Volltextsuche über das Angebot:

21°/ 14° Gewitter

Navigation:
Balkanroute wird für Flüchtlinge zum Nadelöhr

Athen droht Balkanroute wird für Flüchtlinge zum Nadelöhr

Die Flüchtlinge stauen sich in Griechenland, der Weg nach Norden ist zunehmend versperrt. Berlin wirbt weiter für eine europäische Lösung. Die Partner aber handeln eher nach dem Motto: Genug ist genug.

Voriger Artikel
Spahn: "Positive Anreize für Integration"
Nächster Artikel
Barack Obama will Guantanamo schließen

Flüchtlinge warten hier an der Grenze von Griechenland nach Mazedonien.

Quelle: dpa

Athen. In der Flüchtlingskrise liegen die Nerven zunehmend blank: Griechenland droht Mazedonien, Österreich weist deutsche Kritik zurück, und Tausende Flüchtlinge wissen in Griechenland weder ein noch aus. Mazedonien ließ am Dienstag zwar nach längerer Vollsperrung wieder Flüchtlinge aus Griechenland einreisen, aber nur Syrer und Iraker und das auch nur sehr langsam.

Vor der Grenze auf griechischer Seite harrten rund 4000 Iraker und Syrer aus. Afghanen wurden weiter nicht durchgelassen. Auf der Balkanroute geht die Angst um, dass viele Flüchtlinge in den Ländern stranden könnten, sollte Deutschland die Einreise plötzlich doch begrenzen.

In Damaskus akzeptierte das Regime die von den USA und Russland ausgehandelte Feuerpause. Ob damit ein Ende des jahrelangen Blutvergießens näher kommt und eine der wichtigsten Fluchtursachen eingedämmt wird, galt als zweifelhaft.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) mahnte hingegen erneut die Solidarität der anderen EU-Staaten an. "Die Europäische Union beruht auf dem Gedanken, dass man sich gegenseitig hilft, wenn ein Mitglied in Not ist", betonte Altmaier, der auch Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung ist. "Die Akzeptanz der Europäischen Union wird auch davon abhängen, dass wir es schaffen, in den nächsten Wochen und Monaten eine europäische Solidarität zustande zu bringen, die der Bedeutung dieses Themas gerecht wird", sagte er.

Athen drohte hingegen aus Protest gegen die teilweisen Schließung der mazedonischen mit einer Blockade der weiteren Annäherung von Beitrittskandidaten an die EU. "Dies (die Einlegung eines Vetos) schließen wir nicht aus", sagte die griechische Regierungssprecherin Olga Gerovasili in Athen. Zwar nannte sie keine Ländernamen, aber es lag nahe, dass sie das in die EU strebende Mazedonien meinte.

Für Ärger sorgte in Athen auch die von Wien für Mittwoch organisierte Westbalkankonferenz. Diese Konferenz zur Migrationskrise, zu der Griechenland nicht eingeladen wurde, sei "einseitig und absolut kein freundschaftlicher Akt", teilte das Außenministerium in Athen mit.

Krach auch zwischen Wien und Berlin: Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) wies Kritik aus Deutschland an den neuen Obergrenzen seines Landes für Flüchtlinge zurück. Die Bundesrepublik möge doch selbst eine ihr genehme Zahl von Flüchtlingen nennen, sagte Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ). "Da hat Deutschland zu entscheiden, welche Zahl gilt." Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte die von Wien festgelegte Tagesobergrenze von 3200 nach Deutschland durchreisenden Flüchtlingen als zu hoch kritisiert.

Die griechische Polizei räumte am Dienstag eine von überwiegend aus Afghanistan stammenden Flüchtlingen besetzte Eisenbahntrasse an der Grenze zu Mazedonien. Etwa 900 Flüchtlinge wurden ins Landesinnere zurückgebracht. Während die Flüchtlinge im Norden nur langsam ausreisen konnten, kamen in Piräus erneut mehr als 1250 Migranten an, die aus der Türkei zu den Ostägäisinseln übergesetzt hatten. Die EU-Kommission befürchtet deshalb eine humanitäre Krise in Griechenland.

Die Türkei kündigte an, Menschenschmuggler künftig ähnlich hart wie Terroristen bestrafen zu wollen. Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus kündigte zudem an, noch in diesem Jahr solle allen 650.000 schulpflichtigen syrischen Flüchtlingskindern in der Türkei der Schulbesuch ermöglicht werden. Derzeit ginge etwa die Hälfte zur Schule.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt zur Lösung der Flüchtlingskrise auf die Türkei als dem wichtigsten Transitland für Flüchtlinge. Eine Rücknahme von Flüchtlingen, die von Nato-Schiffen in der Ägäis aus Seenot gerettet werden, ist nach Angaben von Kurtulmus jedoch noch nicht abschließend vereinbart. Grundsätzlich hatten sich die Türkei und Griechenland schon in ihrem gemeinsam mit Deutschland gestellten Antrag für den Nato-Einsatz darauf geeinigt, dass aus Seenot gerettete Flüchtlinge in die Türkei zurückgebracht werden sollen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Deutschland / Welt
Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.