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Deutschland / Welt BND beschaffte Probe von Nervengift Nowitschok
Nachrichten Politik Deutschland / Welt BND beschaffte Probe von Nervengift Nowitschok
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08:21 17.05.2018
Soldaten in Gillingham (Großbritannien) tragen Schutzanzüge während der Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter. Quelle: dpa
Berlin/München

Nun haben „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR gemeinsam mit der „Zeit“ nach eigenen Angaben herausgefunden, dass sich auch die Bundesrepublik Mitte der 90er Jahren eine Probe des Nervengifts verschafft habe.

Der Auslandsgeheimdienst BND sei durch einen Überläufer aus Russland an den gefährlichen chemischen Kampfstoff gekommen. Auch die Bundeswehr sei in den Vorgang eingebunden gewesen, berichten die Medien unter Berufung auf Personen, die an der Entscheidung beteiligt gewesen seien. Die Bundesregierung und der BND erklärten den Zeitungen und den Sendern auf Anfrage, zu „nachrichtendienstlichen Angelegenheiten grundsätzlich nur den geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages“ zu informieren.

Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März im südenglischen Salisbury vergiftet worden. Großbritannien geht davon aus, dass dabei ein Stoff aus der Nowitschok-Klasse verwendet wurde, und macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Die Kampfstoffe der Nowitschok-Gruppe waren in der Sowjetunion entwickelt worden. Der Kreml weist die Vorwürfe von sich und verweist darauf, dass das Gift, mit dem die Skripals angegriffen wurden, in mehreren Ländern hätte produziert werden können. So hatte Tschechiens Präsident Milos Zeman zugegeben, dass auch in seinem Land noch vor wenigen Monaten mit einer Nowitschok-Variante experimentiert wurde.

Laut den beiden Zeitungen und den beiden Sendern war die damalige BND-Operation innerhalb der Bundesregierung umstritten. „Wir wollten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als würden wir uns selbst für solche Chemiewaffen interessieren“, wird eine mit den damaligen Diskussionen vertraute Person zitiert. Mit Wissen von Kanzleramt und Verteidigungsministerium sei die Probe in einem schwedischen Labor analysiert worden. Was aus der Probe wurde, ist unklar. Die heutige Bundesregierung bemühe sich nun, den Vorgang zu rekonstruieren.

Von otte