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Kann das gut gehen?

Boris Johnson als Außenminister Kann das gut gehen?

Von "exzellenter Idee" bis "sehr schlechtes Signal": Die Ernennung von Boris Johnson zum britischen Außenminister sorgt für gespaltene Reaktionen. Ist der Mann mit dem stets verstrubbelten blonden Haarschopf dafür geeignet?

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Wieder mitten drin im politischen Geschehen: Boris Johnson.

Quelle: dpa

London. Es ist noch nicht lange her, dass sich Boris Johnson entschied, für einen Austritt Großbritanniens aus der EU zu werben. An einem Sonntag im Februar tritt er mit gesenktem Kopf vor die Kameras vor seinem Haus im Norden Londons. Boris, wie ihn seine Landsleute kurz nennen, ist damals noch Bürgermeister der britischen Hauptstadt.

Zurück aus der Versenkung – in zwei Wochen

Er stammelt etwas von schwerem Herzen, und dass er nichts gegen den damaligen Premierminister David Cameron und die Regierung unternehmen wolle. Aber er habe, dem Volk zuliebe, keine andere Wahl. Seinen konservativen Parteifreund Cameron soll er nur wenige Minuten vorher per SMS über den Schritt informiert haben.

Die Geschichte danach ist bekannt: Boris Johnson wurde zum Gesicht des Brexits - und überraschte nur wenige Tage nach dem Referendum mit seinem Verzicht auf die Bewerbung als Nachfolger von David Cameron. Es schien das politische Ende für den ehemaligen Bürgermeister von London – doch nur zwei Wochen später ist Johnson wieder da. Die neue britische Premierministerin Theresa May hat ihn in einer ihrer ersten Amtshandlungen zum Außenminister ernannt.

"Eine exzellente Idee"

Mit der Personalie dürfte May versuchen, die zwischen Brexit-Befürwortern und -Gegnern gespaltenen Tories wieder anzunähern. In Sachen Wählergunst dürfte diese Personalie sie ebenfalls stärken - schließlich ist Johnson nicht irgendjemand.

Die neue britische Premierministerin Theresa May baut ihr Kabinett um. Gleich mehrere Minister mussten gehen oder sind nun in anderen Bereichen tätig. Ein Überblick.

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Immer wieder wurde der Mann mit dem stets verstrubbelten blonden Haarschopf in Umfragen zum beliebtesten Politiker Großbritanniens gekürt. Wäre er noch einmal angetreten, er hätte wohl kaum Schwierigkeiten gehabt, die Bürgermeisterwahl in London für sich zu entscheiden.

Die Londoner Zeitung "The Telegraph" lobt die Entscheidung von Theresa May und spricht von einem "begeisternden Schachzug". "Boris zu ernennen war eine exzellente Idee: er glaubt an den Brexit, aber er ist pro-europäisch; er will zusätzliche Kontrolle über die Migration, aber er ist für Einwanderung. Seine Ernennung wird helfen, den Brexit als ein liberales und die Globalisierung befürwortendes Projekt zu zementieren", heißt es in der Zeitung.

Gleichwohl gibt es auch viel Kritik an Mays personellem Schachzug. Zweifel kommen an der Eignung von Boris Johnson ausgerechnet als Außenminister auf. War sein langjähriger Mitstreiter Michael Gove ihm nicht erst vor wenigen Wochen in den Rücken gefallen - mit der Begründung, der Mann eigne sich von seinem Charakter her nicht für Führungsaufgaben?

Sieger des Schmähgedicht-Wettbewerbs

Ansätze dafür gibt es viele. Denn der Mann, der auf Fotos gerne Grimassen schneidet, hat sich in den letzten Monaten manch Aktion geleistet:

  • Als US-Präsident Barack Obama in London für einen Verbleib Großbritanniens in der EU warb, spekulierte Johnson in einem Zeitungsartikel über dessen kenianische Wurzeln und eine daraus resultierende Abneigung gegen Winston Churchill und das britische Kolonialreich. 
  • Auf dem Höhepunkt der Böhmermann-Affäre schrieb er ein Schmähgedicht über einen "jungen Kerl aus Ankara" und gewann damit einen zweifelhaften Wettbewerb für das "beleidigendste Gedicht über Präsident Erdogan"
  • Größter Ausrutscher Johnsons aus deutscher Sicht ist seine Behauptung, die EU wolle einen Superstaat errichten - wie einst Napoleon und Hitler.

In Deutschland kritisierten Grüne und SPD die Entscheidung. Damit habe May "den Bock zum Gärtner gemacht", sagte Grünen-Parteichefin Simone Peter. Fraktionschef Anton Hofreiter nannte die Wahl von Johnson "ein sehr schlechtes Signal für den Austrittsprozess". Auch in der SPD ist man nicht glücklich. Johnson sei nicht als herausragender Diplomat in Erscheinung getreten, sagte der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner. 

Und Angela Merkel? "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Theresa May", sagte die Kanzlerin und lud die neue Premierministerin nach Deutschland ein. Zur Nominierung von Boris Johnson wollte Merkel, auch auf Nachfrage, keinen Kommentar abgeben.

zys/RND/dpa

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