2013 hatte die Bundeswehr dort ein Feldlager. Doch nur zwei Jahre nach ihrem Abzug droht die Lage zu kippen. Immer weiter breiten sich die Taliban aus. Schon lange kontrollieren sie viele ländliche Regionen und nahmen mit Kundus erstmals seit 14 Jahren eine Stadt ein.

Während die Islamisten im Zentrum von Kundus triumphierend ihre weiße Flagge hissten, flohen Provinzregierung und Soldaten zum Lager am Flughafen, um auf Verstärkung zu warten. Mindestens 16 Menschen starben, fast 200 wurden verletzt. Hunderte Soldaten aus anderen Regionen wurden in aller Eile nach Kundus verlegt, um gegen die Taliban zu kämpfen.

Die hätten die Kontrolle über sein Hospital übernommen, berichtete der Arzt Abdul Ahad. „Sie behandeln die Leute sehr gut, besonders die Ärzte. Sie könnten die Herzen gewinnen, wenn sie länger bleiben.” Die Militanten folgen damit offenbar einer Direktive ihres neuen Führers Mullah Achtar Mansur, der sie angewiesen hatte, „Leben, Besitz und Ehre der respektierten Bürger der Stadt Kundus zu schützen“.

Gerade zehn Monate ist es her, dass die Nato Ende 2014 die meisten Soldaten abzog. Seitdem verschlechtert sich die Sicherheitslage rasant. 2015 ist schon jetzt das blutigste Jahr seit 2001. Der erfolgreiche Angriff auf Kundus dürfte die Kampfmoral der „Gotteskrieger“ weiter stärker. Auch für den neuen Taliban-Chef ist die Operation ein militärischer Triumph. Mansur, der in den eigenen Reihen noch umstritten ist, kann so auch seine Führungsrolle festigen.

Dagegen kann die Regierung von Ghani bis heute wenig vorweisen, was eine Wende zum Besseren verspricht. Die Friedensgespräche mit den Taliban stocken, und mit der Wirtschaft geht es bergab. Immer mehr Afghanen verlieren die Hoffnung. Zu Zehntausenden fliehen sie aus dem Land. Täglich beantragen bereits über 7000 Afghanen einen Reisepass. Nicht alle, aber viele wollen nach Europa. Vor allem Deutschland gilt als „gelobtes Land”, seit sich die Kunde von der neuen deutschen Willkommenskultur verbreitet hat.

Manche Afghanen fühlen sich bereits an 1989 erinnert, als die Russen nach jahrelanger Besatzung aus Afghanistan abgezogen waren. Damals war das Land ins Chaos gestürzt, das in einen blutigen Bürgerkrieg zwischen zahlreichen rivalisierenden Kriegsherren mündete.

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