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Autofahrer schießt auf Ausländer

Mittelitalien Autofahrer schießt auf Ausländer

Er suchte seine Opfer offenbar gezielt aus. Ein Mann hat in Macerata in Mittelitalien aus dem Auto heraus auf dunkelhäutige Passanten geschossen. Laut Medienberichten sollen bis zu sieben verletzt worden sein. Die Polizei geht von rassistischen Motiven und Rache aus.

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Sanitäter versorgen einen Verletzten, nachdem er im italienischen Macerata angeschossen worden ist.

Quelle: Guido Picchio via AP

Macerata. Als die Polizei und die Verantwortlichen der Gemeinde Macerata ahnten, was passierte, forderten sie die Bewohner auf, Häuser, Büros und Schulen nicht zu verlassen. Die Schüsse waren am Samstagvormittag an verschiedenen Orten in der Provinzhauptstadt gefallen.

Wenig später fassten die Carabinieri den mutmaßlichen Täter, laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa einen 28-Jährigen. Er soll dabei einen faschistischen Gruß vor einem Denkmal für gefallene Soldaten in der 42.000-Einwohner-Stadt gezeigt habe, berichteten die Zeitung „La Repubblica“ und Ansa. Zuvor habe er sich in eine italienische Flagge gehüllt.

Politiker verurteilten die Bluttat

Bei seiner Festnahme habe er keinen Widerstand geleistet. Im Auto fand die Polizei den Berichten zufolge die mutmaßliche Tatwaffe, eine Pistole.

Alle Verletzten seien ausländischer Nationalität, teilte die Polizei auf Twitter mit, stand für weitere Auskünfte aber zunächst nicht zur Verfügung. Medien berichteten von vier bis sieben Verletzten.

Etliche Politiker verurteilten die Tat, alln voran der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni. „Hass und Gewalt werden es nicht schaffen, uns zu spalten“, sagte er am Samstag. „Eine Sache ist sicher, dass schreckliche Verbrechen und kriminelles Verhalten strafrechtlich verfolgt und bestraft werden. Dies ist das Gesetz.“

Gentilonis Vorgänger, der Chef der Sozialdemokraten, Matteo Renzi, schrieb auf Facebook: „Der Mann, der geschossen und sechs dunkelhäutige Altersgenossen getroffen hat, ist eine elendige und irre Person.“

Verdächtiger soll zur Lega Nord gehören

Der Verdächtige sei vergangenes Jahr bei Kommunalwahlen für die ausländerfeindliche Lega Nord angetreten, schrieb Renzi, rief aber gleichzeitig dazu auf, den Vorfall aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Am 4. März finden in dem Land Parlamentswahlen statt.

Der Mann habe auch einen Schuss auf den Sitz der sozialdemokratischen PD in Macerata abgegeben, so Renzi weiter.

Lega-Chef Matteo Salvini sagte, er hoffe, die Wahlen am 4. März zu gewinnen, um in Italien für Sicherheit zu sorgen. „Die moralische Verantwortung für jede Episode von Gewalt, die in Italien passiert, haben diejenigen, die [das Land] mit illegalen Einwanderern gefüllt haben“, wurde er von Ansa zitiert.

Die Lega ist Teil der Mitte-Rechts-Allianz mit Berlusconis Forza Italia und den rechten Fratelli d’Italia, die laut Umfragen gerade die meisten Stimmen auf sich vereint.

Mord an Mädchen wühlt die Region auf

Macerata war erst vor wenigen Tagen von dem grausamen Mord an einer 18-Jährigen erschüttert worden. Die Leiche des Mädchens war zerstückelt in zwei Koffern gefunden worden. Verdächtigt wird ein Mann aus Nigeria, der mit Drogen gedealt haben soll. Er sitzt in Untersuchungshaft. Italienische Medien berichten über die Vermutung, der Vorfall am Samstag sei eine Reaktion auf den Mord gewesen.

Die Migrationskrise, von der Italien in hohem Maße betroffen ist, dominiert den Wahlkampf. Salvinis Partei, die sich gegen die Einwanderung positioniert, hat in den vergangenen Monaten an Zulauf gewonnen und liegt derzeit bei rund 13 Prozent.

Wer wie Salvini „Tragödien für Wahlkampfzwecke instrumentalisiert“, sei verantwortlich für eine Spirale von Hass und Gewalt, die schnellstmöglich gestoppt werden müsse, sagt der Anführer der Linksallianz Liberi e Uguali, Pietro Grasso. „Seien wir still und betreiben keinen Wahlkampf auf Kosten von dem getöteten Mädchen und den Verletzten von heute“, mahnte auch der Spitzenkandidat der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio.

Von Lena Klimkeit, dpa/RND

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