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Deutschland / Welt Clinton ist die lachende Dritte
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00:15 19.03.2016
Von Stefan Koch
Hillary Clinton Quelle: Tannen Maury
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Washington

Das muss man den beiden großen Parteien in Amerika lassen: Selten zuvor war die Spannung in den Vorwahlen so groß wie in diesem Wahljahr. Bis tief in die Nacht verfolgten mehrere Millionen Amerikaner die Auszählung des sogenannten kleinen "Super Tuesday". Zu den vielen Überraschungen des Abends zählte Marco Rubio: Die vermeintlich letzte Hoffnung der moderaten Konservativen steigt aus dem Rennen um das Weiße Haus aus.

Als Gewinner dieser Runde dürfen sich Hillary Clinton und Donald Trump fühlen, die die Mehrheit der Delegierten für sich gewannen. Doch für beide "Front Runner" gilt einmal mehr: Ihr Vorsprung verfestigt sich, aber eine endgültige Entscheidung über die Nominierung ist noch nicht gefallen.

Nach ihren Siegen in Florida, North Carolina und Ohio kann Clinton immerhin feststellen, dass sie ihrem Mitbewerber Bernie Sanders weit vorauseilt. Sollten ihr nicht noch schwerwiegende Fehler unterlaufen, strebt sie geradlinig der Präsidentschaftskandidatur entgegen. Auftrieb verleiht ihrer Kampagne ausgerechnet der mögliche Gegenkandidat der republikanischen Partei. Ihr neuer Schlachtruf "Niemals Trump" mobilisiert viele Parteianhänger, die sich bisher noch nicht so recht für Clinton begeistern können. Ihre jahrzehntelange Dauerpräsenz in der US-Politik, ihre Email-Affäre und die Gerüchte um ihre Familienstiftung bringen selbst eingefleischte Parteianhänger ins Grübeln. Doch angesichts eines möglichen Kandidaten Trump erscheint die Wahl der einstigen First Lady, Senatorin und Außenministerin als das Gebot der Stunde.

Ihr Chancen auf die Präsidentschaft sind am Dienstag Abend einmal mehr gestiegen: Angesichts der harten Auseinandersetzungen zwischen den führenden Republikanern sieht sich Clinton als lachende Dritte. In sämtlichen landesweiten Umfragen liegt die 68-Jährige deutlich in Führung. Dagegen kommt Trump noch nicht einmal auf 30 Prozent.

Noch aber steht der unmittelbare Wettbewerb zwischen Demokraten und Republikanern nicht bevor. Bis zum Sommer gehört die Aufmerksamkeit allein den parteiinternen Konkurrenzkämpfen. Und bisher sieht es ganz danach aus, als ob der New Yorker Geschäftsmann die Nominierung an sich reißt: Florida, North Carolina und Illinois gingen am Dienstag deutlich an Trump. Da aber Gouverneur John Kasich in seinem Heimatstaat Ohio die Mehrheit errang, bleibt in der "Grand Old Party" noch alles offen. Kasich konnte bisher zwar nur in seiner engeren Heimat punkten - aber er trägt gemeinsam mit Ted Cruz dazu bei, dass Trump nicht als glänzender Sieger gilt. Nach wie vor kann der Multimilliardär nur etwa 30 Prozent seiner Parteifreunde hinter sich versammeln.

Politikwissenschaftler wie Allan Lichtman von der American University in Washington sehen daher eine wachsende Wahrscheinlichkeit für einen "offenen" Parteitag der Republikaner im Juli: "Die Parteiführung bietet alle Kräfte auf, Trump zu stoppen. Aber niemand weiß, ob das auf den letzten Drücker gelingt."

Nach Lichtman's Beobachtungen spricht Trump vor allem Wähler an, die mit der eigenen Partei unzufrieden sind. "Viele Konservative sind von den eigenen Abgeordneten und Senatoren enttäuscht", so der renommierte Parteienforscher. In den Augen dieser Amerikaner zähle Trump zu den wenigen Politikern, die authentisch und unabhängig von Lobbyisten seien. Zur Wahrheit gehöre allerdings auf, dass der Populist ganze Bevölkerungsgruppen wie illegale Zuwanderer oder Muslime zu Sündenböcken stempele.

Sogar Amtsinhaber Barack Obama schaltete sich daher in diesen Tagen in den Wahlkampf ein und warnte vor verbalen Zuspitzungen, die letztlich der amerikanischen Demokratie schaden könnten.

Soweit ist es aber noch lange nicht. Die Vorwahlen tragen vor allem dazu bei, die Wahlbeteiligung nach oben zu treiben. Und Trumps Aussagen vom Dienstag Abend, die "Grand Old Party" in den kommenden Wochen wieder zu einen und zu versöhnen, betrachten viele Republikaner mit großer Zurückhaltung. Dazu passen die jüngsten Umfragen zu der Zufriedenheit der Amerikaner: Demnach geben knapp 90 Prozent an, trotz aller Turbulenzen mit ihren Lebensumständen zufrieden zu sein. Trumps Thesen, dass Amerika vor dem Ruin stehe, können sie nur wenig abgewinnen. 

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