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"Probleme enstehen für das Land selbst"

Interview zum Brexit mit dem Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt "Probleme enstehen für das Land selbst"

Großbritannien nach dem Brexit - wie geht es nun weiter? Christoph Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwickung, geht davon aus, dass sich das Land mit dem EU-Austritt vor allem selber schadet.

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 Professor Christoph Schmidt glaubt, dass Großbritannien durch den EU-Austritt als Wirtschaftsstandort nicht attraktiver wird.

Quelle: RWI/Julica Bracht

Hannover. Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf die deutsche Wirtschaft?

Deutschland hat intensive Handelsbeziehungen mit Großbritannien, deshalb wird sein Ausscheiden aus der EU an Deutschland wohl nicht spurlos vorübergehen. Trotzdem denke ich, dass die größten Probleme für Großbritannien selbst entstehen werden, nicht für Deutschland und die anderen EU-Mitgliedsstaaten.

Werden sich europäische Unternehmen jetzt aus Großbritannien zurückziehen?

Ankündigungen dieser Art gab es zwar bereits, es wird sich aber in den nächsten Wochen und Monaten zeigen, wie ernst es den Unternehmen damit tatsächlich war. Klar ist, dass der EU-Austritt Großbritannien als Wirtschaftsstandort nicht attraktiver machen wird.

Zur Person

Christoph M. Schmidt , geb. 1962, ist Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Zum März 2009 wurde Christoph M. Schmidt in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen, seit März 2013 ist er dessen Vorsitzender.

Welche Branchen leiden besonders, gibt es auch Profiteure?

Am stärksten leiden natürlich in Großbritannien ansässige Unternehmen, die viel in die EU exportieren. Dagegen dürften Unternehmen, die ihre Absatzmärkte vor allem außerhalb Europas haben, von dem schwachen Pfund profitieren. Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass die Erfolge der Gewinner die Misserfolge der Verlierer auch nur annähernd wettmachen können.

Der Eurokurs dürfte nun steigen. Wird das zur Gefahr?

Der Euro ist gegenüber dem Dollar nicht zuletzt durch die Politik der EZB so schwach wie seit vielen Jahre nicht mehr. Daran dürfte sich bei einem Brexit kaum etwas ändern. Die eigentliche Gefahr für Europa liegt in den politischen Weiterungen, die sich aus dem britischen Schritt für den europäischen Integrationsprozess ergeben könnten.

Wie werden die britischen Unternehmen auf die neuen Rahmenbedingungen reagieren?

Das bleibt abzuwarten. Ich rechne damit, dass die Realwirtschaft kurz- und mittelfristig voraussichtlich erhebliche Wachstumseinbußen wird hinnehmen müssen. Negative Vertrauenseffekte, Einbußen beim internationalen Handel und der Verlust des Zugangs zum Binnenmarkt und die damit verbundene Unsicherheit werden voraussichtlich die Wirtschaft Großbritanniens schwächen. Die Unternehmen werden sich an diese Entwicklungen anpassen müssen, gegebenenfalls auch durch den Abbau von Arbeitsplätzen.

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