Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Bundeswehr zieht mit Besenstiel ins Manöver
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Bundeswehr zieht mit Besenstiel ins Manöver
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:10 17.02.2015
Ein gepanzertes Transportkraftfahrzeug Boxer in Mecklenburg-Vorpommern. Quelle: Bernd Wüsteneck / Symbolbild
Anzeige
Berlin

Bei der Bundeswehr hapert es an der Ausstattung. Bundeswehr-Soldaten haben bei einem Nato-Manöver schwarz angestrichene Besenstiele statt Waffenrohre an ihre gepanzerten Fahrzeuge montiert. Das Manöver hat bereits im vergangenen Jahr in Norwegen und Deutschland stattgefunden.

Dieser peinliche Vorfall sei kein Einzelfall, der deutsche Truppenteil der Nato Response Force (NRF) sei insgesamt nicht voll einsatzbereit, berichtete das Magazin "Report Mainz" am Dienstag. Das Verteidigungsministerium widersprach dieser Darstellung, bestätigte aber indirekt den Besenstiel-Vorfall. Ein Sprecher sagte: "Warum die Soldaten da einen Besenstiel angebracht haben, ist für uns fachlich nicht nachvollziehbar, denn der Verband war mit dem "Boxer" als Gefechtsstandfahrzeug ausgestattet, und dafür ist gar keine Bewaffnung notwendig, weil der mobile Gefechtsstand durch andere Fahrzeuge und Sicherungskräfte geschützt wird."

Wie die ARD-Politikmagazine "Kontraste" und "Report Mainz" aus einem internen Bericht der Bundeswehr erfuhren, beklagten sich Soldaten des Panzergrenadierbataillons 371 aus Marienberg in Sachsen bitter über die nach ihrer Auffassung unzureichende Ausstattung ihrer Einheit. Laut Bericht erklärten sie, die Bewaffnung für das gepanzerte Fahrzeug GTK Boxer sei zu "100 Prozent" nicht vorhanden. Bei den P8-Pistolen fehlten 41 Prozent, beim Maschinengewehr MG3 seien es 31 Prozent. Außerdem seien mehr als drei Viertel der "Lucie"-Nachtsichtgeräte nicht vorhanden oder nicht einsatzbereit. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, wenn das Material nicht verfügbar sei, könne auch der Auftrag der schnellen Eingreiftruppe der Nato nicht erfüllt werden.

Konkrete Fragen der ARD-Magazine zu den Ausstattungsmängeln habe das Ministerium nicht beantworten wollen. Stattdessen sei nur betont worden, der Truppenverband sei inzwischen zertifiziert und einsatzbereit. Das NRF-Manöver fand im vergangenen September in Norwegen und Deutschland statt. Zusätzlich zu dieser schnellen Nato-Eingreiftruppe wird in diesem Jahr eine "superschnelle Eingreiftruppe" der Nato getestet. Sie soll innerhalb von zwei Tagen verlegt werden können. Truppenkontingente, die Teil dieser neuen Speerspitze werden, müssen nach Auskunft eines Ministeriumssprechers "voll ausgestattet" werden. Das bei der Bundeswehr sonst praktizierte "dynamische Verfügbarkeitsmanagement" sei hier nicht anwendbar.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Als das Karfreitagsgefecht 2010 nahe Kundus in Afghanistan außer Kontrolle zu geraten scheint, übernimmt Hauptfeldwebel Oliver Pordzik die Führung. Für seinen Einsatz verleiht ihm der einstige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg das Ehrenkreuz für Tapferkeit. Pordzik selbst sieht sich nicht als Helden.

Marina Kormbaki 19.02.2015

Drohnen, Radargeräte und Satelliten sollen die Waffenruhe in der Ukraine überwachen. Auch die Bundeswehr könnte sich an einer solchen Mission beteiligen. Entschieden ist aber noch nichts.

13.02.2015

Der Simulator für den neuen Militärtransporter A400M wurde in Wunstorf in Betrieb genommen. Das teilte Airbus am Montag in einer Erklärung mit. In den ersten drei Jahren sollen 60 Besatzungen auf dem Mehrzweck-Transporter und mit Hilfe des Simulators geschult werden.

09.02.2015

„Realitätsverweigerung“ und schlechten Stil“ wirft die Union der SPD-Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles im anhaltenden Kampagnenstreit um den Mindestlohn vor. Streitpunkt ist eine Anzeigenkampagne mit Steuerzahlergeld, mit der das Ministerium flächendeckend den bürokratisch einfachen Mindestlohn in seiner jetzigen Form feiern lässt.

17.02.2015

Nach dem deströsen Abschneiden der CDU bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg droht den Christdemokraten nach Ansicht des Parteienforschers Lothar Probst das nächste Debakel bei den Wahlen in Bremen. Dort wird am 10. Mai ein neues Landesparlament gewählt.

17.02.2015
Anzeige