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Hochgefährliches Brüder-Paar

Attentäter von „Charlie Hebdo“ Hochgefährliches Brüder-Paar

Kaltblütig sollen Chérif und Said Kouachi bei ihrem Angriff auf das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ und anschließenden Flucht zwölf Menschen erschossen haben. Ihre Flucht endete nun zweieinhalb Tage später in einer Druckerei nördlich von Paris, wo die 34 und 32 Jahre alten Brüder am Freitag bei einem Polizeieinsatz getötet wurden.

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Chérif und Said Kouachi sind bei einem Polizeieinsatz getötet worden.

Quelle: dpa

Paris. Den französischen Sicherheitsbehörden war das Brüderpaar mit algerischen Wurzeln bekannt, seit Jahren stand es sogar auf einer US-Terrorliste. Beide hatten offenbar Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und womöglich auch zur Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat (IS).

Chérif Kouachi wurde in Frankreich schon 2008 wegen seiner Zugehörigkeit zu einem Dschihadisten-Netzwerk zu drei Jahren Haft verurteilt, davon die Hälfte auf Bewährung. Er trug den Spitznamen Abou Issen. 1982 in Paris als Sohn algerischer Eltern geboren, war Chérif Mitglied des nach einem Park im 19. Pariser Bezirk benannten „Buttes-Chaumont-Netzwerks“, das Dschihadisten zum Kampf gegen die US-Truppen in den Irak schickte. Er wurde 2005 festgenommen, kurz bevor er selbst über Syrien in den Irak reisen konnte.

Korankurse bei selbsternanntem „Emir“

Seine Radikalisierung hatte bereits früher begonnen: Anfang der 2000er Jahre besuchten Chérif und sein zwei Jahre älterer Bruder Said in Paris Korankurse bei dem selbsternannten „Emir“ Farid Benyettou, der für den Dschihad im Irak warb und das „Buttes-Chaumont-Netzwerk“ anführte. Bei Vernehmungen sagte Benyettou, Chérif Kouachi sei „sehr impulsiv und sehr aggressiv“ gewesen und habe von Plänen gesprochen, vor einer Ausreise zum Dschihad einen Angriff auf Juden in Frankreich zu verüben. Laut Innenminister Bernard Cazeneuve beschrieben Komplizen Kouachi als „äußerst antisemitisch“.

Im Gefängnis lernte Chérif Kouachi später den gewaltbereiten Islamisten Djamel Beghal kennen, der wegen der Vorbereitung von Anschlägen eine zehnjährige Haftstrafe absaß. Seitdem soll er unter dessen Einfluss gestanden und einen „sehr strengen Islam“ praktiziert haben, heißt es aus informierten Kreisen. Er wurde offenbar schon in Frankreich in den Umgang mit Waffen eingewiesen. Experten vermuten zudem, dass er später doch noch in den Irak reiste, eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht.

Verbindungen gibt es laut dem renommierten Islam-Experten Jean-Pierre Filiu auch zum IS: Anfang der 2000er Jahre war neben Chérif Kouachi auch der Franko-Tunesier Boubaker al-Hakim Mitglied des „Buttes-Chaumont-Netzwerks“. Al-Hakim hat sich zu der Ermordung zweier tunesischer Oppositioneller im Jahr 2013 bekannt und kämpft derzeit für den IS in Syrien. Es sei „unmöglich“, dass der Anschlag bei „Charlie Hebdo“ nicht vom IS in Auftrag gegeben worden sei, ist Filiu überzeugt.

Über Said Kouachi war zunächst weniger bekannt als über seinen jüngeren Bruder. Er wurde nie strafrechtlich belangt, die französischen Sicherheitsbehörden hatten sich vor allem bei Ermittlungen zu Chérif mit ihm beschäftigt. Die US-Zeitung „New York Times“ berichtete aber unter Berufung auf US-Vertreter, Said sei 2011 „mehrere Monate lang“ im Jemen gewesen und dort von Al-Kaida trainiert worden. Beide Brüder standen seit Jahren auf einer Terrorliste der USA, unter anderem war ihnen verboten, in die USA zu fliegen.

Zuletzt lebte der arbeitslose Said Kouachi, auf Fahndungsfotos mit kurzen Haaren und einem Kinnbart zu sehen, mit seiner Frau und einem gemeinsamen Kind in einem Vorort der ostfranzösischen Stadt Reims. Sein Personalausweis wurde in einem der Fluchtfahrzeuge gefunden, was die Ermittler auf die Spur der Brüder brachte.

Beide hatten offenbar keine leichte Kindheit. Sie lebten - zusammen mit einem weiteren Bruder und einer Schwester - jahrelang in einem Heim, sollen dort aber keine Problemfälle gewesen sein und später Ausbildungen absolviert haben.

afp

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