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Deutschland / Welt Steinmeier und Fabius im Krisenland Nigeria
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14:37 27.10.2014
Nun ist Frank-Walter Steinmeier (links) zum Gegenbesuch in Abuja - gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius (rechts). Doch ein Ende der Gewalt von Boko Haram ist nicht in Sicht. Quelle: dpa
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Abuja

Boko Haram gibt keine Ruhe. Im Nordosten Nigerias fiel die Terrorgruppe wieder in mehrere Dörfer ein, tötete mindestens 17 Menschen und verschleppte 30 Jugendliche. Dabei hatte die nigerianische Regierung erst Mitte Oktober eine Waffenruhe mit den Islamisten verkündet. Die ernüchternde Meldung kommt passend zum Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und seinem französischen Amtskollegen, Laurent Fabius, in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Und der Terror von Boko Haram ist nicht die einzige Heimsuchung, mit dem das Land zu kämpfen hat.

Die Terrormiliz treibt seit Jahren ihr Unwesen im bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Staat Afrikas. Die Islamisten wollen im Norden Nigerias einen Gottesstaat errichten. Sie morden, plündern, zünden Bomben und entführen Menschen. Allein in diesem Jahr starben mehr als 3000 Menschen durch die Attacken von Boko Haram.

Ein Aufschrei ging um die Welt, als die Terrorgruppe vor einem halben Jahr eine Schule in der Stadt Chibok im Norden Nigerias überfiel und mehr als 200 Schülerinnen verschleppte. Die Mädchen und jungen Frauen sind noch immer in der Hand der Terroristen - trotz aller verheißungsvollen Worte der Regierung. Erst vor knapp einer Woche war Nigerias Außenminister Aminu Wali in Berlin zu Gast, sprach frohen Mutes von der Waffenruhe mit Boko Haram und tat kund, er erwarte eine Freilassung der Schülerinnen „in sehr naher Zukunft“.

Nun ist Steinmeier zum Gegenbesuch in Abuja - gemeinsam mit Fabius. Doch ein Ende der Gewalt von Boko Haram ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: In den vergangenen Tagen kamen immer neue Schreckensmeldungen von Anschlägen, Überfällen und Entführungen. Nun also die nächste.

Boko Haram hat sich bislang überhaupt nicht zu der angeblichen Waffenruhe geäußert. War die nigerianische Regierung allzu voreilig mit ihrer Botschaft? Im Februar stehen Wahlen in Nigeria an. Und bislang konnte die Regierung im Kampf gegen den Terror wenig Erfolge vermelden.

Steinmeier und Fabius haben sich für ihren gemeinsamen Besuch eine schwierige Ecke der Welt ausgesucht. Die beiden waren zuvor schon gemeinsam auf Reisen: Im Frühjahr waren sie in Moldau, Georgien und Tunesien. Ihre Doppel-Besuche sind als Geste gedacht, als Zeichen der deutsch-französischen Partnerschaft, der große Trägheit nachgesagt wurde - und als Signal, dass es gemeinsames Vorgehen braucht, um mit den Krisen auf der Welt fertig zu werden.

Nigeria ist so ein Krisenort. Nicht nur der Terror erschüttert das Land. Die andere Heimsuchung kam Mitte Juli. Ein Regierungsberater aus Liberia trug den Ebola-Virus ins Land. Der Mann brach am Flughafen in der Millionenstadt Lagos zusammen und starb einige Tage später. Die Krankheit breitete sich in Nigeria aus, doch die Behörden griffen schnell ein, richteten ein Krisenzentrum ein, spürten jene auf, die Kontakt mit Kranken hatten und isolierten sie. Das Ausmaß der Seuche hielt sich in Grenzen - im Vergleich zu den Ebola-Zentren in Liberia, Guinea und Sierra Leona: Während sich dort schon tausende Menschen infizierten und starben, gab es in Nigeria laut offizieller Statistik nur 20 Ebola-Fälle. Acht davon endeten tödlich.

Seit genau einer Woche gilt Nigeria nun offiziell als Ebola-frei. Trotzdem geht weiter die Angst um. Solange die Seuche noch in der Region wütet, bleibt auch Nigeria gefährdet. Still und leise breitet sich das Fieber unaufhörlich in Westafrika aus. Mehr als 10 000 Infektionen hat die Weltgesundheitsorganisation insgesamt schon registriert - und fast 5000 Tote. Jeden Tag werden es mehr. Und das sind nur die offiziellen Zahlen. Das Dunkelfeld dürfte sehr, sehr groß sein. Inzwischen hat die Epidemie auch Mali erreicht.

Steinmeier und Fabius haben für die nigerianische Regierung ein Angebot im Gepäck: Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam medizinisches Personal in Nigeria schulen, das dann in den Ebola-Ländern zum Einsatz kommen kann. Ziel sei, eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, sagt Steinmeier. Auch Nigeria kann sich noch nicht sicher sein, dass es diese Heimsuchung wirklich überwunden hat.

dpa

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