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Trump und Sanders gewinnen in New Hampshire

US-Vorwahlen Trump und Sanders gewinnen in New Hampshire

Mit überraschend großem Vorsprung gewinnen Bernie Sanders und Donald Trump die Vorwahlen in New Hampshire. Der Sieg der beiden "Front-Runner" war allseits erwartet worden. Doch sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern hatte wohl kaum jemand mit einem so großen Abstand zu den Mitbewerbern gerechnet. 

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Donald Trump mit seiner Frau Melania.

Quelle: afp

Concord. Politische Beobachter beeilten sich am Dienstagabend zu betonen, dass New Hampshire sicherlich nicht repräsentativ sei für die USA. Gerade einmal eine Million Menschen leben in dem kleinen Bundesstaat in Neuengland. Mehr als 95 Prozent sind weiß, nur ein Prozent der Bevölkerung zählt zu den Afroamerikaner, und etwa zwei Prozent besitzen asiatische Wurzeln. Und doch geht von diesen "Primary" ein starkes Signal für ganz Amerika aus: Im Gegensatz zu Iowa, wo traditionell die ersten Vorwahlen stattfinden, können in New Hampshire alle wahlberechtigten Bürger an der Abstimmung teilnehmen - und nicht nur registrierte Demokraten oder Republikaner. Und anders als in Iowa bilden die sogenannten "Independence", die sich keiner der beiden Volksparteien zugehörig fühlen, hier eine ungemein große Gruppe.

Umso ratloser blicken viele Amerikaner auf die Ergebnisse: Warum stimmen etwa 34 Prozent der Republikaner für Trump - während die anderen Mitbewerber weit unter 20 Prozent liegen? Wie in den vergangenen Wochen ließ der Immobilienkönig bei seiner Siegesrede weitestgehend offen, wie er sein Programm konkret umsetzen will. Oft behauptet Trump, die Jobs aus China, Japan und Mexiko zurückholen zu wollen. Doch wie will er dieses Vorhaben konkret angehen?

Auffällig war am Wahlabend lediglich, dass sich der 69-Jährige insgesamt etwas vorsichtiger ausdrückte. So betonte Trump, dass er die "legale Einwanderung" unterstütze, aber den illegalen Grenzübertritt unterbinden wolle. Auch wolle er eine Mauer entlang der mexikanischen Grenze vor allem deshalb bauen lassen, um den massenhaften Drogentransport zu bekämpfen.

Wie CNN-Umfragen ergaben, liegt die eigentliche Überraschung in der Frage, welche Gruppen für den New Yorker Geschäftsmann stimmten: Seine Wähler stammen nicht allein aus der einkommensschwachen Bevölkerung, sondern setzen sich offenbar aus sämtlichen sozialen Schichten zusammen. CNN-Moderator Wolf Blitzer stellte drei Stunden nach Schließung der Wahllokale nüchtern fest: "Trump gewinnt bei den Armen, bei den Reichen, in der Landbevölkerung, bei den Städtern. Einfach überall."  

Vor einem Rätsel steht auch die Demokratische Partei. Mit einem Sieg des bekennenden Sozialisten Sanders hatten viele Parteifreunde gerechnet, aber nicht mit einem derartigen Erdrutsch-Ergebnis: 58 zu 40.

Trotz ihrer krachenden Niederlage gab sich Hillary Clinton kämpferisch. In einer kraftvollen Rede präsentierte sich die 68-Jährige als diejenige Bewerberin, die wisse, wie sich politische Programme auch tatsächlich durchsetzen lassen. Die frühere First Lady, Senatorin und Außenministerin ist sich sicher, auf dem langen Weg durch sämtliche Bundesstaaten noch kräftig an Zuspruch gewinnen zu können. Tatsächlich zeigen die bisherigen Umfragen, dass sie landesweit - noch - in Führung liegt.

Bemerkenswerte Andeutungen waren denn auch in der Siegesrede von Sanders zu beobachten: Gleich zwei Mal hob der 74-jährige Senator aus Vermont die Verdienste von Clinton hervor und betonte, dass sich die Parteifreunde früher oder später hinter einem Kandidaten sammeln müssten. Manche Beobachter sahen in seinen Äußerungen bereits ein erstes Signal, dass es ihm nicht um den Sieg im Rennen um das Weiße Haus geht, sondern lediglich um eine Korrektur von Clintons Kurs. Tatsächlich kann Sanders bereits jetzt für sich in Anspruch nehmen, das Programm der Politikern kräftig nach links gerückt zu haben. Die zwielichtige Rolle der Großsponsoren in den Wahlkämpfen, die bedrückend hohen Gebühren für die Hochschulausbildung und das erschreckende Auseinanderklaffen der Einkommensschere - in ihren Reden erwähnt Clinton längst all die Missstände in Amerika, die auch Sanders regelmäßig anprangert. 

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