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100-Millionen-Euro-Plan

Berlin will mehr Behinderte in Firmen unterbringen

Von Stefan Koch

Um die Situation behinderter Menschen in Deutschland grundlegend zu verbessern, will das Bundeskabinett am Mittwoch einen „Nationalen Aktionsplan“ auf den Weg bringen. Insgesamt sollen 100 Millionen Euro über fünf Jahre hinweg investiert werden, um mehr Schwerbehinderte in reguläre Jobs zu bringen.
Arbeitsministerin von der Leyen startet am Montag einen 100-Millionen-Euro-Plan.

Arbeitsministerin von der Leyen startet am Montag einen 100-Millionen-Euro-Plan.

© dpa

Berlin. „Wir investieren das Geld in eine bessere Berufsorientierung, Ausbildung und Beschäftigung schwerbehinderter Menschen“, sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen am Dienstag der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Mit der „Initiative Inklusion“ will Berlin die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen umsetzen, die bereits Anfang 2009 in Kraft trat und jede Art der Diskriminierung von Behinderten verbietet. „Das bedeutet: Nicht die Menschen mit Behinderung passen sich an die Gesellschaft an, sondern wir organisieren den Alltag so, dass die 9,6 Millionen Menschen mit Behinderung mittendrin und dabei sind“, sagt von der Leyen. Neben dem Bund müssten sich auch die Länder, Verbände und die Wirtschaft an diesem Vorhaben beteiligen. Insbesondere sollen ab Herbst über zwei Jahre hinweg bis zu 10.000 schwerbehinderte Jugendliche auf das Berufsleben vorbereitet werden. Zusätzlich sollen 1300 neue betriebliche Ausbildungsplätze für Jugendliche mit Handicaps auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt geschaffen werden, indem es für Arbeitgeber spezielle Anreize gibt. Ziel sei es zudem, 4000 neue altersgerechte Jobs für schwerbehinderte Menschen über 50 Jahre zu schaffen. Das größte Potenzial liege in kleinen und mittleren Firmen; anders als Großunternehmen schreckten diese noch häufig davor zurück, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. „Nicht weil der gute Wille fehlt, sondern Information und Wissen, wie man die Leute gut in den Betrieb und die Abläufe integrieren kann“, sagt von der Leyen.

Regelungsbedarf sieht Berlin auch in der Unterrichtssituation. Heute besuchen in Deutschland nur 20 Prozent aller Schüler mit Förderbedarf eine Regelschule, in Niedersachsen sind es weniger als fünf Prozent. „Durch ein sehr ausgeklügeltes Netz von Sondereinrichtungen und Sonderprogrammen haben wir auseinandergebracht, was eigentlich zusammengehört“, sagt von der Leyen. „Wenn wir Inklusion ernst nehmen, dann muss sie so früh wie irgend möglich ansetzen. In Kitas sind wir schon sehr weit. Aber danach ist vielfach Schluss.“

Auch die SPD-Bundestagsfraktion hatte Ende Mai Vorschläge zur besseren Teilhabe von Menschen mit Behinderung vorgelegt. So fordern die Sozialdemokraten, Behinderte aus der Sozialhilfe herauszuholen und sie in Wirtschaftsleben einzubeziehen. Zudem fordert die Partei eine umfassende Barrierefreiheit bei öffentlichen Bauvorhaben und im Tourismus.

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