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Obama besucht sein „Vaterland“ Kenia

Spurensuche in Afrika Obama besucht sein „Vaterland“ Kenia

In seiner Jugend blieb Barack Obamas Vorstellung vom afrikanischen Heimatland seines Vaters vage, sein Kenia-Bild glich einem unfertigen Mosaik. Nun kommt er erstmals als US-Präsident zu Besuch. Kann er  abseits der hohen Politik etwas Zeit für seine Familie abzwacken?

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In Kenia wird der US-Präsident Barack Obama erwartet.

Quelle: dpa

Nairobi. Auf dem Foto wirkt er wie aus der Zeit gefallen. Barack Obama, noch keine 30 Jahre alt, hockt auf einem Holzschemel vor einer Lehmhütte in Kenia. Er trägt Turnschuhe und eine Chinohose, das rote Hemd sitzt locker. Obama lacht. Seine Stiefgroßmutter Sarah hat ihm den Arm auf die Schulter gelegt, daneben sitzen Halbschwester Auma und Stiefmutter Kezia. Die auf 1987 datierte Aufnahme erzählt ein Stück von der afrikanischen Herkunft des US-Präsidenten - und irgendwie wünscht man ihm, mit dieser Leichtigkeit für ein paar Tage in den Kreis seiner Verwandten zurückkehren zu können.

Doch zwischen diesem Foto und Obamas Kenia-Besuch von Freitagabend bis Sonntag werden Welten liegen. Der teils als „mächtigster Mann der Welt“ betitelte Präsident reist Medienberichten zufolge mit einer rund 700 Mann starken Entourage an, von persönlichen Beratern über Secret-Service-Agenten bis zu Hundeführern für Sprengstoff-Kontrollen und den hauseigenen Köchen. Seine Cadillac-Limousine namens „The Beast“ wird für den Kurzbesuch ebenso eingeflogen wie ein ganzer Fuhrpark des Weißen Hauses. Wegen der Angst vor Terroranschlägen wird Obama wie in einem unsichtbaren Panzer durch Nairobi rollen.

Dabei gibt es reichlich Familiengeschichte, die der 53-Jährige im Heimatland seines Vaters abseits der politischen Agenda auffrischen könnte. Weil Vater Barack Obama senior in seinem wechselhaften Leben bereits zwei Jahre nach der Geburt seines Sohnes auf Hawaii nach Kenia zurückkehrte, schuf der junge Barack sich das Bild seines Vaters aus Erzählungen. Einzig im Alter von zehn Jahren erlebt er für einen Monat den stolzen und ehrgeizigen, aber auch etwas ziellos lebenden Mann, der 1982 bei einem Autounfall ums Leben kommt. „Mein Vater blieb ein Mythos für mich“, schreibt Obama über diese Zeit.

Erst allmählich setzt „Barry“, wie ihn sein Vater nannte, das Puzzle über den Kurzzeit-Ehemann seiner aus dem US-Staat Kansas stammenden Mutter Ann Dunham selbst zusammen. Der Angehörige des Luo-Stamms liegt heute im Dorf Kogelo im Westen des Landes begraben. Dass ein Besuch dort im auf Kante genähten politischen Programm logistisch und angesichts strengster Sicherheitsvorschriften nicht machbar sein wird, sieht auch Stiefgroßmutter Sarah Obama ein. „Er ist ein Weltpolitiker - und es wäre kein gutes Zeichen, wenn er andere Staatschefs vernachlässigen würde, nur um uns zu besuchen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. So eine Forderung wäre „selbstsüchtig“.

Stattdessen sollen einige Familienmitglieder nach Nairobi und möglicherweise auch zum Staatsdinner mit Präsident Kenyatta kommen, heißt es aus Washington. Vielleicht kann damit auch Obamas Halbbruder Malik besänftigt werden, der in einem Interview kürzlich noch pikiert angemerkt hatte, dass die Familie im 400 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Heimatdorf von Obama senior nicht einmal über den hohen Besuch informiert worden sei. Angesichts von Krisen, Kriegen und Konflikten in der Welt mag man es dem Präsidenten kaum vorwerfen,  sollte er seine Verwandtschaft etwas aus den Augen verloren haben.

Die Begeisterung und der Stolz dürften sich so oder so überschlagen - die Kenianer feierten die Wahl ihres Volkshelden im November 2008, als seien sie selbst US-Präsidenten geworden und erklärten den „Obama Day“ kurzum zum (einmaligen) Nationalfeiertag. Die Bezirksregierung Nairobis hat tief in die Tasche gegriffen, um Straßen auszubessern, Büsche zu trimmen und die Stadt für den hohen Besuch aufzuhübschen - oft auf den allerletzten Drücker.

„Das ist Kurzzeit-Kosmetik“, spottet Carol Wanjira. Die Stadt habe das Gras am Mittelstreifen großer Straßen nur 72 Stunden vor Obamas Ankunft gepflanzt. „Wie erwarten sie, dass das Gras rechtzeitig hoch genug wächst?“, fragt sie und lacht. Für Zeitungsverkäufer Henry Ombogo zählt dagegen nur, dass Obama kommt. „Wir wollen unseren Sohn zurück“, sagt er. „Er ist einer von uns. Wir haben ihn vermisst.“

„Die Kenianer sehen Obama nicht als Afroamerikaner. Sie sehen ihn als Kenia-Amerikaner, vielleicht gar als Luo-Amerikaner“, sagt EJ Hogendoorn vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington. Finanzanalyst Aly Khan Satchu vergleicht die Reise im britischen „Guardian“ mit dem Besuch des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy in Irland im Jahr 1963.

Auch wenn das Kaffeekränzchen in Kogelo ausfällt: Den wichtigsten Teil der Spurensuche hat Obama nach dem Besuch von 1987 ohnehin hinter sich. „Ich saß zwischen den Gräbern meines Vaters und Großvaters und weinte“, schreibt er. „Als meine Tränen trockneten, fühlte ich, dass sich der Kreis geschlossen hatte.“

1992 stellte Obama dort seine Verlobte Michelle vor, die er im Oktober desselben Jahres heiratete. Kurz vor seiner Wahl kehrte er als Senator von Illinois zurück und wurde schon damals gehandelt als der erste schwarze Präsident der USA. Nun dürfte die Aufregung ihren endgültigen Höhepunkt erreicht haben. „Ich werde ehrlich sein: Kenia als Privatbürger zu besuchen, bedeutet mir vermutlich mehr“, gab Obama kürzlich bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus zu. „Denn ich kann das Hotelzimmer oder Konferenzzentrum tatsächlich verlassen.“

dpa

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Foto: US-Präsident Barack Obama (2. v. r.) umarmt seine Halbschwester Auma Obama (3. v. l.) am Jomo Kenyatta International Airport.

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